Studium

Wann sich die Steuererklärung für Studenten richtig lohnt

Bis zu 6.000€ zurückbekommen mit der Steuererklärung für Studenten? Leider mehr Marketing als Wahrheit. Nur in bestimmten Fällen lohnt sich der Aufwand.

Junge Studentin bei der Steuererklärung
Nicht in jedem Fall lohnt sich der Aufwand einer Steuererklärung für Studenten. (Credit: istock / gece33)

Mit nur drei Klicks mehrere Tausend Euro vom Staat zurückbekommen? Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Und leider ist es das auch. Nicht immer lohnt sich eine Steuererklärung für Studenten und Geld zurück im vierstelligen Bereich ist eher unwahrscheinlich. Wir erklären dir, wann du dir den Papierkram wirklich antun solltest und mit welchen Beträgen du rechnen kannst.

Steuererklärung für Studenten: So funktioniert es wirklich

Bei der Steuererklärung kannst du dir Extrakosten und -ausgaben anrechnen lassen, die dir von deinem zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. Deine Unkosten werden dir NICHT einfach erstattet! Die Werbungen, die behaupten, eine Steuererklärung bringe dir schnell Kohle, ist also falsch. 

Was du tatsächlich zurückbekommen kannst, sind Steuern. Diese werden dir vom Gesamteinkommen abgezogen. Im besten Fall fällst du damit in eine niedrigere Steuerklasse oder bezahlst gar keine Steuern. Ausgaben unter 1.000 € lohnen sich nicht abzusetzen, denn das Finanzamt schreibt jedem eine Arbeitnehmerpauschale von 1.000 € gut, diese soll Kosten für die Arbeit gutschreiben und wird nicht berechnet, wenn du deine Studienkosten absetzten willst.

Frau bei Steuererklärung
Studenten-Steuererklärungen lohnen sich nur in bestimmten Fällen.

Wann lohnt sich eine Steuererklärung für Studenten:

Der Haken dabei ist, dass du Steuern zahlen musst, um sie zurückzubekommen. Der derzeitige Grundfreibetrag liegt bei (2019: 9.168 € im Jahr, 2020: 9.408€). Verdienst du weniger, bezahlst du keine Steuern und kannst auch nichts zurückbekommen. Du bekommst also nicht deine Unkosten erstattet, sondern nur einen Bruchteil davon. 

Beispiel: Laura ist Werkstudentin und verdient 12 €/h und arbeitet 20 h in der Woche. Dann hat sie im Jahr 12.480 € verdient und müsste damit Steuern zahlen (knapp 600 € wären das). Wenn sie eine Steuererklärung abgibt und mehr als 3.312 € als Unkosten im Jahr 2019 hatte, würde sie damit unter den Grundfreibetrag fallen und ihre 600 € Steuern wiederbekommen. 

Profi-Trick: Dann lohnt sich die Steuererklärung auch ohne Job

Wenn du gerade noch kein oder nur ein Einkommen unter dem Grundfreibetrag hast, kannst du deine Studienkosten auch noch in das nächste und übernächste Jahr mitnehmen und dort anrechnen lassen. Wenn du also weißt, dass du in einem Jahr fertig bist mit dem Studium und dein erstes festes Einkommen hast, kann es sich durchaus lohnen, einen sogennanten Verlustvortrag einreichen.

Beispiel: Sophie verdient im Jahr 2019 noch nichts, aber wird nächstes Jahr 2020 im Frühling fertig und fest angestellt. Knapp 7.000 € könnte sie aus dem Auslandssemester 2019 anrechnen lassen und trägt diese für 2019 als Verlustvortrag ein. 2020 hat sie dann im ganzen Jahr 32.000 € verdient und würde ungefähr 6.200 € Steuern zahlen. Aber mit dem Verlustvortrag schrumpft ihr Einkommen auf 25.000 € und sie muss nur noch 4.000 € Steuern zahlen. Sie spart also 2.200 €.

Designer Creative Office
Auslandssemester lohnen sich besonders, um Steuern zu sparen.

Studenten-Steuererklärung: Werbeskosten vs. Sonderausgaben

Als Student kannst du deine Studienausgaben in der Steuererklärung entweder als Werbekosten oder als Sonderausgaben angeben. 

  • Werbekosten absetzen: kann jeder, der in einer Zweitausbildung ist. Als Zweitausbildung wird eine neue Ausbildung nach einem vollwertigen Abschluss gezählt. Das ist zum Beispiel ein Masterstudium oder ein Studium nach einer fertigen Berufsausbildung.
  • Sonderkosten anrechnen: kann jeder. Sonderkosten lohnen sich aber weniger und können bis maximal 6.000 € abgesetzt werden. Sie werden aber nicht immer anerkannt.

Was kann man alles absetzen?

Alles rund um dein Studium kann von der Steuer abgesetzt werden. Hier kannst du wirklich kreativ werden. Auch einige Pauschalsätze wie Verpflegungspauschalen, Fahrtkostenpauschalen etc. können wir weiterhelfen, ohne einen Beleg sammeln zu müssen. Generell können folgende Dinge auf deiner Studentensteuererklärung abgesetzt werden:

  • Studienkredite
  • Fahrtkosten (als Pauschale oder mit Belegen, wenn du ein eigenes Auto hast)
  • Fachliteratur, Schreibwaren, Druckkosten
  • Studiengebühren / Semesterbeitrag
  • Laptop für das Studium, Handy, Handyvertrag, Internet (aber oft nur teilweise, weil sie auch privat genutzt werden)
  • doppelte Haushaltsführung, wenn du zwei Wohnungen hast

Zusätzliches im Auslandssemester:

  • Auslandskrankenversicherung
  • Miete (wenn du in Deutschland noch weitere Miete zahlst)
  • Verpflegungspauschalen für max. 60 Tage ( in Berlin bis zu 20 € am Tag)
  • Fahrkarten etc.
  • Flüge nach Hause
  • Studiengebühren
Steuererklärung als Student
Lohnt sich deine Steuererklärung als Student? Mach den Test.

Überblick: Wann Studenten eine Steuererklärung machen sollten

Das waren jetzt ziemlich viele Infos auf einmal. Also wann genau lohnt sich die Steuererklärung als Student? Folgende Fälle sollten erfüllt sein:

  • Bei Studienausgaben von mehr als 1.000 € im Jahr
  • Wenn du derzeit mehr als den Grundfreibetrag verdienst (2019: 9.168 € im Jahr) oder in den nächsten 2 Jahren mehr als diesen Betrag verdienen wirst
  • Wenn du dich in der Zweitausbildung befindest als Werbekosten (Master, zweites Studium oder Bachelor nach einer Berufsausbildung)
  • Nur in Einzelfällen lohnen sich Sonderausgaben in der Erstausbildung

Wie du in den obigen Beispielen gesehen hast, können wir Studienkosten ein paar Hundert bis Tausend Euro (,wenn du viel verdienst) ersparen, wenn die richtigen Kriterien erfüllt sind. Bevor du dir unnötige Arbeit antust, solltest du einmal grob durchrechnen, wie viel dir die Ausgaben, die du auflisten kannst wirklich ersparen können und ob dir das den Papierkrieg wirklich Wert ist.