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Expertin kann an der Kleidung erkennen, ob du schüchtern bist

Kleider machen Leute? Wir beurteilen Menschen oft nachdem, was sie anhaben und das häufig sehr vorschnell. Doch wie erkennt man, ob jemand schüchtern ist, anhand des Outfits?

Frau Beige
Was sagt dein Outfit über dich aus? Laut einer Expertin lässt sich Schüchternheit anhand deiner Klamottenwahl erkennen. Foto: baseimage / Aris Leoven

Kleidung steht in einem spannenden Verhältnis mit unseren Werten. Wir treffen jeden Tag eine Entscheidung, wie wir sind, was andere an uns sehen und was wir selbst in uns sehen. Wir ziehen uns oft so an, wie wir gerne sein wollen. Was lässt sich alles durch das Outfit ablesen und kann man dadurch Schüchternheit erkennen?

Machen Kleider wirklich Leute, oder versuchen wir unsere Wunschvorstellung von uns in uneren Styl einfließen zu lassen? Foto: Getty Images / Edward Berthelot

Das Verhältnis zwischen Kleidung und Menschen

Kleidung steht in einem spannenden Verhältnis zu unseren Werten. Wir treffen jeden Tag eine Entscheidung. Wir ziehen uns an, wie wir sein wollen.

Wenn wir Menschen zum ersten Mal begegnen, stecken wir sie schnell anhand ihres Äußeren in mentale Schubladen. Das ist meist unterbewusst und einfacher, als alle Fakten miteinzubeziehen. Sich ein schnelles Urteil zu bilden, war früher sehr entscheidend für das eigene Überleben.

Weil Kleidung einen Eindruck auf anderen Menschen macht, nutzen wir sie auch, um unser selbst zu formen. Wir haben eine bestimmte Vorstellung von uns selbst, also was wir denken, wer wir sind. Kleidung kann uns dabei helfen, uns nach Außen wie unser ideales Selbst darzustellen und im besten Fall steigert das unsere eigene Identität.

Ex-Partner
Bei Menschen mit sozialen Ängsten kann die Kleiderfrage schnell zu Stress und Unsicherheit führen. Foto: imago images/Westend61

Wie erkenne ich soziale Angst am Outfit?

Nach Angaben des Instituts für Verhaltenstherapie in Hamburg leiden 7–16 % aller Menschen zumindest einmal im Leben an einer sozialen Phobie, oft beginnen soziale Phobien in der Jugend. Frauen sind 1,5-2x häufiger betroffen als Männer.

Elizabeth Beecroft, eine zugelassene klinische Sozialarbeiterin, erklärt: „Bei Menschen, die mit sozialen Ängsten zu kämpfen haben oder bei denen eine Angststörung diagnostiziert wurde, können Stil, Kleidung und Einkaufen Gefühle wie Stress, Frustration, Unsicherheit, Überforderung, Sorgen und vieles mehr auslösen“, sagt sie.

Schüchternheit gleich soziale Angst?

Es handelt sich bei sozialer Angst um eine Störung, die zu extremer Furcht in sozialen Situationen führt. Zu den Symptomen sozialer Ängste gehören geringes Selbstbewusstsein, übermäßige Angst vor Situationen, in denen man beurteilt werden könnte, Sorge vor Peinlichkeit oder Demütigung oder die Sorge, jemanden zu beleidigen.

Für Menschen, die mit sozialen Ängsten zu kämpfen haben oder bei denen eine Angststörung diagnostiziert wurde, können Stil, Kleidung und Einkaufen Gefühle von Stress, Frustration, Unsicherheit, Überforderung, Sorgen und mehr auslösen.
Wenn es zum Beispiel darum geht, einen Look oder ein Outfit zu planen, können soziale Ängste dazu führen, dass Menschen ihre Stilentscheidungen hinterfragen und überdenken. Das kann auch dazu führen, dass sie aus Scham Teile von sich hinter Schichten von Kleidung verstecken.

Frau im Second Hand-Shop
Kaufen um zu kaufen oder um uns zu tarnen? Erfahre, was „emotionales shopping“ bedeutet. Foto: lechatnoir / getty images via canva

Einkaufstherapie

Wir haben vielleicht das Bedürfnis, uns so zu kleiden, dass wir Anerkennung bekommen, oder wir tun das Gegenteil und kleiden uns so, dass wir uns tarnen, weil wir Angst haben, bemerkt zu werden. In anderen Fällen greifen die Menschen auf eine „Einkaufstherapie“ zurück, um mit ihren Ängsten fertig zu werden, was zu übermäßigen Ausgaben oder emotionalem Shopping führen kann.

Worüber mache ich mir eigentlich Sorgen?

Es lohnt sich, sich selbst zu hinterfragen: Worüber mache ich mir wirklich Sorgen? Wenn du dir das nicht beantworten kannst, vereinfacht dir ein wenig Abstand zwischen dir und deinen Sorgen, die Einschätzung. Welchen Rat würdest du dir, als deine eigene beste Freundin geben?

Überlege als Nächstes, ob deine Sorge dich davon abhält, etwas zu tragen, das du liebst, oder ob es nur ein lästiger Gedanke ist, der verschwindet, sobald du die Geschichte abgehakt hast. Im ersten Fall besteht eine der besten Möglichkeiten, mit diesem Gefühl umzugehen, darin, einen sicheren Weg zu finden, sich ihm zu stellen und deine Schüchternheit zu erkennen und zu überwinden.

Ein Moodboard für verschiedene Emotionen und Gefühle sowie eine Reihe von Looks und Stilinspiration kann helfen. Außerdem ist eine Auswahl an Notfalloutfits für überfordernde und stressige Situationen sinnvoll. Das ist dann das Outfit, über das man nicht nachdenken, oder es anprobieren muss.

Bei neuen Outfits kann es ratsam sein, sie erst einmal Zuhause zu tragen, ob sich darin wohler zu fühlen und sich dann langsam an soziale Situationen heranzutasten.

Must Haves, Jacke
Deine Lieblingsjacke wertet nicht nur dein Outfit, sondern auch deine Laune auf. Foto: Valentina Ranieri/ IMAGO

Schüchternheit erkennen: Was sagen Klamotten aus?

Ist es eigentlich so schlimm, wenn bestimmte Eigenschaften durch unsere Klamottenwahl für andere ersichtlich sind? Willst du lieber ein offenes Buch für deine Mitmenschen sein, oder die mystische Unbekannte? Offenheit hilft auf jeden Fall, um Verständnis und Akzeptanz zu generieren. Spreche über deine Ängste und vielleicht sagt dein Outfit auch bald etwas ganz anderes aus.

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