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Fake-Fur ist nicht besser als echter Pelz: Warum ist das so?

Wusstest du, dass Fake Fur nicht viel besser ist, als echter Pelz? Wir erklären dir, warum dies so ist.

Fake Fur wird auch bei der Fashion Week getragen. Wir von FUNKE haben diese in Berlin besucht.

Viele Menschen, die sich um das Wohlergehen von Tieren sorgen, verzichten im Namen dieser auf echten Pelz und greifen stattdessen zu Fake Fur, einer veganen Alternative für die tierische Variante. Während die meisten dadurch ein besseres Gefühl haben, wundern sich andere, wie der Kunstpelz eigentlich hergestellt wird. Und genau hier liegt das Problem und der Fakt, dass Fake Fur aus der Produktionssicht nicht viel besser ist, als echter Pelz. Wir klären dich auf, warum dies so ist.

Was genau ist Fake Fur eigentlich?

Bei Fake Fur handelt es sich um nachgemachten Pelz, der aber nicht auf dem Fell von Tieren basiert, sondern auf künstlichen Stoffen. Das besondere Material wird auch als Webpelz oder Kunstfell bezeichnet und stellt längst keine billige Plastik-Kopie des tierischen Fells dar. Durch bestimmte Produktionstechniken sieht der Kunstpelz täuschend echt aus und fühlt sich auch genauso an – einer der Hauptgründe, warum immer mehr Menschen sich für diese ‚moralisch-richtige‘ Variante entscheiden. Hergestellt wird es aus Baumwollgarn und synthetischem Polyacrylgarn.

Der Fake Fur fand seinen Weg in die Modewelt, als ein immer stärkeres Bewusstsein für die Umwelt und den Tierschutz diese Branche zu überrollen schien. Nun beginnen auch große Modehäuser den echten Pelz gegen die künstliche Alternative auszutauschen.

Fell-Tasche
Fake Fur ist fast gar nicht von echtem Fell zu unterscheiden. Foto: IMAGO Images / Runway Manhattan

Worin unterscheidet sich Fake Fur zu echtem Pelz?

Neben dem Hauptfaktor, dass Fake Fur eben kein Pelz aus echtem Tierfell ist, gibt es noch andere Aspekte, die den Kunstpelz von dem echten unterschieden. Hier lässt sich zum einen der Preis nennen, der viel günstiger ist, als bei der ‚echten‘ Variante. Sonst ist es relativ schwierig, den Kunstpelz von Echtpelz zu unterscheiden. Frank Schmidt, Senior Fachreferent für Tiere in der Bekleidungsindustrie von PETA gab im Interview mit Stylight ein paar Tipps, wie es dennoch funktioniert:

  1. Der Strukturtest: Für diesen Test solltest du leicht über den Pelz pusten. Legt sich das dicke Deckhaar zur Seite und die leicht gekräuselte und feine Unterwolle kommt zum Vorschein, handelt es sich um Echtpelz. Kunstpelz ist starrer und unbeweglicher und durch die statische Aufladung etwas klebrig im Griff.
  2. Der Ledertest: Kommt beim Auseinanderziehen der Haare am Ansatz Leder zum Vorschein, wird es sich um Echtpelz handeln, denn hier wird die Tierhaut immer mitverarbeitet. Bei Fake Fur kommt eine gewebte Textilschicht zum Vorschein.
  3. Der Feuertest: Wenn du die Ware bereits erworben hast, kannst du einzelne Haare aus dem Produkt ziehen und diese anzünden. Echtpelzhaare verbrennen wie menschliches Haar mit Horngeruch, Kunsthaar schmilzt wie Plastik zu Klümpchen und riecht auch so.

Ist Fake Fur wirklich genauso schädlich, wie echter Pelz?

Wir alle wissen, dass Echtpelz mit Tierquälerei verbunden ist. Immerhin werden hier Tiere nur dafür gezüchtet, um zu leiden und zu sterben, damit der Mensch sich mit dem Fell von diesem schmücken kann. Doch ist Fake Fur wirklich so gut, wie alle immer sagen?

Die kurze Antwort: Nein. Denn die Produktionskosten für Fake Fur sind meistens noch viel höher als die für die Herstellung von echtem Pelz. Und das bringt einige Firmen dazu, den echten Pelz unter die vermeintlichen Kunstpelzfasern zu mischen, ganz ohne Kennzeichnung. Bei einer Stichprobe der Stiftung Warentest wurden in fünf von fünf vermeintlichen Kunstfellprodukten Pelz-Anteile gefunden.

Fellmantel
Fake Fur wird oft auch mit Echtpelz zusammengemischt. Foto: IMAGO Images / Runway Manhattan

Doch das ist nicht alles. Fake Fur wird aus Acryl oder Modeacryl hergestellt – Stoffe, die bei der Produktion und bei der Verarbeitung extrem viel Energie benötigen, was sich wiederum negativ auf die CO2-Emissionen auswirkt. Bei einem Kilogramm verwendeten Acryls entstehen 35 Kilogramm CO2, so Henning Wilts, Head of Research Unit Circular Economy beim Wuppertal Institute for Climate, Environment, Energy gegenüber Instyle.

Neben all diesen Faktoren ist auch die Lebensdauer von Fake Fur nicht hoch. Die Forscher:innen von CE Delft gingen davon aus, dass ein Echtpelzmantel etwa 30, während ein Kunstpelzmantel nur etwa sechs Jahre getragen werden kann. Die Klimabilanz ist also hier viel schlechter. „Durch die Kühlung, die es benötigt, um die Qualität des Echtpelzes zu garantieren, genauso wie die Reinigung dessen, hinterlässt der Fur-Mantel größere Schäden auf dem Klimakonto als fünf unechte Mäntel“, so Instyle.

Welche Alternativen gibt es zu Fake Fur?

Fake Fur ist in vielerlei Hinsicht schädlich, unter anderem ist er auch nicht biologisch abbaubar und spült mit jeder Wäsche Unmengen von Mikroplastik ins Abwasser. Wie du siehst, ist Fake Fur also aus der Klima-Perspektive schlechter als Echtpelz. Was aber kann man als Alternative zu Echt- und Kunstpelz tragen, wenn es unbedingt diese Textur sein soll?

Eigentlich ist die einzige Alternative, die es dafür gibt, keinen Fake Fur und keinen Echtpelz zu tragen. Ich weiß, das ist keine befriedigende Antwort. Aber im Endeffekt musst du entscheiden, um du die Klimasünde Fake Fur verantworten möchtest oder nicht. Mit unseren oben genannten Tests kannst du auf jeden Fall herausfinden, ob dein Fake Fur tierfrei ist oder nicht – und das ist natürlich schon ein sehr wichtiger und richtiger Faktor.