Hunde sind Rudeltiere. Wenn du einen Hund adoptierst oder einem kleinen Welpen ein zu Hause schenkst, wirst du automatisch ein sehr wichtiger Teil seine Rudels und solltest im Idealfall auch der Rudelführer sein. Schließlich bestimmst du die Regeln deines Vierbeiners. Woran aber erkennst du, ob dein Hund dich als Rudelführer akzeptiert? Und was kannst du tun, wenn dein Hund dich nicht als diesen respektiert? Für diese Fragen wollen wir dir heute ein paar Antworten liefern.

Wie sucht sich ein Hund seine Bezugsperson aus?

Bevor wir in die Thematik des/der ‚Rudelführer:in‘ gehen, gilt es erst einmal zu klären, wie du überhaupt zu einer Bezugsperson für deinen Vierbeiner werden kannst. Denn genauso wie bei Menschen haben auch Tiere ihre Lieblingsmenschen, die bei ihnen über allen anderen stehen.

Viele Hunde fühlen sich am stärksten zu der Person verbunden, die während ihrer wichtigsten Sozialisationsphase (in den ersten sechs Monaten nach der Geburt) nicht von ihrer Seite gewichen sind und sich rund um die Uhr um sie gekümmert haben. In diesem Alter sind Welpen besonders empfänglich für jegliche Umwelteinflüsse und ihre frühen sozialen Erfahrungen können ihr Weiterleben ungemein beeinflussen.

Frau mit Welpe
Wenn du in der frühen Sozialisierungsphase deines Hundes dabei warst, wirst du ihn sicherlich als dein Lieblingsmensch geprägt haben. Foto: IMAGO Images / Westend61

Viele Hunden neigen auch dazu, sich den Menschen als Bezugsperson auszusuchen, die ihnen die meiste Aufmerksamkeit schenken und ihnen auch verstärkt körperliche Zuneigung zukommen lässt. Beide Faktoren stärken die Bindung zwischen Hund und Mensch ungemein.

Wer ist für den Hund der Rudelführer oder die Rudelführerin?

Natürlich musst du als Bezugsmensch nicht direkt der/die Rudelführer:in für deinen Hund sein. Einige Faktoren sprechen aber dafür, dass dein Hund dich als Lieblingsmensch auch als Oberhaupt des Rudels ansieht.

Das Wort „Führer“ assoziieren wir direkt mit negativen Dingen, einer harten Hand und einer strengen Beziehung. Bei Hunden solltest du diese Verhaltensweisen direkt verwerfen, denn hier zählen ganze andere Werte, die dir helfen, dass dein Hund dich respektiert und als Oberhaupt akzeptiert. Für deinen Hund ist deshalb der Mensch ein:e gute:r Rudelführer:in, der alles im Griff hat, den Hund auch mal Grenzen setzt und ihm gleichzeitig Verständnis, Kompetenz und Liebe entgegenbringt.

Wie verhalte ich mich als Rudelführer oder Rudelführerin?

Die vielen Aufgaben und großen Wörter überfordern dich jetzt schon? Keine Angst: Wir haben eine kleine ‚Verhaltensliste‘ für dich zusammengestellt, die dir helfen wird, deinem Hund ein gutes Vorbild und ein:e gute/r Rudelführer:in zu sein.

1. Habe alles im Griff

Dein Hund braucht von Anfang an jemanden, an dem er sich orientieren kann und der ihm hilft, seinen Platz in der Welt zu finden. Wenn dein Hund einen Fehler macht, solltest du entspannt sein und ihm mit viel Empathie und Liebe begegnen. Beschütze deinen Hund vor jeglichen Gefahren und zeige deinem Vierbeiner, dass er sich immer auf dich verlassen kannst – weil du eben alles unter Kontrolle hast.

Frau mit Hund
In neuen Situationen solltest du als Rudelführer:in deinen Hund beschützen können. Foto: IMAGO Images / Westend61

2. Bleib in gewissen Situationen gelassen

Unser Stress überträgt sich schnell auf unseren Hund. Um dies zu vermeiden und deinen Hund damit unnötig aufzuwühlen, solltest du auch in schwierigen Momenten versuchen, gelassen zu bleiben. Wenn du mit ihm zum ersten Mal Bahn fährst und er Angst vor dem Geratter des Fahrzeugs hast, bist du sein Ruhepol, an den er sich wenden kann. So weiß er, dass im Endeffekt alles okay ist.

3. Sei zuverlässig und konsequent

Wie wir in diesem Artikel schon öfters erwähnt haben, brauchen Hunde gewisse Grenzen – und die auch nicht nur für einen Tag. Wenn du also eine bestimmte Regel aufgestellt hast, sollte diese auch für immer gelten. Ansonsten wird dein Vierbeiner dich nicht mehr ernst nehmen und deine Zuverlässigkeit anzweifeln.

4. Zeige deinem Hund, wer der Boss ist

Ab und zu braucht es neben all den anderen Tipps oder einen kleinen Denkanstoß für deinen Hund, der ihm sagt, dass du der/die Anführer:in bist und er nicht auf deiner Nase herumzutanzen hat. Weise ihn deshalb auch gerne in die Schranken und verhalte dich in gewissen Situationen dominant. Dies kannst du zum Beispiel dadurch demonstrieren, dass du vor deinem Hund aus der Haustür gehst oder du ihm sagst, wann er an den hingestellt Futternapf darf und wann nicht.

Wie merke ich, ob mein Hund mich respektiert?

Nachdem wir nun geklärt haben, welche Aufgaben ein:e Rudelführer:in hat, gilt es herauszufinden, ob du deinen Platz an der Spitze der Rangordnung auch laut deines Hunds inne hast. Die Frage ist also nun: Woran merkst du, dass dein Hund dich respektiert? Die folgenden Verhaltensweisen sind deutliche Zeichen, dass dein Hund einen gesunden Respekt vor dir hat:

  • Dein Hund sitzt nicht auf deinem Sitzplatz, wenn du aufstehst.
  • Dein Hund führt nicht dich an der Leine, sondern du ihn.
  • Er lässt dich zuerst durch Türen gehen.
  • Dein Hund bringt dir ein Spielzeug, um Anerkennung zu erlangen.
  • Dein Vierbeiner sucht bei dir in gefährlichen Situationen Schutz.
  • Dein Hund hält oft Blickkontakt mit dir und ignoriert dadurch andere Hunde oder Menschen.
Hund mit Pfote
Wenn dein Hund oft Augenkontakt zu dir sucht, akzeptiert er dich sehr wahrscheinlich als Rudelführer:in. Foto: IMAGO Images / Westend61

Was soll ich tun, wenn mein Hund mich dominiert?

Die oben genannten Fakten aus der Liste kommen dir nicht bekannt vor? Dann kann es sein, dass dein Hund dich dominiert und noch nicht als Rudelführer:in anerkennt. Doch keine Sorge: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Und auch wenn dein Hund nun schon älter ist, kannst du noch immer zum Rudeloberhaupt werden.

Halte dich deshalb an die folgenden Hinweise und übe mit deinem Hund, dass er zwar in deinem Herzen an erster Stelle steht, in der Rangordnung aber definitiv unter dir ist.

  • Sei noch ruhiger und selbstbewusster. Erst wenn du im Reinen mit dir und deinen Handlungen bist, kann dein Hund dir auch folgen.
  • Lege genaue Grenzen, Regeln und Einschränkungen fest.
  • Erzwinge keine Zuneigung. Wenn dein Hund gerade nicht gestreichelt werden will und seinen Kopf wegzieht, musst du das auch respektieren.
  • Gib deinem Hund etwas zu tun. Bringe ihm zum Beispiel neue Kommandos bei. Durch das Lernen verbindet er etwas Positives mit dir und ein Erfolgserlebnis, welches nur deinetwegen eingetreten ist.

Fazit zur Frage „Woran erkenne ich, dass mein Hund mich als Rudelführer akzeptiert?“

Es gibt verschiedene Anzeichen, die dich als Rudelführer:in für deinen Hund kennzeichnen. Respekt gehört wohl zu den wichtigsten Merkmalen – welcher auf Gegenseitigkeit beruht. Ein:e gute/r Rudelführer:in zeichnet sich durch Kompetenz, Empathie und Gelassenheit aus. Wenn du all dies vereinst, wirst du absolut kein Problem damit haben, dass dein Hund dich als Familienoberhaupt akzeptiert.

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