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weeklyLovestory: Lale fand im KZ seine große Liebe

Du hast genug Bad News gehört? In unserer weeklyLovestory findest du Geschichten, die zum Nachdenken anregen, Mut machen und Hoffnung geben.

Lale fand im Konzentrationslager in Auschwitz seine große Liebe.
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Angst vor der Liebe: Wenn Menschen emotional nicht verfügbar sind

Wenn jemand Liebe und Nähe nicht zulassen kann, könnte er zu den Menschen gehören, die emotional nicht verfügbar sind. Das klingt hart. Ist es auch. Für beide Seiten. An alle, die sich auch nicht auf Gefühle einlassen können und an alle, die verstehen wollen, warum emotional nicht verfügbare Menschen so befangen sind.

1942 wird Ludwig „Lale“ Eisenberg in das Vernichtungslager Auschwitz eingeliefert. Auschwitz ist der deutsche Name der polnischen Kleinstadt Oświęcim, die zwischen den Städten Kattowitz und Krakau liegt. Es handelte sich dabei um das größte deutsche Konzentrationslager zur Zeit des Nationalsozialismus.

Der 25-jährige Ludwig wurde in der slowakischen Stadt Krompachy geboren. Er ist stets adrett gekleidet, trägt am liebsten einen Anzug. Seine Haare sind nach hinten gegelt. Was ihm bevorsteht, weiß er nicht – wie schlimm dieser Ort ist, auch nicht. Doch er begreift es bereits nach kürzester Zeit. Sein Glück: In Auschwitz brauchen sie einen Tätowierer und Lale scheint auserwählt zu sein.

Auschwitz: Ein Funken Hoffnung in der Hölle?

Forschende gehen davon aus, dass mindestens 1,3 Millionen Menschen nach Auschwitz deportiert wurden. Einige Insass:innen versuchten zu fliehen, was ihnen manchmal auch gelang. Oft wurden sie aber wieder zurückgebracht.

Ludwig hingegen hat Glück im Unglück. Der Tätowierer, der den Häftlingen in Auschwitz ihre Nummern in den Unterarm ritzt, braucht Verstärkung. Und Lale, wie ihn seine Freunde liebevoll nennen, scheint geeignet zu sein.

Ein Grund hierfür ist, dass er verschiedene Sprachen spricht, darunter auch Deutsch. Kurz nach seiner Ankunft tritt Lale somit seinen Posten an, der ihm am Ende sein Leben retten wird. Und nicht nur das: Auch einen Posten, der ihn zu seiner großen Liebe führen wird.

Lale trägt am liebsten feine Anzüge

Bevor Lale eingeliefert wurde, hatte er in Preßburg gelebt – heute Bratislava, eine bekannte slowakische Metropole. Er war dort verschiedenen Geschäften nachgegangen. Schon immer achtete er dabei auf sein Aussehen und trug sogar an dem Tag, als er nach Ausschwitz gebracht wurde, einen feinen Anzug.

Mehrere Tage reiste er in einem Viehtransport. Ein Wagen voll von unterschiedlichen Menschen. Nicht alle Insass:innen konnten sitzen, manche standen, andere lagen. Toiletten gab es nicht, sodass verschiedene Eimer zwischen den Menschen aufgestellt wurden, die alle überfüllt waren.

Während der Fahrt kippte der Inhalt eines Eimers über seine teuren Anzugschuhe. Lale hatte ein unbehagliches Gefühl.

Er trägt die Nummer 32407

Irgendwann ist er dann in Auschwitz angekommen und beginnt bereits nach kürzester Zeit damit, die Häftlinge zu tätowieren. Er selbst hat die Nummer 32407. Die Arbeit fällt ihm schwer, besonders bei Frauen. Jeder Nadelstich ist wie ein Stich in sein Herz und ein Grund, warum Lale später lange Zeit nicht über seine Erlebnisse in Auschwitz sprechen wird.

Doch er weiß auch, wenn er die Arbeit nicht macht, macht sie jemand anderes und sein Überleben wäre nicht mehr gesichert. Also macht er weiter.

Lales Aufgabe war es, alle zu tätowieren, die neu nach Auschwitz gekommen sind. Foto: Davide Zanin – stock.adobe.com

Frauen zu Tätowieren fällt ihm am schwersten

Wenige Monate nach seiner Ankunft wird Lale in eine Frauenbaracke gerufen. Hier soll er die weiblichen Insassen tätowieren. Vor ihm in der ersten Reihe steht ein junges Mädchen, das ihm sofort auffällt. Er kann seine Augen kaum von ihr abwenden. Lale muss auch ihre Nummer eintätowieren: Es ist die 34902, eine Zahl, die er niemals wieder vergessen wird.

Später erfährt er: Die Frau heißt Gita und kommt wie er aus der Slowakei. Sie zu tätowieren, ist für ihn am schlimmsten gewesen. Nicht, weil nicht jede Tätowierung ihm viel Energie raubt, sondern weil ihm Gita einfach nicht mehr aus dem Kopf geht. Aus diesem Grund tut er später alles dafür, um sie im Konzentrationslager wiederzufinden.

Gita erkrankt an Fleckfieber

Und tatsächlich findet er die junge Frau. In den nächsten Wochen versorgt er sie mit Schokolade, Medizin und Brot, da sie an Fleckfieber erkrankt ist. Eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien hervorgerufen wird und meist Symptome wie hohes Fieber und Hautausschlag mit sich bringt.

Nach und nach verliebt er sich immer mehr in die junge Frau. Beide stehen sie da, inmitten der Hölle, aber immerhin nicht alleine. All das zu überleben und sich eine gemeinsame Zukunft aufzubauen, wird für sie beide zum wichtigsten Hoffnungsträger.

Nach Auschwitz: Lale sucht wochenlang nach Gita

Doch kurz vor Ende des Krieges lassen die Nazis einen Teil der Häftlinge frei und die beiden verlieren sich aus den Augen. Im Sommer 1945 sucht Lale wochenlang in Preßburg nach Gita.

Seine Hoffnung: Sie würde eines Tages mit einem Transport dort ankommen. Und tatsächlich: Plötzlich stehen sie sich beide inmitten der vielen Menschen wieder gegenüber. Sie fallen sich – erleichtert und weinend – in die Arme, heiraten zügig und verbringen ihr restliches Leben zusammen. Wozu noch warten, nach all dem, was sie erlebt haben?

Gemeinsam ziehen sie erst nach Paris und dann nach Neuseeland, wo sie bis zu ihrem Tod zusammen leben. Lale berichtet erst in der Zeit zwischen Gitas Tod (2003) und seinem eigenen (2006) über seine Erlebnisse und seine Gewissensbisse.

Ludwig „Lale“ Eisenberg, der Tätowierer von Auschwitz, wurde 90 Jahre alt und fand im KZ zwischen all der Hoffnungslosigkeit seine große Liebe.

Du willst noch mehr über Lales Geschichte erfahren? Dann schaue dir auch das Buch „Der Tätowierer von Auschwitz: Die wahre Geschichte des Lale Sokolov“ an.

Hinweis: Lale fand damals im Konzentrationslager tatsächlich seine große Liebe. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass während des Holocaust, dem planmäßigen Massenmord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten, in den verschiedenen Lagern des Komplexes Auschwitz-Birkenau von 1940 bis 1945 insgesamt rund 1,1 Millionen Menschen ermordet wurden – mit mehr als einer Million Toten handelte es sich bei den meisten Opfern um Menschen jüdischen Glaubens. Und auch Lale ließ das Erlebte und seine Schuldgefühle nie wieder los.

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