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weeklyLovestory: Eine Beziehung auf Augenhöhe, in einer männerdominierten Welt

Du hast genug Bad News gehört? In unserer weeklyLovestory findest du Geschichten, die zum Nachdenken anregen, Mut machen und Hoffnung geben.

Ruth Bader übernahm in einer männerdominierten Welt Verantwortung.
© Getty Images/Maskot

Geheime Signale & gute Körpersprache: SO wird dein Flirt zum Erfolg!

Lernt man jemanden kennen, ist es manchmal schwer zu deuten, was er genau für einen empfindet. Findet er mich nett oder mehr? Ist er nur höflich oder wirklich interessiert? Wer hier komplett im Dunkeln tappt, sollte auf die Körpersprache beim Flirt-Partner achten. Wer die deuten kann, ist klar im Vorteil.

Die Geschichte von Ruth Bader und Marty Ginsburg begann auf dem Campus der Cornell University im Jahr 1950. Offiziell lernten sie sich dort bei einem Blind Date kennen, inoffiziell hatte Marty einen Freund lange dazu gedrängt, ihm die zierliche und schüchterne Erstsemesterin endlich vorzustellen. Dass sie keineswegs schüchtern war, sondern ein echtes Kraftpaket mit eigener Meinung, wusste er damals noch nicht. Auch nicht, dass die beiden schon bald unzertrennlich sein würden und dass ein Schicksalsschlag sie auf eine harte Probe stellen würde.

„Er war der erste Junge, den ich kannte, der sich darum kümmerte, dass ich ein Gehirn hatte.“

Außenstehende wunderten sich über die Verbindung der beiden. Wirkte Ruth doch immer schüchtern und zurückhaltend, während Marty einen Witz nach dem anderen riss. Zudem war sie gründlich, akribisch und löste Aufgaben besonders schnell.

Marty hingegen war oft unpünktlich und schwänzte nicht selten die Uni – meistens um Golf zu spielen. Ihre einzigen Gemeinsamkeiten: Sie kamen beide aus der Ecke Brooklin. Hielten am jüdischen Glauben fest und wollten die Welt um sich herum erforschen und beeinflussen.

Ruth und Marty heirateten 1954, nachdem Ruth ihren Abschluss an der Cornell University machte und Marty sein erstes Jahr an der Harvard Law School abgeschlossen hatte. Gemeinsam zogen sie dann nach Fort Sill, Oklahoma, wo Ruth ihre erste Tochter Jane zur Welt brachte.

Als Eltern mussten sie zum ersten Mal wirklich an einem Strang ziehen, was aufgrund ihrer unterschiedlichen Charaktere nicht immer einfach war. Aber sie nutzten ihre Stärken und Schwächen und bauten eine Beziehung auf, in der jeder das tat, was er gut konnte.

Ihre Tochter Jane wird später in einem Interview sagen, dass die Aufgaben zu Hause gleichmäßig verteilt waren: Papa kochte und Mama dachte – beruflich sah das Ganze jedoch anders aus.

Vorurteile gegenüber Frauen in Führungspositionen

14 Monate nach der Geburt von Jane begann auch Ruth ein Jurastudium in Harvard. Dort war sie eine von neun Studentinnen unter mehr als 500 männlichen Kommilitonen. Sowohl an der Universität als auch im späteren Berufsleben stieß sie immer wieder auf Vorurteile und Ablehnung.

Frauen in akademischen und juristischen Positionen waren noch lange nicht die Norm. Doch Ruth setzte sich durch und die Gleichstellung der Geschlechter wurde zum Hauptthema ihrer juristischen Arbeit.

Doch schon bald stellte das Leben die beiden auf eine harte Probe, denn bei Marty wurde Hodenkrebs diagnostiziert. Was folgten, waren kräftezehrende Strahlentherapien und lange Krankenhausaufenthalte. Wieder musste Ruth stark sein.

Durch die Krankheit fand sie ihren Platz in der Gesellschaft

Ruth wusste: Wenn Marty die Krankheit nicht überleben würde, müsste sie die Familie allein ernähren. Trotzdem schaffte sie es, ihr Studium mit Bestnoten abzuschließen und ihren Mann bei seiner Genesung zu unterstützen – und tatsächlich: Nach langer Krankheitsgeschichte galt Marty wieder als geheilt.

Er nahm eine Stelle in einer Steuerberatungskanzlei in New York an. Ruth arbeitete währenddessen in vielen verschiedenen Bereichen, beispielsweise als Rechtsreferandarin am United States District Court for the Southern District of New York. Oder in einem Projekt über internationale Rechtsverfahren. Im Jahr 1965 wurde dann ihr Sohn James geboren.

Clinton hob ihr Engagement für Frauenrechte hervor

Neben dem Mamasein beschäftigte sich Ruth viel mit dem Thema Geschlechterdiskriminierung und führte mehrere Fälle bis vor den Supreme Court. Bis sie 1980 durch Präsident Jimmy Carter zur Richterin am Bundesberufungsgericht für den District of Columbia wurde.

Nach dem altersbedingten Rücktritt von Richter Byron White wurde sie zudem 1993 von Präsident Bill Clinton als Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten nominiert. Clinton hob damals besonders ihr Engagement für Frauenrechte hervor. Ruth Bader war zu diesem Zeitpunkt, nach 26 Jahren, die erste Person, die von einem demokratischen Präsidenten nominiert wurde, und das erste jüdische Mitglied seit 1969.

Während all der Zeit stand ihr Marty mit Rat und Tat zur Seite und unterstütze sie, wo er nur konnte. Statt sich den Vorurteilen gegenüber Frauen in Führungspositionen anzuschließen, war Marty stolz auf Ruth – zierlich und schüchtern war sie eben doch nicht.

Ruth und Marty waren 56 Jahre verheiratet

Als Marty krank wurde, begriff Ruth schnell, dass das Schicksal ein mieser Verräter ist. Die Krankheit ihres Mannes zwang sie dazu, Verantwortung zu übernehmen, auf sich alleine gestellt zu sein und sich in einer männerdominierten Welt durchzusetzen.

Und Marty? Er stand ihr in all den Jahren zur Seite – so gut er eben konnte. Unterstütze sie bei beruflichen Herausforderungen und übernahm Aufgaben im Haushalt. Trotz ihrer unterschiedlichen Charakterzüge führten beide eine Beziehung auf Augenhöhe. Die von Gegenseitigem Verständnis für die jeweiligen Stärken und Schwächen des anderen geprägt war.

Noch mehr über Martys und Ruths Geschichte findest du auf der Webseite biography.com.

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