Noch immer haben wir im Kopf (oder eher im Ohr), dass Männer generell tiefer sprechen als Frauen. Doch in den letzten 50 Jahren hat sich viel getan. Frauenstimmen werden immer tiefer. Doch warum ist das so? wmn ging der Sache nach und konnte den kuriosen Grund in Erfahrung bringen.

Frauenstimmen werden immer „männlicher“

Laut, leise, hart, weich, kalt, warm, rau, sanft – mit unserer Stimme können wir unglaublich viel über uns und unsere Gefühle verraten. Doch das ist nicht alles: Wer spricht, gibt gleichzeitig auch Informationen über sich preis. Denn eine Stimme gibt auch Hinweise auf Herkunft, Alter und Geschlecht.

Lange Zeit lag die männliche Stimme weltweit durchschnittlich bei 110 Hertz. Die Frauenstimme war mit Hertz eine Oktave höher. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich der Abstand zwischen den Geschlechtern halbiert. Das fanden Forscher:innen der Uniklinik Leipzig bereits 2018 in der großangelegten Life-Studie mit 2500 gesunden Frauen und Männern zwischen 40 und 80 Jahren heraus.

Das deckt sich mit einer Studie der Forscher:innen der University of South Australia. Sie untersuchten Tonbandaufnahmen zwischen denen fast 50 Jahre lagen und stellten einen entscheidenden Unterschied fest: „Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Frauen im Jahr 1993 signifikant tiefere Stimmen haben als gleichaltrige Frauen im Jahr 1945.“

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Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten ganz anders im Berufsleben positioniert. Foto: Pexels /

Emanzipation als Ursache für das Tieferwerden der Frauenstimmen

Doch wie nur kommt es zu der Angleichung der Tonalität? Wissenschaftler:innen rätseln noch über die möglichen Ursachen. Doch ist klar: Weder Hormone, das Rauchen, noch Veränderungen am Kehlkopf oder den Stimmbändern sind für das Tierferwerden von Frauenstimmen verantwortlich. „Das ist ein signifikanter Unterschied, der biologisch nicht zu erklären ist“, sagt Michael Fuchs, der Leiter der Leipziger Studie. Doch was steckt dann dahinter?

Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten ganz anders im Berufsleben positioniert.

Dr. Michael Fuchs

Die Antwort ist sowohl überraschend als auch einleuchtend: Die Emanzipation hat die Frauenstimmen verändert. „Frauen sind heutzutage selbstbewusster, beruflich erfolgreich, verdienen mehr Geld. Das zeigt sich in der tieferen Stimme“, ist sich Michael Fuchs sicher.

„Frauen scheinen sich im Rollenbild so verändert zu haben, dass sie die Stimmen tiefer einsetzen, um damit beispielsweise Kompetenz zu demonstrieren.“ Auch Autorität wird von einer tieferen Stimme eher akzeptiert als von einer hohen. Die Gleichberechtigung kann man also gewissermaßen hören. Verrückt!

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Die Kindererziehung ist schon lange nicht mehr die Aufgabe der Frau allein. Das zeigt sich auch in der Klangfarbe der Stimme Credit: Unsplash/Kelly Sikkema

Skandinavische Frauen sprechen besonders tief

Nicht genug damit, dass wir also akustisch wahrnehmen können, wie emanzipiert wir sind – wir können anhand von Frauenstimmen sogar nationale Auffälligkeiten feststellen.

Denn Forscher:innen konnten deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern ausmachen. 2013 fanden Wissenschaftler:innen der TU Berlin heraus, dass beispielsweise Frauenstimmen in Italien und Großbritannien relativ hoch sind, während die in Norwegen viel tiefer klingen. Als Grund dafür gibt die Studie auch hier die Emanzipation an, die in Skandinavien besonders vorangetrieben wird. 

Fazit: Frauenstimmen verändern sich, warum die der Männer nicht?

Wir halten also fest: Die Frauenstimmen werden tiefer, weil sich das Geschlechterbild der Frau verändert. Denn: Frau und Mann sind heute deutlich gleichberechtigter als noch vor 50 Jahren.

Doch eine Sache erschließt sich uns nicht ganz: Warum passt sich nur die Frau mit ihrer Stimme dem neuen Rollenbild an, während sich die Männerstimme in den letzten Jahrzehnten gar nicht verändert hat? Immerhin hat sich doch auch das Geschlechterbild des Mannes gewandelt. Eine Antwort auf diese Frage haben wir darauf leider auch nicht gefunden. Es scheint, als wäre die Forschung hier noch lange nicht abgeschlossen

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