Die Aufklärung über Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen ist in westeuropäischen Ländern wie Belgien, Frankreich, der Niederlande oder Deutschland selbstverständlich. Jedoch nicht in den USA. In Florida steht ein kontroverser Gesetzesentwurf kurz vor der Umsetzung, der es Lehrer:innen und Schüler:innen verbietet, über solche Themen zu sprechen. Ein herber Rückschlag für die Rechte der LGBT-Community in den USA. So sieht in Vergleich der Aufklärungsunterricht in Deutschland aus.

LGBT Rechte: Das bedeutet das „Don’t Say Gay“- Gesetz

In dem konservativ regierten Bundesstaat Florida steht der „Don’t Say Gay“- Gesetzesentwurf kurz vor der Durchsetzung. Er liegt dem republikanischen Gouverneur Ron DeSantis zur Unterschrift vor. Mit dem Gesetz sollen sowohl alle Lehrinhalte, als auch Diskussionen rund um die Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung abseits der Norm in der Grundschule (Primary School) verboten werden. So können Kinder aus Regenbogenfamilien in der Schule nicht von ihren Eltern erzählen. Das kritisieren viele Aktivist:innen und demokratische Politiker:innen.

Das Gesetz geht über die LGBT-Rechte hinaus. Eltern sollen außerdem das Recht bekommen, ihre Kinder aus psychotherapeutischen oder gesundheitlichen Angeboten rauszunehmen, wenn das Kind nicht von den Eltern vernachlässigt oder misshandelt wird. Eltern wird in dem Gesetz sogar das Recht gegeben, die Schule zu verklagen. So steht es in dem Gesetzesentwurf.

Republikaner:innen verteidigen den Gesetzesentwurf damit, dass er Eltern mehr Rechte über ihre Kinder geben soll. Besonders dann, wenn es um Themen wie Aufklärung im Unterricht geht. Der republikanische Senator Danny Burgess verteidigt den Gesetzesentwurf so: “The bill simply says that there should be an age limit on certain discussions, it’s not a new concept, nor is it radical.”  (Zu Deutsch: Das Gesetz besagt ausschließlich, dass es eine Altersgrenze bei bestimmten Disskussionen geben sollte. Das ist weder ein neues Konzept, noch ist es radikal).

Der Demokrat und erste schwule Senator Floridas wandte sich in einer emotionalen Rede an den Senat. Er wies darauf hin, dass das Gesetz nicht dazu dienen sollte, die Sexualität von Schüler:innen zu ändern.

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Viele Eltern protestieren gegen den Gesetzesentwurf. Foto: CHANDAN KHANNA / Getty Images

Wie steht es im Vergleich um unsere Aufklärung?

In Deutschland wird die Sexualaufklärung im Unterricht in jedem Bundesland unterschiedlich gehandhabt. Generell muss jedoch in jedem Bundesland das Grundgesetz berücksichtigt werden. Das ist in Bezug auf den Aufklärungsunterricht besonders relevant:

Artikel 3 des Grundgesetzes

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Zudem gab es 2018 von der Kultusministerkonferenz Empfehlungen zur Demokratie und Menschenrechtsbildung, wobei auch die Geschlechtsidentität und die sexuelle Orientierung eine Rolle spielen sollen.

Im Endeffekt sieht der Aufklärungsunterricht in jedem Bundesland unterschiedlich aus und kann dementsprechend besser oder schlechter sein. Jedoch gibt es viele Organisationen, die an den Schulen Aufklärungsunterricht zu dem Thema betreiben. Da diese Organisation etwas unterschiedliche Inhalte haben und nicht jede:r Aufklärungsunterricht durch Organisationen bekommt, und die Lehrinhalte in den Bundesländern unterschiedlich sind, ist der Wissensstand überall in Deutschland unterschiedlich.

Laut Expert:innen: So früh sollte man mit der Aufklärung anfangen

Eva Goldfarb, Professorin für öffentliche Gesundheit an der Montclair State University in New Jersey, ist ebenfalls über die Situation beunruhigt. Seit 25 Jahren arbeitet sie im Bereich Sexualerziehung, zudem hat sie Lehrkräfte geschult. In einem Statement gegenüber der Deutschen Welle betonte sie, dass Sexualerziehung alters- und entwicklungsgerecht schon sehr früh beginnen sollten, sogar schon im Kindergarten. Früherziehung legt den Grundstein für komplexe Diskussionen mit älteren Jugendlichen, so Goldfarb.

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die WHO empfehlen aus verschiedenen Gründen eine frühe Aufklärung. Zum einen soll es Kindern ein positives Körpergefühl, zudem ist es ein wichtiger Baustein der Persönlichkeitsentwicklung. Zum anderen reden viele Grundschüler:innen schon früh über solche Themen.

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