Zinsen auf der Bank: Kannst du dich noch an die Werbungen von Sparkasse, Volksbank etc. erinnern, die für das Sparen warben, damit man sich irgendwann das Eigenheim finanzieren kann? Die Kirsche auf der Sparertorte: Der Zins, der wie von alleine das Geld vermehrte. Diese Zeiten gehörten lange der Vergangenheit an. Hat sich das jetzt geändert?

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Wo lege ich mein Geld in Zeiten von Inflation und allen möglichen Krisen am besten an? Foto: shutterstock (mojo cp)

Was sind Zinsen?

Extreme Ausschläge an den Aktienmärkten, Energiekrise, Ukrainekrieg und Inflation – es sind gerade schwierige Zeiten, um sein Geld irgendwo anzulegen. Wenn die hohe Inflationsraten eine positive Seite haben, dann die, dass Sparer:innen wieder mit klassischen Zinserträgen rechnen können. Um die Inflation zu bekämpfen, muss die Europäische Zentralbank EZB ihre Zinspolitik ändern und das zeigen die aktuellen Angebote der Banken.

Verschiedene Worte mit „Zins“ im Namen haben wir vermutlich alle schon häufiger bei einer Bank, beim Autohändler oder im Elektromarkt gesehen. Doch was sind eigentlich Zinsen und was steckt hinter den verschiedenen Begriffen, die „Zins“ im Namen tragen? Den wichtigsten von ihnen wollen wir einmal auf den Grund gehen.

Laut der Deutschen Bundesbank sind Zinsen der Preis für das Leihen von Geld. Die Höhe der Zinsen hängt dabei vom vereinbarten Zinssatz ab. Der Zinssatz wird üblicherweise mit dem Prozentzeichen dargestellt, wobei „Prozent“ „von hundert“ bedeutet. Er gibt an, in welcher Höhe vom angelegten oder geliehenen Betrag Zinsen berechnet werden.

Einlagezins

Menschen sparen auf Ihrem Bankkonto Geld. Dafür kann die Bank dem Kontoinhaber Zinsen zahlen. Die Höhe des dabei angewandten Zinssatzes richtet sich nach dem allgemeinen Zinsniveau sowie der Höhe der Einlage. Außerdem gilt in der Regel: Je länger die Sparer auf ihr Geld verzichten, desto höher ist üblicherweise der Zinssatz.

Kreditzins

Du möchtest dir etwas kaufen, für das dein Erspartes nicht reicht? Dann kannst du dir Geld über den Kredit bei einer Bank leihen. Hierfür musst du bzw. die Person, die sich das Geld leiht, Zinsen an die Bank zahlen.

Die Höhe dieses sogenannten Kreditzinses hängt unter anderem davon ab, wie kreditwürdig die kreditnehmende Person ist: Je höher das Risiko für die Bank ist, dass der oder die Kreditnehmer:in den Kredit nicht zurückzahlen kann, desto höher ist der Zinssatz, den diese:r zahlen muss. Ebenso hängt die Höhe des Zinssatzes von der Laufzeit des Kredits ab. Je länger die Bank das Geld zur Verfügung stellt, desto höher ist der Zinssatz.

Leitzins

Der Leitzins beeinflusst alle anderen Zinsen in einer Volkswirtschaft und hat damit auch Einfluss auf das gesamte Wirtschaftsleben: Wenn die Zentralbank den Leitzinssatz erhöht, erhöhen auch die Geschäftsbanken die Zinssätze für ihre Kund:innen. Dadurch werden für die Kund:innen Kredite teurer und Sparen lohnender.

So sinkt tendenziell die Nachfrage in der Wirtschaft und in der Folge auch der Preisauftrieb. Umgekehrt regen sinkende Zinsen die Kreditnachfrage an und machen Sparen weniger lohnend. So steigt die Nachfrage in der Wirtschaft und in der Folge nehmen auch die Preise tendenziell schneller zu.

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Diese Dinge haben sich in Sachen Zins geändert. Foto: shutterstock (Anton_AV)

Was hat sich geändert?

Jahrelang war der Zins nach Finanz- und Eurokrise praktisch abgeschafft, bis die Europäische Zentralbank EZB die Wende eingeleitet hat. Negativzinsen sollen wegfallen. Das bedeutet, dass Anleger:innen kein Geld mehr an die Bank bezahlen müssen, um ihr Geld sicher verwahrt zu wissen. Da die Negativzinsen immer schon rechtlich umstritten waren, können Kund:innen hoffen, dass Minuszinsen nun der Vergangenheit angehören.

Außerdem wurde der Leitzins um 0,5 Prozentpunkte kräftig angehoben und was das bedeutet, erklärt dir wmn.

Wo profitiere ich von den Zinsen der Bank?

Girokonto

Nicht wirklich. Auf dem normalen Girokonto, auf dem du monatlich dein Gehalt einzahlst, zahlen die Banken nach wie vor, so gut wie keine Zinsen. Oft verlangen sie sogar für bestimmte Leistungen Zusatzgebühren, wie zum Beispiel das Einzahlen von Geld am Münzautomaten, oder Zahlen per EC-Karte. Deswegen sollten Sparer:innen dort wirklich nur das Allernötigste parken.

Tagesgeldkonto

Wenn du auf Sicherheit setzen möchtest, solltest du au fein Tagesgeldkonto setzen. Über die letzten Jahre hinweg waren die Zinsen dort zwar sehr gering, aber die Lage verbessert sich gerade. Zudem haben Tagesgeldkonten einen eingebauten Zinsautomatismus: Steigen die Leitzinsen wie jetzt auf 0,5 Prozent, drehen auch die meisten Banken schnell am Kontozins – und die Kund:innen profitieren sofort.

Münzen im Glas  mit einem Pflanzensatz drauf auf einem Holzboden
Es ist nicht leicht, als Anleger:in den Überblick über die eigenen Möglichkeiten zu behalten. Foto: iStock/kirisa99 /

Festgeld

Mit Festgeld können Sparer:innen ihr Geld für einen fest vereinbarten Zeitraum bei der Bank parken. Im Gegenzug erhalten sie von der Bank einen festgeschriebenen Zinssatz, der sich während der Laufzeit des Festgelds auch nicht verändert. Festgeld fungiert oft als Sicherheitsbaustein, neben risikoreicheren Investitionen. Das Problem dabei ist, dass Kund:innen während der Laufzeit keinen Zugriff auf ihr Geld haben und angesichts einer aktuellen Inflation von knapp 8 % sind die Zinsen ein geringer Trost.

Etwas mehr Festgeld-Zins lässt sich noch herausholen, wenn man auf Anbieter aus Ländern mit leicht schwächerer Bonität zurückgreift, wie der Zinsvergleich beim Finanzportal FMH ergibt. Wer mit der gesetzlichen Einlagensicherung Litauens leben kann, der kann beim Anbieter Payray mit zweijährigem Festgeld 1,75 Prozent Zins pro Jahr bekommen und mit dreijährigem Festgeld 1,95 Prozent pro Jahr. 

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Um maximalen Profit und Sicherheit zu bekommen, müssen einige Faktoren berücksichtigt werden. Foto: Pexels / Karolina Grabowska

Wo lohnt es sich am meisten?

Wer das Ersparte mit Festgeld anlegt, hat am Ende also etwas mehr, als wenn das Geld nur auf dem Girokonto rumdümpelt. Gegen die Inflation gerechnet, verliert man mit Festgeld trotzdem Geld. Dafür kann man nicht empfindlich ins Minus rutschen, wie es vielen Aktienanlegern gerade passiert – und ein Totalverlust ist nahezu ausgeschlossen, da die gesetzlichen Einlagensicherungen selbst bei Pleite der Bank bis 100.000 Euro pro Kunde entschädigen.

Festgeld eignet sich, um Erspartes für eine gewisse Zeit sicher zwischen zuparken und den Realverlust etwas zu mildern. Wer langfristig – über zehn Jahre und mehr – eine solide Rendite erzielen will, ist mit einem Aktien-ETF, etwa auf den MSCI World, besser dran. Wer schon in Aktien investiert ist und an das Geld nicht kurzfristig dran muss, sollte einfach investiert bleiben, bis die Kurse wieder hochgehen und nicht jetzt hektisch alles ins Festgeld rüberschieben.

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Expert:innen sehen in der aktuellen Entwicklung erst den Anfang einer Zinswende Foto: shutterstock (TaniaKitura)

Bank Zinsen dürften weiter steigen

Experte:innen sehen hierbei erst den Anfang einer großen Zinswende. Viele vermuten, dass die Inflation über längere Zeit hoch bleiben wird. Und dass der EZB-Ankündigung einer ersten Zinserhöhung im Juli weitere folgen werden. Dies wird die Konditionen der Banken positiv beeinflussen. Sein komplettes Geld jetzt für drei Jahre fest anzulegen, ist daher wahrscheinlich nicht die schlaueste Entscheidung.