Baby Arme Flasche Milch
Nicht stillen, sondern Fläschchen geben: Für viele ist das noch immer ein Affront. (Photo: Shutterstock/FotoDuets)

Es ist okay, nicht stillen zu wollen!

Wer sich entscheidet, nicht zu stillen, wird hierzulande oft kritisiert und verurteilt. Das muss endlich aufhören.

Stillen ist das Beste fürs Kind. Stimmt. Aber fragt auch mal jemand, was das Beste für die Mutter ist? Sollte sie der Meinung sein, nicht stillen zu wollen, muss sie sich in Deutschland auf jede Menge Kritik und Verurteilungen gefasst machen.

Wer sich offen und ehrlich dazu bekennt, dem Baby lieber das Fläschchen als die Brust zu geben, muss hierzulande echt Eier haben. Denn verächtliche Blicke, überflüssige Kommentare oder sogar Anfeindungen können die Folge sein.

Nicht stillen? Das geht doch nicht!

Irgendwie scheinen sich viele beim Thema Stillen plötzlich zu Experten berufen zu fühlen. Nicht nur Ärzte und Hebammen, sondern auch stillende Mütter, Großmütter, Schwiegermutter, Freundinnen, Bekannte, Nachbarinnen – oder noch skurriler: Männer – haben eine Meinung zum Stillen. 

Nicht selten schwingen sie sich zum Moralapostel auf und fragen mehr oder weniger subtil: "Wie kann eine Mutter ihrem Baby bloß das Stillen vorenthalten?" Immerhin ist die Muttermilch doch das Gesündeste was man seinem Kind geben kann, ganz zu schweigen von der Bindung, die beim Stillen aufgebaut wird und es ist doch so wahnsinnig praktisch.

Die Gründe nicht zu stillen sind vielfältig

Mal davon abgesehen davon, dass solche Lektionen über das Stillen vollkommen übergriffig und bevormunend sind, zeigen sie noch etwas anderes sehr deutlich auf: Sie sind ignorant. Denn warum sich eine Frau dazu entschieden hat, nicht zu stillen, spielt bei vielen bei ihrer Vorverurteilung überhaupt keine Rolle. 

Dabei gibt es viele Gründe, warum Frauen sich entscheiden, nicht zu stillen. Grundsätzlich ist der Wunsch nämlich bei nahezu allen da. Fast 90 Prozent der Mütter haben bei der Geburt ihres Kindes die feste Absicht zu stillen. Doch oft sieht das in der Realität anders aus.

Bei vielen Müttern klappt es auch trotz Stillbegleitung einfach nicht. Milchstau, Brustentzündung, blutige Nippel, Saugverwirrung, Stress oder einfach der Wunsch der Mutter nach Monaten ihren Körper zurück zu wollen, können zu der berechtigten Entscheidung führen, das Stillen sein zu lassen. Aber es gibt auch Frauen, die schon in der Schwangerschaft entschieden haben, nicht stillen zu wollen und stattdessen Milch-Nahrung zu geben. Auch das ist vollkommen okay.

Frau stillt ihr Baby Brust
Wenn das Stillen klappt, kann das sehr schöne Momente zwischen Mutter und Kind schaffen.(Photo: Shutterstock/SeventyFour)

Das Mom-Shaming muss aufhören

Jede Frau entscheidet für sich selbst, ob und wie lange sie ihrem Baby die Brust geben möchte. Denn, wenn es der Mutter beim Stillen nicht gut geht, geht es auch dem Kind nicht gut. Dieser Meinung ist auch Bindungswissenschaftlerin Fabienne Becker-Stoll. In der Zeitschrift Eltern sagte sie:  "Ein Kind kann immer nur so glücklich sein wie seine unglücklichste Bezugsperson". 

Seit Jahren wird nicht nur auf Instagram gegen die Scham des Stillens gegekämpft (#normalizebreastfeeding), genauso richtig und wichtig ist es aber, auch die Wahl beim Stillen zu haben. Das Mom-Shaming muss aufhören – gerade beim Stillen. Der große gesellschaftliche Druck belastet viele Frauen und kann sogar zu Depressionen führen.

Nicht stillen oder doch stillen – egal, wofür sich eine Mutter letztlich entscheidet, ihr gebührt dafür Respekt. Denn diese Entscheidung hat sie sicherlich nicht leichtfertig getroffen, sondern ist wohl überlegt. Es ist Zeit, dass Frauen nicht mehr dafür verurteilt oder gar als Rabenmutter hingestellt werden, wenn sie nicht stillen. Ihr Körper, ihre Entscheidung.

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