Ist es wirklich so einfach Menschen entweder in die introvertierte oder in die extrovertierte Schublade zu stecken? Anhand meines Charakters würde ich das eher verneinen. So würden Menschen, die mich neu kennenlernen oder denen ich mich nicht öffne, mich vermutlich eher als introvertiert bezeichnen.

Mein Freundeskreis und auch meine Familie würde darüber wahrscheinlich leicht schmunzeln, denn wenn sie mich beschreiben, würde keines der introvertierten Eigenschaften auf mich zutreffen. Was das Introvertierte und Extrovertierte am Ende ausmacht und, welche Merkmale zeigen, dass du beides bist, erfährst du in diesem Artikel.

Extrovertiert & introvertiert: Die Big Five 

Doch was bedeutet es eigentlich ein extrovertierter oder introvertierter Mensch zu sein? Diese Frage haben sich bereits viele Forscher:innen gestellt und die sogenannten Big-Five-Merkmale zusammengetragen. So konnten sie herausfinden, warum Menschen in der gleichen Situation unterschiedlich reagieren. Die Big-Five-Faktoren gelten demnach als ein Gebiet, welches nicht nur die Persönlichkeit einer Person definiert, sondern auch die individuellen Unterschiede ausmacht. Zu den Eigenschaften der Big Five zählen fünf Kernelemente des menschlichen Charakters. Diese sind: 

1. Offenheit 

Menschen, die offen für neue Dinge sind und gerne Neues ausprobieren, erzielen beim Punkt Offenheit meist sehr hohe Werte. Eigenschaften, die zum Merkmal Offenheit gehören, sind: Einfühlsamkeit, Einfallsreichtum und ein breites Interessenspektrum.

2. Gewissenhaftigkeit 

Menschen mit einem hohen Maß an Gewissenhaftigkeit bestechen durch Zuverlässig- und Bereitwilligkeit. Sie sind außerdem sehr organisiert, methodisch und sorgfältig. 

3. Verträglichkeit 

Menschen, die hohe Werte bei Verträglichkeit aufweisen, können sich Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Herzlichkeit auf die Fahne schreiben. Zudem sind sie sehr mitfühlend und sympathisch. 

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Für deine Herzlichkeit bekommst du viele Komplimente. Foto: Unsplash/ Priscilla du Preez /

4. Extraversion 

Extrovertierte Menschen lieben es unter Menschen zu sein und sind nur dann vollkommen glücklich, wenn sie mit anderen in Kontakt und Interaktion treten können. Anders als introvertierte Personen, die gerne Zeit für sich wollen und auch benötigen. Merkmale der Extraversion sind neben der Energiegeladenheit auch das starke Durchsetzungsvermögen und die Gesprächigkeit. 

5. Neurotizismus 

Ein anderer Begriff für Neurotizismus ist emotionale Stabilität. Personen mit einem hohen Maß dieses Merkmales empfinden häufig emotionale Instabilität und negative Emotionen. Sie sind häufig launisch und angespannt. 

Welche Anzeichen dafür sprechen, dass du introvertiert und extrovertiert bist 

Du siehst dich persönlich eher als introvertiert an, kannst dich jedoch nur teilweise mit den Merkmalen wie still, zurückhaltend oder ruhig assoziieren? So verbringst du zwar gerne Zeit alleine, hasst Smalltalk und deine soziale Batterie ist schneller erschöpft, wenn du mit vielen Personen zusammen? Hast auf der anderen Seite aber einen großen Freundeskreis, bist gerne gesellig und du hast keine Probleme damit, im Mittelpunkt zu stehen? Dann bist du vielleicht beides: Introvertiert, aber eben auch extrovertiert. Welche Merkmale noch dafür sprechen, haben wir für dich zusammengefasst:

1. Du bevorzugst schriftlichen Kontakt, kannst aber auch stundenlang telefonieren 

Viele introvertierte Menschen graut es davor ein Telefonat zu führen und sie brauchen meist Tage, um sich darauf vorzubereiten. Demnach bevorzugen sie es lieber eine schnelle Nachricht über WhatsApp oder E-Mail zu versenden. Das gilt übrigens nicht nur für den beruflichen oder sporadischen Kontakt, sondern ebenfalls bei Freund:innen oder Familienmitgliedern. So schwingt bei einem anstehenden Telefonat immer die leise Hoffnung mit, dass der Gegenpart nicht abhebt. 

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Telefonate mit fremden Menschen machen dir Angst? Foto: Getty Images/ Maskot

Anders sieht das jedoch aus, wenn du eine Mischung aus introvertiert und extrovertiert bist. Diese Art von Charakter-Typen lieben es nämlich zu telefonieren, vorausgesetzt es handelt sich um einen Menschen aus dem engsten Familien- oder Freundeskreis. Themenschwerpunkte sind hier größtenteils tiefsinnige Gespräche über das Leben oder die eigenen Träume. 

2. Im Mittelpunkt zu stehen, macht dir nichts aus 

Anders als introvertierte Menschen scheust du dich nicht davor im Mittelpunkt zu stehen. Du genießt die Aufmerksamkeit und hast keine Probleme vor einem breiten Publikum zu sprechen. Menschen, die extrovertiert und introvertiert sind, finden sich in vielen Berufen und können Schauspieler:innen oder Musiker:innen sein. Im Gegensatz zu extrovertierten Menschen brauchst du danach jedoch wieder ein wenig Zeit, um deine sozialen Batterien aufzuladen.

3. Dein Freundeskreis suchst du mit Bedacht aus 

Wenn es darum geht, wer in deinen engsten Kreis aufgenommen werden darf, bist du sehr wählerisch. Zwar hast du kein Problem damit, dich mit neuen Leuten kurzzuschließen, jedoch hast du lieber wenige Freund:innen, mit denen du dich wirklich verbunden fühlst.  

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Deine Freundschaften wählst du mit Bedacht aus. Foto: Unsplash/simonmaage /

4. Du änderst sehr schnell deine Meinung und deine Pläne 

Du freust dich seit Wochen auf einen Geburtstag oder eine Hochzeit, je näher der Tag jedoch rückt, desto unsicherer wirst du? In diesem Punkt kommt meist deine introvertierte Seite zum Vorschein und du möchtest am liebsten alle Pläne canceln.

Schon alleine der Gedanke, dich fertig zu machen und unter Leute zu gehen, löst dann in dir einen immensen Druck aus. Wenn du viele introvertierte Menschen in deinem Freundeskreis hast, wirst du höchstwahrscheinlich auf Verständnis stoßen. Extrovertierte Menschen könnten dir diesen spontanen Sinneswandel jedoch übelnehmen. 

5. Neue Menschen kennenzulernen, fällt dir nicht schwer 

Introvertierte Menschen sind gerade in Gruppen relativ ruhig und beobachten das Spektakel lieber von außen. Du magst es jedoch neue Leute kennenzulernen und mehr über sie zu erfahren. Zwar musstest du dafür schon oft über deinen Schatten springen, aber wenn das geschafft ist, geht die Kommunikation dir leicht von den Lippen. Trotzdem ist auch dieser Zustand nur temporär und du fühlst dich nur wohl, wenn die Anzahl der neuen Menschen sich auf das minimale beschränkt. 

Bin ich introvertiert oder extrovertiert? Du kannst beides sein! 

Ich persönlich erkenne mich in vielen Merkmalen wieder und komme zu der Meinung, dass es kein richtig oder falsch gibt, wenn man sich fragt, ob man nun extrovertiert oder introvertiert ist. Denn wie bei so vielen Dingen im Leben kommt es hauptsächlich auf die Situation und unseren Gemütszustand an.

So verhalten wir uns alle manchmal introvertiert oder extrovertiert, je nachdem wer uns gegenüber steht. Wichtig bei der Frage, was man jetzt ist, ist vielmehr die Art und Weise seine Charakterzüge wahrzunehmen und zu akzeptieren. Wenn das bedeutet, das Wochenende mit gutem Essen und der Lieblingsserie zu verbringen, anstatt um die Häuser zu ziehen, dann ist das eben so.

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