Vielen Menschen fällt es schwer, Kritik zu üben. Besonders kniffelig wird es, wenn der/die eigene Chef:in Ziel der Kritik ist. Jedoch sollte das kein Grund sein, warum du das, was dir auf dem Herzen liegt, herunterschluckst. Wir stellen dir die fünf Dinge vor, die du einem/r Chef:in sagen solltest, wenn du das nächste Mal Kritik üben möchtest.

Kritik üben: Wann solltest du deine:n Chef:in kritisieren?

Im Joballtag gibt es immer wieder Situationen, die du nicht auf dir sitzen lassen solltest. Das können fachliche Entscheidungen, aber auch persönliche Dinge sein. Wann du Kritik übst, ist natürlich sehr individuell und muss nach deinem Bauchgefühl entschieden werden. Klassische Situationen sind aber beispielsweise wenn du einen fachlichen Fehler findest, den Umgang mit dir oder Kolleg:innen nicht gut findest oder die Kommunikation einer Entscheidung nicht unterstützt. Wie du diese Situationen richtig ansprichst, erfährst du jetzt.

1. Um einen mündlichen Termin bitten

Unangenehme Dinge sollte man immer face-to-face besprechen. Auch wenn das zunächst schwieriger erscheint, als eine unpersönliche E-Mail, ist ein persönliches Gespräch die deutlich erwachsene Option. Bitte dafür am besten frühzeitig um ein Gesprächstermin, sodass sowohl du als auch dein:e Chef:in genug Zeit habt, euch auf das Gespräch vorzubereiten.

2. Bereite dich gut vor

Egal, ob sich um ein fachliches oder persönliches Gespräch handelt: Vorbereitung ist das A und O. Wenn du einen fachlichen Fehler gefunden hast oder mit einer geschäftlichen Entscheidung nicht zufrieden bist, lege deinem/r Chef:in genau deinen Gedankengang dar und zeige so, warum du seine/ihre Entscheidung als falsch empfindest.

Wenn dich etwas an dem zwischenmenschlichen Umgang stört, solltest du auch für das Gespräch genau deine Argumente zusammentragen. Was hat dich genau verletzt? Wie würdest du dir den Umgang in Zukunft wünschen? Sei so konkret wie möglich.

3. Kritik treffend und sachlich formulieren

Wenn du gut vorbereitet bist, steht einem persönlichen Gespräch nichts mehr im Weg. Um jetzt Kritik zu üben, ist es wichtig, dein Problem auf den Punkt zu bringen. Hilfestellungen, wie du solch ein Gespräch anfangen kannst, sind:

  • „Ich verstehe Ihre Entscheidung zum Thema XY nicht, weil…“
  • „Mir ist in letzter Zeit vermehrt aufgefallen, dass…“
  • „In unserer Kommunikation zum Thema XY hätte ich mir gewünscht, dass…“
  • „Bei genauer Recherche ist mir ein Fehler aufgefallen.“
  • „Ich hätte es als angemessener empfunden, wenn…“

Vielleicht fällt dir schon auf, dass all diese Beispielsätze aus der Ich-Perspektive formuliert wurden. Das ist absichtlich so. Denn wenn du Kritik übst, solltest du immer von deinem Standpunkt ausgehen. Was stört dich? Wo siehst du das Problem? Du wirst sehen, dass solch eine Formulierung viel wirkungsvoller ist als ein Satz wie „Warum haben Sie XY gemacht?“.

Formuliere deine Kritik aus der Ich-Perspektive. Foto: IMAGO / Westend61

4. Die Chance auf Rechtfertigung/Erklärung geben

Nur weil du der/diejenige bist, der/die Kritik übt, heißt das nicht, dass du auch zwangsläufig recht hast. Gib deinem Gegenüber immer die Möglichkeit sich zu erklären, zu rechtfertigen oder tatsächlich zu entschuldigen. Damit das möglich ist, hilft eine Formulierung aus der Ich-Perspektive. So kannst du sagen: „Ich verstehe Ihre Entscheidung zum Thema XY nicht. Können Sie mir das erklären?“ Wenn dich Menschen nicht in die Enge getrieben fühlen, sind sie viel offener für Kommunikation.

5. Eine Lösung finden

Wenn du dich entscheidest Kritik zu üben, sollte dein Ziel natürlich sein, eine Lösung zu finden. Gehe nicht mit der Intention in das Gespräch, dass dein:e Chef:in vor dir zu Kreuze kriecht, sondern sei auch für seine/ihre Argumente offen. Trotz dessen solltest du natürlich eine Vorstellung haben, wie das Gespräch verlaufen soll. Wurdest du so verletzt, dass du eine Entschuldigung erwartest? Bist du an einem Kompromiss am Umgang mit Thema XY interessiert? Formuliere dir vorher deine Vorstellung, um zu wissen, wann du mit dem Gespräch zufrieden bist.

Fazit: Kritik zu üben ist wichtig!

Auch wenn es zunächst unangenehm erscheint, ist Kritik zu üben ganz wichtig. Wenn immer nur alles sonnig ist und Probleme unter den Tisch gekehrt werden, kann kein Unternehmen wachsen. Du solltest also immer auf dein Bauchgefühl hören und störende Themen ansprechen.