Die Zeit, in der man seinen Studienabschluss absolviert, ist eine unglaublich stressige und zugleich aufregende. Auf der einen Seite plagt man sich mit der Abschlussarbeit und rennt den letzten Credits hinterher. Auf der anderen Seite lassen einen die Gedanken an die Zukunft nicht los, die zugleich euphorische Hoffnungen auf den ersten festen Vollzeitjob beflügeln.

Doch was, wenn das mit dem Berufseinstieg nach dem Studium nicht gleich reibungslos klappt? Wie geht es dann weiter? Muss man sich dann nach dem Studium arbeitslos melden? Wir haben Antworten.

Frau Buch
Gerade bist du noch jeden Tag mit der Nase voran in Bücher eingetaucht & nun ruft das echte (Berufs-)Leben? Wir verraten, worauf es ankommt.(Photo: Getty Images/ Malte Mueller)

Muss man sich nach dem Studium arbeitslos melden?

Die Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung zeigt, dass Absolvent:innen einer Hochschule in der Regel drei bis vier Monate nach ihrem Abschluss einen festen Job finden

Doch wie hat man sich als Absolvent:in nach der Exmatrikulation und vor Jobantritt zu verhalten? Wie finanziert man sich, wenn das BAföG wegfällt? Muss man sich nach dem Studium arbeitslos melden? Wir haben eine Arbeitsvermittlerin aus Berlin dazu befragt und aufschlussreiche Antworten erhalten…

Man ist nicht verpflichtet, sich nach dem Studium irgendwo zu melden.

– Arbeitsvermittlerin Maria aus Berlin

wmn: Ist man verpflichtet, sich nach dem Studienabschluss arbeitslos zu melden, wenn man keinen Job hat?

Arbeitsvermittlerin Maria: Man ist nicht verpflichtet, sich nach dem Studium irgendwo zu melden. Wenn man sich selbst finanzieren kann oder durch die Eltern finanziert wird, dann ist das nicht notwendig. Wenn man sich aber dazu entscheidet, Leistungen zu beantragen, muss man sich zwingend an die Fristen halten. 

wmn: Ist es sinnvoll, sich schon vor der Exmatrikulation arbeitssuchend zu melden?

Arbeitsvermittlerin Maria: Es gibt beispielsweise eine drei Monatsfrist. Wenn ein Arbeitsverhältnis ausläuft, muss man sich bereits drei Monate vor Auslauf arbeitssuchend melden und dann später arbeitslos. Aber das gilt nur für Student:innen, die zuvor einen Werkstudent:innen-Job hatten, der sozialversicherungspflichtig war.

Für das Jobcenter ist es allerdings sinnvoll, den Antrag auf Arbeitslosengeld frühzeitig zu stellen, um eine rechtzeitige Bearbeitung zu ermöglichen. Hier wird dann geprüft, ob man anspruchsberechtigt ist.

Anmerkung der Redaktion: Man muss sich also nicht arbeitslos melden. Es kann jedoch sinnvoll sein, sich drei Monate vor Studienende arbeitssuchend zu melden und zum Beispiel auf die Beratungsangebote einzugehen. Weitere Informationen zur Anmeldung auf Arbeitssuche findest du hier

wmn: Wie wird in dieser Zeit die Krankenversicherung bezahlt?

Arbeitsvermittlerin Maria: Das ist natürlich tricky. Denn die muss man selber zahlen, wenn man nirgendwo gemeldet ist. Wenn man anspruchsberechtigt ist, also Arbeitslosengeld bekommt, wird diese allerdings auch übernommen.

Man kann in jedem Fall einen Antrag beim Jobcenter stellen und die prüfen dann, ob man anspruchsberechtigt für Arbeitslosengeld ist.

– Arbeitsvermittlerin Maria aus Berlin

wmn: Bekommt man frisch aus dem Studium überhaupt Geld vom Amt? Wovon hängt das ab?

Arbeitsvermittlerin Maria: Das kommt auf den Einzelfall an. Man kann in jedem Fall einen Antrag beim Jobcenter stellen und die prüfen dann, ob man anspruchsberechtigt für Arbeitslosengeld ist. Dann wird zum Beispiel auch geguckt, ob man mit einem:r Partner:in zusammenlebt und ob er/sie euch beide finanzieren könnte. Es wird also zum Beispiel allgemein geprüft, ob Hilfebedürftigkeit besteht.

Anmerkung der Redaktion: Student:innen haben in der Regel nach dem Studium keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, weil sie noch nicht in Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Das muss jedoch, wie Maria sagt, im Einzelfall geprüft werden. Wer berechtigt ist, kann dann das Arbeitslosengeld II beziehen, welches auch Hartz-IV genannt wird.

Frau Uni
Viele Student:innen haben Angst nach dem Studium jeden Job annehmen zu müssen. Ist diese Angst berechtigt? Jein.(Photo: Getty Images/ Klaus Vedfelt)

wmn: Ist man gezwungen, jeden Job anzunehmen, der einem vom Amt vorgestellt wird?

Arbeitsvermittlerin Maria: Jein. Man ist verpflichtet, jeden Job anzunehmen, der zumutbar ist. Dafür gibt es auch zahlreiche Definitionen, was genau darunterfällt. Der wichtigste Punkt in diesem Zusammenhang ist, dass ein Job nicht allein deswegen unzumutbar ist, weil er nicht der Qualifikation entspricht

Es ist also rein rechtlich in Ordnung, wenn du Wirtschaftsingenier:in bist, aber einen Job als Paketzusteller:in bekommst. Denn sobald Leistungen bezogen werden, ist man verpflichtet, alles dafür zu tun, seine Hilfebedürftigkeit zu beenden.

Anmerkung der Redaktion: Wer Arbeitslosengeld bezieht, ist zudem dazu verpflichtet, Termine wahrzunehmen, sich weiterzubilden und stetig nach einer Tätigkeit umzusehen. Aber jetzt bloß keine Panik. Die Zahl der arbeitslosen Akademiker:innen liegt laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gerade mal bei 2,3 %. Nach dem Studium rutschst du also in der Regel nicht in die dauerhafte Arbeitslosigkeit. 

Sich nach dem Studium arbeitslos zu melden, kann verunsichern

Muss es aber nicht. Denn die Statistiken sprechen für sich. Natürlich gilt es den ein oder anderen Stolperstein zu überwinden und vor allem die eigene Versagensangst abzuschütteln, doch am Ende stehen die Chancen als Uni-Absolvent:in mehr als gut im Berufsleben schnell und sicher Fuß zu fassen

Naturwissenschaftliche Studiengänge sind zwar in der Regel gefragter auf dem Jobmarkt, aber auch Geisteswissenschaftler:innen werden mit etwas längerer Wartezeit mit Sicherheit gut unterkommen. Und bis dahin heißt es einfach: fleißig die Profile auf Online-Jobbörsen pflegen, den Lebenslauf perfektionieren und überzeugende Bewerbungen rausschicken.

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