Es geht im ersten Teil des Gesprächs nicht um Inhalte, sondern um die Verteilung von Redeanteilen und die Frage, wie durchsetzungs- und meinungsstark du bist. Wer in dem eigentlichen Meeting eine starke Position vertreten möchte, darf sich im Smalltalk nicht zurückhalten.

Mein erster Smalltalk-Tipp: Auch wenn man keine Ahnung vom Thema hat, sollte man sich entsprechend äußern können.

Wenig hilfreich ist es, zuzugeben, dass dich das Thema nicht interessiert und dann das Gespräch umzulenken. Nichts zu sagen, kommt auch nicht so gut rüber. Denn dann wird man leicht übersehen und als graues Mäuschen abgestempelt. Was also tun, um den Smalltalk sinnvoll für sich zu nutzen?

1. Smalltalk-Themen zur Vorbereitung: Bundesliga

Fußball interessiert mich nicht die Bohne. Ahnung habe ich davon deswegen auch keine. Trotzdem gehe ich vor wichtigen beruflichen Gesprächen immer die Bundesligatabelle durch. Die meisten Männer sehen sich einfach als verkappte Bundestrainer. Deshalb ist der Auftakt zu einem beruflichen Gespräch, also der Teil, in dem man sich beschnuppert, kennenlernt und die Lage sondiert, sehr häufig dem Fußball gewidmet. Auch wenn es in diesen Gesprächen nicht um die eigentlichen Inhalte eines anberaumten Treffens geht, ist das Vorgeplänkel ein extrem wichtiger Teil, in dem du sich bereits positionieren kannst.

Vor dem Termin die Bundesligatabelle ansehen und sich ein markantes Ereignis daraus merken. Netterweise findet man solche Informationen schnell. Das kann ein Tor in der 90. Minute sein, oder ein riskanter Fallrückzieher, das Ausbuhen eines Teams oder der Trainer, der auf die Tribüne verbannt wurde. Wenn das Gespräch darauf kommt, kann man ganz beiläufig fallen lassen: „Ja, dieses Tor in der 90. Minute, das war schon ganz schön knapp“. Inhaltlich eine totale Nullnummer.

Du signalisierst aber damit, dass du Bescheid weißt und dazu gehörst. Da sich Männer bei der Fußballanalyse sehr gerne selbst reden hören, werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nachfragen. Es besteht also nur wenig Gefahr, aufzufliegen. Und wie mir neulich ein Freund verriet: Die meisten Männer bluffen im Bereich Fußball genauso.

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Wie behauptet man sich als Frau in einem Office? Mit dem richtigen Smalltalk! Foto: gettyimages/ Luis Alvarez

2. Recherche über die Bundesliga: Alles, außer München

Recherchieren, auf welchem Tabellenplatz der Fußballverein der Stadt des Gesprächspartners im Vergleich zum eigenen steht. Als Münsteranerin habe ich es da einfach. Egal, wer mit mir spricht: Die Vereine sind fast immer besser als Preußen Münster. Denn das ist ein Verein, der viel anstrebt, aber wenig erreicht und immer in den unteren Ligen herumdümpelt.

Mit Bemerkungen in dieser Richtung kannst du dein Gegenüber sehr schnell aufwerten und deinem Gesprächspartner ein gutes Gefühl geben. Wenn ihr allerdings aus München kommt, würde ich das Thema eher vermeiden. Die ewigen Tabellenspitzenreiter mag irgendwie niemand so richtig. Wichtig ist aber, irgendeine Position zu beziehen.

Hier in Münster liegen wir an der Region, in der man entweder Schalker oder Dortmund-Fan ist. Die meisten Sympathiepunkte sammelst du natürlich, wenn du dem „richtigen“ Verein zusprichst. Aber schlimmer, als den falschen Verein zu mögen, ist immer noch, sich gar nicht zu interessieren. Da ist es sogar besser, Bayern-München-Fan zu sein.

3. Smalltalk-Themen zur Vorbereitung: Das Wetter

Den Wetterbericht kennen: Es gibt neben Fußball noch andere wichtige Themen für den Smalltalk. Ganz klassisch ist das Wetter, das geht immer. Hier lohnt es sich, ein paar Fakten zur eigenen Stadt herauszusuchen. In Münster beispielsweise regnet es zwar mengenmäßig nicht mehr als anderswo, aber dafür gibt es an sehr vielen Tagen im Jahr ein kleines bisschen Regen.

Und weil wir eine sehr katholisch geprägte Stadt sind, gibt es einen Spruch, den ich in solchen Situationen immer gerne erzähle: „Entweder, es regnet, oder die Glocken läuten. Und wenn beides zusammenkommt, ist Sonntag.“ Sonderlich geistreich ist dieser Spruch sicher nicht, aber ich kann etwas zum Thema beitragen. Etwas, das sogar interessanter ist als die Tatsache, dass es gerade regnet.

4. Smalltalk-Themen zur Vorbereitung: Autos

Besonders wichtig ist natürlich auch das Thema Auto. Ab und an mal einen Blick in die Autosparte der Zeitung werfen, kann helfen. Oder du suchst dir regelmäßig einen Neuwagen heraus und merkst dir zwei Fakten, die du ins Gespräch einwerfen kannst. Gerade bietet sich Tesla an, schließlich gibt es nun auch ein Werk in Deutschland. Alles wahnsinnig aufregend!

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Beim Smalltalk geht es nicht um den Inhalt, sondern nur um die Präsentation. Foto: Photo: Imago/Westend61

Es gibt auch falsche Smalltalk-Themen

Mit diesen Tipps kommt man erfahrungsgemäß ganz gut durch die ersten Minuten eines Meetings. Zunächst einmal klingt damit alles ganz einfach. Es gibt aber auch Dinge, die du absolut vermeiden solltest.

1. Falsches Thema beim Smalltalk: Verfahren

Auf die Frage: „Wie haben Sie hergefunden?“ antworten mit „Ich habe mich verfahren“. Das darf eine Frau als Klischee einfach nicht bringen. Selbst wenn es stimmt, lieber einen Stau oder einen platten Reifen vortäuschen, als das zuzugeben. Sonst steht sofort der unausgesprochene Elefant der Frau im Raum, die halt einfach nicht Auto fahren kann.

Ich habe das einmal erlebt: Die Kollegin, die gesagt hatte, dass sie sich verfahren hat, wurde im gesamten Meeting nicht mehr aktiv angesprochen. Und wenn sie doch sprach, schnitten die Männer ihr das Wort ab. Es war extrem unangenehm.

2. Falsches Thema beim Smalltalk: Kein Interesse

Sagen, dass man sich nicht für das gerade besprochene Thema interessiert. Wenn Autos gerade für den Smalltalk gesetzt sind, sind sie gesetzt. Dann musst du zeigen, dass du dazu gehörst und das genauso spielend beherrschst wie alle anderen.

3. Falsches Thema beim Smalltalk: Kinder

Von den Kindern erzählen. Auch wenn ich geschrieben habe, dass es wichtig ist, mitzureden: Bei Kindern wird es schwierig. Mütter und Karriere sind einfach immer noch heikle Themen und egal, was man macht: In den Augen vieler alter weißer Männer macht man es sowieso falsch.

Entweder, man ist die harte Karrierefrau, die ihre Kinder vernachlässigt, oder die Mutti, die zu doof zum arbeiten ist.

Entweder, man ist die harte Karrierefrau, die ihre Kinder vernachlässigt, oder die Mutti, die zu doof zum Arbeiten ist.

Interessanterweise erzählen Männer aber weniger von ihren eigenen Kindern, sondern von ihren Enkeln, wenn sie welche haben. Ich persönlich habe noch keine gute Reaktion darauf gefunden und deshalb halte ich es in diesem Bereich mit der goldenen Regel, dass Schweigen manchmal besser ist als reden. Hier bietet sich tatsächlich das proaktive Wechseln des Themas an. Von Kindern zu Autos vielleicht: Schließlich sind Kindersitze im Sportwagen so unpraktisch. Da braucht man dann schon eher einen Van. Aber schön sind die auch nicht. Macht nix – die Zeiten, in denen man das Auto für sich und nicht nur für die Familie aussieht, kommen ja bald wieder!

4. Falsches Thema beim Smalltalk: Gartenarbeit

Von der Gartenarbeit schwärmen. Wenn das Wetter den Smalltalk beherrscht, denke ich in den letzten Tagen gerne an meine Tomaten. Das ist ein Thema, in dem ich mich sicher fühle und zu dem ich tatsächlich auch inhaltlich einiges beizutragen hätte.

Tatsache ist aber: Inhaltlich ist der Smalltalk ohnehin für niemanden interessant. Er dient lediglich der Atmosphäre. Dass jetzt der optimale Zeitpunkt für eine Düngegabe wäre oder ähnliches, sollte man lieber für sich behalten. Besser kommt eine empathische Bemerkung in Richtung der Landwirte rüber: „Die Armen. Bei dem Regen / bei der Sonne ist das echt schwierig, in diesem Jahr eine ordentliche Ernte einzufahren!“

Fazit: Smalltalk-Themen zu finden kann so einfach sein

Das Gute am Smalltalk ist: Du kannst ihn sehr gut üben. Schon durch gutes Beobachten der Gesprächspartner kann man die eine oder andere Floskel erlernen. Du wirst schnell merken, worauf Männer anspringen und worauf nicht. Es lohnt sich, Dinge, die gut ankamen, auch einmal selbst auszuprobieren. Je häufiger du achtsam Smalltalk praktizierst, umso besser wirst du.

Meine Erfahrung ist aber, dass Meetings, die von Frauen geführt werden, schneller zu Ende gehen und wesentlich effizienter ablaufen. Einfach deshalb, weil nur die Dinge besprochen werden, die inhaltlich wirklich wichtig sind. Es bleibt also die Hoffnung, dass wir vom Smalltalk erlöst werden, wenn wir endlich mehr Frauen in Führungspositionen sind.

Jeannine
Das ist Jeannine. Noch mehr von ihr lest ihr in ihrer Kolumne. Foto: WJD/Pia Jennert /

Über die Autorin: Jeannine Budelmann

Jeannine Budelmann schreibt aufgrund ihrer großen Leidenschaft für die Frauen und ihrer noch größeren Expertise auf eigentlich „männerdominierten“ Gebieten. Sie ist Geschäftsführerin eines Elektronik-Unternehmens. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Münster.

Für wmn.de schreibt Jeannine von ihrem Alltag als Chefin, ihren täglichen Begegnungen mit Männern und Frauen in einer patriarchalen Branche. Ihre Beobachtungen sind scharfsinnig, ihre Schlüsse sind wohldurchdacht und ihre Tipps sind spitzzüngig. Hier findest du ihre Autor:innenseite.