Was für ein Impfdebakel! In ganz Deutschland sind Impfzentren aus dem Boden gestampft worden, doch die Pharmaunternehmen können nicht wie bestellt liefern. Deutschland fehlen Millionen Impfstoff-Dosen. Was für ein Kontrast zu den Jahren 2009 und 2010: Damals herrschte eine solche eine Impfmüdigkeit, dass später Millionen Impfdosen verbrannt werden mussten.

Impfmüdigkeit kostete über 250 Millionen Euro

Als sich die Schweinegrippe 2009 immer weiter ausbreitete, geriet die Welt zusehends in Panik. Zu groß war die Angst vor Todeszahlen wie bei der Spanische Grippe, die 1918 bis 1920 bis zu 50 Millionen Opfer forderte. Doch im weiteren Verlauf zeigte sich, dass die Sterblichkeit deutlich geringer war, als zuerst angenommen. Zwar wurden in 214 Staaten und Überseegebieten 18.449 Todesfällen nachgewiesen, bis zu 575.400 Infektionen geschätzt– die tatsächliche Mortalität bei der Schweingerippe soll aber nur bei 1 % gelegen haben. 

Es könnte an diesen Zahlen und Fakten gelegen haben, dass in Deutschland damals eine Impfstoffmüdigkeit herrschte. Denn die Nachfrage nach dem Impfstoff gegen das Virus H1N1 war sehr gering. So gering, dass Großteil nach und nach vernichtet wurde. Zwei Jahre nach dem Beginn der Pandemie wurden die übrig gebliebenen 196 Paletten mit 16 Millionen nicht genutzten Impfdosen im Wert von rund 250 Millionen Euro verbrannt. 34 Millionen Dosen des Pharmakonzern GlaxoSmithKline hatte Deutschland insgesamt gekauft. Doch letztlich wurden nur 5 Millionen davon verbraucht.

Heute ist die Impfmüdigkeit kein großes Problem

Im Jahr 2021 kann von Impfmüdigkeit keine Rede sein – zumindest nicht im Vergleich zur vorherigen Pandemie. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL gaben 47 Prozent der Befragten an, sich sofort impfen zu lassen, sobald sie die Möglichkeit hätten. Weitere 40 Prozent wollten „lieber erst einmal abwarten“.

Erfahre im video mehr über mRNA-Impfstoffe.

Doch die Bereitschaft allein genügt nicht. Denn Deutschland fehlen Millionen Impfstoff-Dosen. Eigentlich hatte Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, im Sommer „jedem ein Impfangebot“ machen zu können. Laut SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist wegen der Lieferschwierigkeiten frühenstens September realistisch

Rechnet man alle Bestellungen bei den Pharmaunternehmen Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca zusammen, wären 86 Millionen Anwen­dun­­gen in Deutschland möglich. Nur, wann die tatsächlich zur Verfügung stehen, ist noch völlig unklar.

Einigen Politiker:innen und Promis scheint die Reihenfolge beim Impfplan egal zu sein. Sie drängeln und bestechen, um früher geimpft zu werden. 

crlnmyr