Quiz: Was ist die gesündeste Art, dein Haar zu trocknen? Wenn du sagst: „Natürlich an der Luft trocknen“, dann liegst du allerdings falsch. Wie eine Studie aus Korea zeigt, ist mit der richtigen Technik das Föhnen tatsächlich gesünder für deiner Mähne als deine Haare Lufttrocknen zu lassen.

Haare Lufttrocknen oder Föhnen
Haare Lufttrocknen oder Föhnen? Das ist hier die Frage.

Studie liefert überraschende Ergebnisse

Den Stein ins Rollen gebracht hat vor wenigen Jahren eine Studie aus Korea. Dort hatten Dermatolog:innen verschiedene Methoden zum Haare trocknen miteinander vergleichen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Hitze des Haartrockners – die viele eigentlich vermeiden wollen – nicht so schädlich ist wie gedacht. Warum?

Lässt man die Haare an der Luft trocknen, bleiben sie länger feucht. Und feuchtes Haar quillt anscheinend leichter auf. Dadurch entsteht mehr Druck auf der Schuppenschicht, wodurch das Haar leichter brechen kann. Beim Föhnen schließt sich die äußere Schuppenschicht schneller. Das soll Spliss verhindern und dem Haar mehr Kraft und Glanz geben.

Wie man eine Haarstudie durchführt:

Die Untersuchung der Haare fand in der Studie nicht direkt am Menschen statt, sondern an Echthaarperücken, um möglichst viele verschiedene Haarstrukturen zu untersuchen.

Es wurde eine standardisierte Trocknungszeit verwendet, um jede Haarsträhne vollständig zu trocknen, und jede Strähne wurde insgesamt 30 Mal behandelt. Der Luftstrom wurde am Haartrockner eingestellt. Die Strähnen wurden in die folgenden fünf Testgruppen eingeteilt: (a) keine Behandlung, (b) Trocknen ohne Verwendung eines Haartrockners (Raumtemperatur, 20℃), (c) Trocknen mit einem Haartrockner für 60 Sekunden im Abstand von 15 cm (47℃), (d) Trocknen mit einem Haartrockner für 30 Sekunden im Abstand von 10 cm (61℃), (e) Trocknen mit einem Haartrockner für 15 Sekunden im Abstand von 5 cm (95℃).

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Weißt du, wie deine Haare aufgebaut sind? Nein? Dann schön weiterlesen. Foto: Jupiterimages / Photo Images via Canva

Die Struktur des Haares:

Um die Ergebnisse der Studie verstehen zu können, ergibt es Sinn, sich erst mal mit der Struktur unserer Haare auseinanderzusetzen. Ganz egal, ob kurz, lang, glatt oder lockig – unser Haar besteht aus 3 Schichten

  1. Die Schuppenschicht – auch die äußere, sichtbare Schicht genannt – besteht aus 5 bis 10 überlappenden Schichten, die sich glatt aneinanderschmiegen.
  2. Kortex oder auch Faserschicht, ist die innere, mittlere Schicht des Haares und bildet somit gleichzeitig den wichtigsten Part einer jeden einzelnen Strähne.
  3. Das Markkanal, auch unter Medulla oder Haarmark bekannt, ist die innerste Schicht des Haares. Diese Schicht kommt nicht in jedem Haartypen vor. Insbesondere bei normalem bis dickem Haar sorgt das Haarmark für verbesserten Glanz und mehr Kraft.

Zwischen jeder Schuppenschicht und jeder Faserschicht (Kortex) findet sich zur Verbindung ein Zellmembran Komplex (Lipid). Lipide sind ein natürlicher Bestandteil des Haares – ist dieser ausgeglichen, ist das Haar mit Kraft und Glanz versorgt! Und genau hier liegt das Problem:

Die Ursache allen Übels

In der koreanischen Studie konnte bei den Haarsträhnen, ohne Wärmebehandlung behandelt wurden, eine geschwollene Zellmembrankomplexschicht beobachtet werden. Während direkte Wärme durch den Föhn das Haar nur oberflächlich angreift, kann das Trocknen an der Luft das einzelne Haar von innen heraus verletzen. Das unschöne Resultat: Unsere Haare sind trocken und porös, brechen also schneller ab.

lufttrocknen oder föhnen
Hitze für die Haare war schon immer ein Thema. Was sagen Expert:innen heute dazu? Foto: IMAGO / Everett Collection

Was sagen die Expert:innen?

Doch was sagen unsere Expert:innen dazu? Meike Busch vom Friseursalon Udo Walz in Berlin meint: „Die Haare lufttrocknen zu lassen, ist zwar eine Option, aber ich würde Föhnen dem Lufttrocknen vorziehen. Warme Luft ist nicht so schädlich, wie man denkt, solange es mit der richtigen Technik angegangen wird.“

Haare Lufttrocknen oder Föhnen
Beim Föhnen kommt es vor allem auf die richtige Technik an Foto: shutterstock (Volurol)

Tipps für gesundes Föhnen:

  • Abstand halten: Es sollten mindestens 15 cm zwischen deiner Haarpracht und dem Föhn liegen.
  • Geringe Hitze: Verseht sich eigentlich von selbst, aber deine Mähne dankt es dir, wenn du den Haartrockner nicht bei voller Hitze auf deinen Kopf loslässt.
  • Pflege: Conditioner nach dem Einshampoonieren versorgen deine Haare mit der Extraportion Feuchtigkeit und bieten damit zusätzlichen Schutz. Da kann dir weder Lufttrocknen noch der Föhn viel anhaben. Im Zweifel kann auch Hitzeschutzspray nicht schaden.
  • Mikrofasertuch: Weg mit dem normalen Handtuch! Trocken rubbeln mit dem Frotteehandtuch raut nur die Oberfläche auf und verursacht den ungeliebten Fizz-Effekt. Neben einem Mikrofasertuch tut es aber auch ein T-Shirt.

Lieber Föhnen als Haare Lufttrocknen zu lassen?

Meike stimmt also besagter Studie zu. Föhnen soll tatsächlich die gesündere Haartrockenmethode im Gegensatz zum Lufttrocknen sein. Dabei darf aber laut Expertinmeinung nicht vergessen werden, dass man mit zu heiß eingestellten Haartrocknern, zu wenig Abstand zu den Haaren und der falschen Technik, ordentlich Schaden an der Mähne anrichten kann.

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