Der Gender Pay Gap ist das Anliegen des Equal Pay Days, der dieses Jahr am 7. März, einen Tag vor dem Frauentag gefeiert wird. Er beschreibt, dass Frauen weniger verdienen als Männer, nicht nur im Schnitt, sondern auch in denselben Berufen.

Wir zeigen, wie schlimm die Kluft ist und erklären, warum der Gender Pay Gap immer noch existiert.

5 Gründe, warum Frauen schlechter verdienen:

Oft wird Frauen vorgehalten, sie seien selbst schuld daran, dass sie weniger verdienen als Männer, sie würden zum Beispiel öfter Teilzeit arbeiten oder einfach schlecht bezahlte Berufe wählen. Verschiedene Studien zeigen, dass es eine Mischung aus einer anderen Lebensgestaltung, weniger Selbstbewusstsein und vielen Vorurteilen ist.

1. Frauen haben andere Ziele in der Berufswahl als Männer

Frauen wählen andere Berufe als Männer. Demnach sind den meisten Frauen ein gutes Gehalt und ein schneller Aufstieg weniger wichtig als Männern. Gerade in Ländern mit einer hohen Gleichstellungsrate und guter Bezahlung wie Schweden kann man das Phänomen beobachten: Hier ist die Anzahl der Frauen in MINT-Berufen besonders gering, wie die Gender Equality Paradox-Studie herausfand.

2. Frauen trauen sich nicht in die MINT-Fächer

MINT-Berufe sind sehr gefragt und gut bezahlt, aber nur wenige Frauen entscheiden sich für ein Studium in diesem Bereich. Hier wird oft argumentiert, dass Mädchen nicht genug dazu ermutigt werden, sich für Wissenschaft zu begeistern. Eine Studie, die in der OECD iLibrary veröffentlicht wurde, zeigt, dass Mädchen ihre mathematischen Fähigkeiten trotz gleicher Leistung immer schlechter einschätzten als die Jungen.

3. Frauen wählen Berufe, die ein Familienleben zulassen

Sobald eine Frau Mutter ist, verdient sie auch weniger als eine Single-Frau. Männer hingegen verdienen als Väter oft mehr. Es verwundert kaum, dass Frauen sich dann öfter für flexible Jobs entscheiden, die auch Teilzeit zulassen. Knapp 47 % der arbeitstätigen Frauen in Deutschland arbeiten in Teilzeit.

4. Frauen fällt es schwer zu verhandeln

Auch dies ging aus einer Stepstone-Studie hervor. Frauen haben Angst, als zu verbissen bewertet zu werden, wenn sie hohe Lohnforderungen stellen. Tatsächlich wird dieses Argument zunehmend abgeschwächt, denn laut einer Online-Studie fragen inzwischen 38 % der Frauen regelmäßig nach einer Gehaltserhöhung im Vergleich zu 42 % der Männer. Diesen Grund für weniger Gehalt haben wir also bald eliminiert.

5. Vorurteile bestehen weiterhin

Viele der Gründe für weniger Gehalt bei Frauen hängen zusammen: In einer heteronormativen Familie verdient die Frau im Schnitt noch weniger als der Mann und geht dann in öfter Teilzeit für das Kind. Dadurch stehen bei Arbeitgebern alle jungen Frauen unter Generalverdacht, bald auszufallen durch die Familienplanung.

Auch andere Vorurteile Frauen gegenüber sorgen für geringere Gehälter. Das Problem: Hier hält sich ein Teufelskreislauf selbst am Leben, indem Vorurteile dazu führen, dass Frauen den Vorurteilen entsprechend handeln müssen.

Frau vor einer Holowand
Die Zukunft ist digital, das wissen wir alle. Besonders der Bereich AI wächst, doch Frauen trauen sich oft nicht in die MINT-Fächer.

Der Gender Pay Gap: Das sind die Zahlen

Die Gründe, warum Frauen weniger verdienen als Männer, sind vielfältig und auf keinen Fall nur auf Vorurteile am Arbeitsplatz oder gar Sexismus zurückzuführen. Deshalb gibt es den normalen Gender Pay Gap und eine bereinigte Variante in welcher Berufswahl, Arbeitsjahre, Alter, Qualifizierung, gearbeitete Stunden etc. mit einberechnet werden. Der bereinigte Wert liegt deutlich niedriger.

Überall auf der Welt verdienen Frauen noch immer weniger als Männer. Teils aus erklärbaren Gründen, teils aus Vorurteilen oder ihrer Mutterrolle. Das sind die Fakten zum Gender Pay Gap:

Der Gender Pay Gap weltweit liegt bei 50 %

In Deutschland liegt der unbereinigte Gender Pay Gap im Jahr 2018 bei knapp 22,3 % (das Statistische Bundesamt spricht von 21 %) und ist damit hinter dem europäischen Durchschnitt. Bezieht man Faktoren wie die Berufswahl mit ein, soll der bereinigte Gender Pay Gap noch bei 6,4 % liegen. Laut der Studie liegt Australien hier ganz vorn mit einem bereinigten Unterschied von 3,4 %.

Der Gender Pay Gap wird mit dem Alter größer

Dazu kam eine statistische Untersuchung von gehalt.de. Besonders in Führungspositionen verdienen Frauen mit dem Alter weniger als ihre männlichen Kollegen. Auch adzuna kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Liegt der Gender Pay Gap zwischen 20 – 30 Jahren noch bei 15%, wächst er zwischen 50 – 59 auf ganze 33,25%.

Der Gender Pay Gap ist im Westen größer als im Osten

Die Infografik der FAZ belegt veranschaulicht dies besonders deutlich. Gerade im Süden des Landes ist der Gap besonders hoch. In Böblingen bei Stuttgart liegt er gar bei 1.800 € Brutto-Unterschied im Monat.

Es gibt Berufsfelder, in denen Frauen mehr verdienen als Männer

Dazu gehören Hochbau, Fahrzeugtechnik, Tiefbau, Veranstaltungsservice- und Management und Gewerbeaufsicht.

In Deutschland sind 72,1 % der Frauen arbeitstätig

Verglichen zu 79,7 % der Männer. Das ist über dem EU-Durschnitt. Nur Island, Schweden, Dänemark, Norwegen, die Schweiz und die Niederlande liegen vor uns.

In Island ist es illegal, Männer und Frauen ungleich zu entlohnen.

Damit ist Island das erste Land, welches Lohngleichheit in das Gesetz aufgenommen hat. Bis 2022 sollen Frauen exakt so viel verdienen wie Männer Firmen mit mehr als 25 Mitarbeitern müssen demnach nachweisen, dass Frauen und Männer gleich viel bezahlt wird in gleichen Positionen.

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Nur 6 Länder garantieren Frauen gleiche Arbeitsrechte wie Männern

Der Women, Business and Law 2019 Report kam zu diesem Schluss. Unter den Ländern sind Belgien, Frankreich, Dänemark, Luxemburg, Litauen und Schweden. Direkt dahinter mit 97,5 % sind Österreich, Kanada, Estland, Finnland, Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und UK. Deutschland hatte einen Score-Wert von 91,88 %, der sonstige Abräumer Island 96,5 %.

Bücher von Frauen kosten knapp 45 % weniger als die von Männern

Vor allem, weil sie in kostengünstigeren Genres wie Liebesromanen schreiben. Aber selbst wenn man außer Acht lässt, verdienen sie noch knapp 9 % weniger als männliche Schriftsteller. Schuld seien laut den Ergebnissen einer Studie wohl die Vorurteile der (oft männlichen) Verlegenden.

In Filmen gibt es doppelt so viele männliche Rollen

Genauso steht es um den Redeanteil. Dabei sind Frauen viermal so oft in aufreizender Kleidung zu sehen und das sogar, wenn sie Führungspersonen spielen. Dazu verdienen sie in Hauptrollen oft weniger als ihre Kollegen. Ein berühmtes Beispiel ist American Hustle (2013): Während Jennifer Lawrence und Amy Adams knapp 7 % des Gewinns bekamen, erhielten die männlichen Schauspieler knapp 9 %. Lawrence ärgerte sich selbst über ihr Verhandlungsgeschick.

Transgender-Frauen verdienen weniger als Transgender-Männer

In einem Experiment beworben sich 5 Trans-Personen auf denselben Job. Als Frau wurde ihnen ein geringeres Einstiegsgehalt (bis zu 12.471 € weniger) angeboten. Das Experiment ist zwar nicht statistisch repräsentativ, aber geht durchaus mit den Forschungsergebnissen der vorherigen Studien einher.

Fazit: Der Gender Pay Gap ist real

Frauen verdienen weniger, auch wenn man alle Daten bereinigt alle möglichen Einflüsse abzieht, besteht noch ein Unterschied. Es liegt nun an unserer Gesellschaft, dies zu ändern. Nicht nur an den Männern, sondern auch an den Frauen. 

Ein selbstbewusstes Auftreten und Vertrauen in die eigene Leistung ist Schlüsselfaktoren für eine gerechte Bezahlung. Hierfür sind auch weibliche Vorbilder und Repräsentanten in Führungspositionen wichtig. Aber auch das Überdenken der gängigen Klischees, dass immer Frauen die Kinder betreuen. Island macht es wunderbar vor und zeigt, dass auch die Politik seinen Teil leisten muss.