Ich liebe große Männer, ja, ich gebe es zu und es tut mir auch nicht leid. Ich weiß, dass es ungerecht ist, aber sobald ein großer Mann einen Raum betritt, hat er ein gewisses Grundinteresse schon geweckt, ohne dass er etwas machen muss. Ich liebe es, mich beim Küssen auf die Zehenspitzen zu stellen, Stirnküsse zu bekommen und von großen Menschen umarmt zu werden.

Damit bin ich nicht allein, denn sehr viele Frauen achten (immer noch) auf die Körpergröße bei der Datingwahl und das sehr zum Unmut vieler Männer. Warum das so ist und wie wir das vielleicht ändern könnten, erfährst du hier.

Unter dem #Genderdatinggap möchte ich aktuelle Studien, Trends und Beobachtungen aus der Datingwelt von Millennials und Gen Z genauer unter die Lupe nehmen. Den Anstoß dazu hat mir das Hörbuch „Der Gender-Dating-Gap und die Liebe“ von Anne-Kathrin Gerstlauer gegebenDarin beschreibt sie ihre Erfahrungen als starke Single-Frau auf dem hetereosexuellen DatingmarktSpreche ich also von Frauen oder Männern in diesem Artikel, dann beziehe ich mich nur auf heterosexuelle Singles.

Wann ist ein Mann „groß“?

Bevor wir unser Datingverhalten ganz genau auseinandernehmen, lasst uns klären: Wie groß ist eigentlich „groß“ in Deutschland? Denn unsere Männer sind im Schnitt 1,80 Meter. Frauen sind in Deutschland allerdings nur 1,66 Meter groß. Per se sind sie also eh schon größer. Die wissenschaftliche Antwort wäre: Alle Männer über 1,80 Meter sind eher groß. Aber an solchen Maßen halten wir uns nicht beim Daten auf.

Was wir selbst als groß oder klein empfinden, hängt doch sehr stark von unseren Vorlieben, unserem Umfeld und unserer eigenen Körpergröße ab. Größe ist nur in der Naturwissenschaft ein festes Maß, nicht aber bei der Partnerwahl.

Das liegt auch daran, dass wir uns selbst immer gern als Mittelmaß sehen. Ich selbst finde, dass ich normal groß bin mit 1,74 Metern, also sind alle höheren Menschen groß und alle niedrigeren Menschen klein. Größe liegt im Auge des Betrachtenden.

  • Fact: Frauen wünschen sich im Schnitt einen Partner, der 21 cm größer ist als sie selbst. Männer wollen nur 8 cm größer sein.

Der Hype um große Männer

Frauen wollen große Männer und Männer kleine Frauen. Das ist nicht nur eine Binsenweisheit, sie wird auch in vielen Studien belegt. Zuletzt in einer Untersuchung des Datingportals Gleichklang von 2020: 70 % der Frauen wollten einen kleineren Mann und 39 % der Männer umgekehrt eine kleinere Partnerin. Auch andere Studien haben interessante Fakten zur Größe herausgefunden:

  • Große Menschen verdienen besser, machen schneller Karriere und werden generell als smarter eingeschätzt. Blinde Menschen hingegen schlussfolgern NICHT von der Größe eines Menschen auf dessen Fähigkeiten.
  • Tatsächlich haben größere Menschen oft einen höheren Bildungsabschluss und einen besseren Job als kleine Menschen, zumindest in den USA und in Schweden. Gleichzeitig sind große Männer oft gesünder als kleine Männer.
  • Größe ist ein wichtiges Schönheitskriterium beim Daten: Große Menschen sind öfter in Beziehungen mit Personen mit einem besseren Bildungshintergrund. Große und schlanke Menschen sind öfter mit sehr gut verdienenden Personen zusammen.
  • Bei Männern spielt die Größe ein wichtiges Thema in der optischen Partnerwahl, bei Frauen ist es eher das Gewicht.
  • Frauen, die mit größeren Männern verheiratet sind, sind gesünder, gebildeter und verdienen mehr im Vergleich zu Frauen, die mit kleineren Männern verheiratet sind.

Ihr habt Lust auf mehr Abenteuer im Bett? Wir auch! Deshalb stellen wir euch hier unsere liebsten Toys und Gadgets für das Liebesspiel zusammen vor:

Warum sind Frauen von großen Männern angezogen?

Diese Frage kann ich hier natürlich nicht vollständig beantworten, aber wir haben bereits einige Hinweise bekommen: Für viele Frauen spielen Job, Einkommen, Gesundheit und Status des Partners noch immer eine wichtige Rolle in einer Beziehung.

Wenn größeren Menschen in unserer Gesellschaft all diese Dinge durch unsere unterbewusste Wahrnehmung zugesprochen bekommen, dann favorisieren wir sie natürlich auch beim Daten bewusst oder unterbewusst. Fragt man Frauen allerdings direkt, dann geben sie andere Gründe an, warum sie große Männer bevorzugen:

  • 53 % fühlen sich bei größeren Männern geborgener.
  • 32 % finden große Männer maskuliner.
  • 25 % haben Angst, von einem kleineren Partner abgelehnt zu werden.
  • 21 % wollen zu ihrem Partner aufschauen.

Hinzu kommt auch, dass Frauen im Schnitt einfach kleiner sind als Männer und in ihrer Beziehung diese „Durchnschnitts-Normalität“ einfach beibehalten wollen. Ein weiterer Punkt, der zwar noch nicht wissenschaftlich erfasst ist, aber in Gesprächen mit meinen Freundinnen immer wieder genannt wird, ist die gemeinsame Optik: Viele Frauen haben Angst, neben ihrem Mann wie ein „Mannweib“ auszusehen, ob durch die Größe oder auch mehr Gewicht.

Ist Größe ein Ausschlusskriterium?

Ist Körpergröße wichtig beim Daten? Ja und nein. Denn viele Frauen und Männer haben zwar eine Vorliebe für größere oder kleine Partner:innen, es ist aber kein Ausschlusskriterium. 63 % der Frauen und 81 % der Männer würden darüber hinwegsehen können, wenn ansonsten alles stimmt.

Ebenfalls spannend: Menschen, die viel Wert auf moralische Übereinstimmungen mit dem oder der Partner:in legen, sind nicht so sehr auf Größe und Optik fixiert. Für den Großteil der Frauen ist ein kleinerer Mann also kein Dealbreaker.

Wie können wir das Stereotyp abschaffen?

Klar, dieses Stereotyp bringt uns nicht um, aber er macht vielen Menschen das Leben schwer und vielleicht sogar dir selbst. Wie bescheuert wäre es deinen Seelenverwandten einfach zu übersehen, weil die Körpergröße nicht 100 % in dein Beuteschema passt? Denn sind wir mal ehrlich: Die fünf Säulen einer Beziehung kennen keine körperlichen Voraussetzungen.

Aber es gibt sie schon, die Menschen, die es besser machen: Und das sind queere Paare. In vielen der oben genannten Studien, gaben homosexuelle Männer und Frauen an, fast gar nicht auf die Körpergröße zu achten. Diplom-Psychologe Gebauer erklärt, dass homosexuelle Paare den biologischen Unterschied in der Körpergröße nicht haben und die stereotypen Erwartungen an die Geschlechterrollen in einer Beziehung fallen weg.

Queere Paare schaffen es also Erwartungen, eigene Unsicherheiten und (unter)bewusste Präferenzen abzuschütteln und sich dennoch geborgen, geliebt und angezogen zu fühlen von ihren Partner:innen. Und davon können wir Hetero-Singles uns viel abgucken. Der erste Schritt dahin ist allerdings Selbstreflexion:

  • Hast du schon einmal Leute gekorbt, weil sie zu klein waren? Hast du ihnen eine echte Chance gegeben?
  • Hast du Erwartungen an die Körpergröße deines Partners oder deiner Partnerin?
  • Was erhoffst du dir davon? Tragen diese Hoffnungen wirklich aktiv zu einer besseren Beziehung oder der sexuellen Anziehung bei?
  • Kennst du „kleine Menschen“, die du attraktiv findest?

Müssen wir auf unsere „Vorlieben“ verzichten?

Nein, natürlich nicht. Wenn du eine echte Präferenz hast und dein Höschen feucht wird bei dem Gedanken an einen großen Mann, dann soll er dein sein. Wichtig ist aber, zu hinterfragen, ob du ehrlich darauf stehst oder das nur denkst, weil „es sich nun einmal so gehört“.

Ich für meinen Teil stehe auch nach diesem Artikel noch immer auf große Männer, aber anders als mein Teenager-Ich, ist das kein Ausschlusskriterium mehr. Ich habe mich weiterentwickelt und es ist mir inzwischen herzlich egal, was andere Menschen von mir halten und ob ich in ihr Weltbild passe. Vielleicht konnte ich ja auch dich zu einem Denkanstoß anregen?

Mehr zu alten Datingklischees des 21. Jahrhunderts gibt es in der #genderdatinggap-Reihe.

Die mit dem Einkaufswagen 🛒 gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Die Produkte werden nach dem besten Wissen unserer Redakteur:innen recherchiert und teilweise auch aus persönlicher Erfahrung empfohlen. Wenn Du auf so einen Affiliate-Link klickst und darüber etwas kaufst, erhält wmn eine kleine Provision von dem betreffenden Online-Shop. Für Dich als Nutzer:in verändert sich der Preis nicht, es entstehen hierdurch keine zusätzlichen Kosten. Die Einnahmen tragen dazu bei, Dir hochwertigen, unterhaltenden Journalismus kostenlos anbieten zu können.