Ich bin aktuell etwa einmal pro Woche auf irgendeiner Netzwerkveranstaltung eingeladen. Manches ist vergeudete Zeit, aber von einigen Kontakten und Erfahrungen habe ich sehr profitiert. Ein Netzwerken aufzubauen, ist manchmal anstrengend. Aber auch wenn ich manchmal lieber zu Hause die Beine hochlegen möchte als Smalltalk mit wildfremden Leuten zu halten – es kann sich lohnen! Gerade Frauen nutzen nach meiner Erfahrung viel zu selten die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, ein berufliches Netzwerk. Damit du das Beste aus einem solchen Netzwerk für dich herausholen kannst, gibt es ein paar Tricks.

Netzwerk aufbauen: Was ist das Ziel?

Zunächst ist es wichtig, sich genau zu überlegen, welches Ziel du eigentlich verfolgst. Je nachdem, was du möchtest, kannst du dich nach dem passenden Netzwerk umsehen. Denn nicht jedes Netzwerk ist für jeden Zweck geeignet. Wenn du Aufträge fürs Unternehmen akquirieren willst, weil du beispielsweise im Vertrieb tätig bist, gibt es zwei Strategien: Entweder, du siehst dich bei Branchennetzwerken deiner Kund:innen um, oder du setzt auf Netzwerke, die eine sehr breit gestreute Mitgliederstruktur haben.

Das gilt auch, wenn du berufliche Kontakte knüpfen möchtest, um neue Lieferant:innen oder Partner:innen für dein Unternehmen zu finden. Wenn du dich fachlich oder persönlich weiterbilden möchtest, geht das gut unter Gleichgesinnten. Hier bieten sich Business-Netzwerke für Frauen oder auch für junge Führungskräfte an. Vielleicht willst du dich aber einfach nur auf Augenhöhe mit Menschen austauschen, die beruflich ähnliche Herausforderungen haben wie du selbst. Dann schau in einem Branchenverband vorbei. Darüber bekommst du in der Regel keine Aufträge. Aber du kannst beispielsweise politischen Einfluss nehmen.

4 Schritte, um dein Netzwerk aufzubauen

Egal, aus welchem Grund und in welchem Netzwerk du Mitglied wirst: Es gibt ein paar Dinge, die du tun solltest, um das volle Potenzial des Netzwerks auszuschöpfen. Die Grundregel: Du solltest dich engagieren! Es ist bestimmt nicht schlecht, wenn du zwischendurch als normale Gäst:in unterwegs ist. Aber Vorteile generieren sich eher aus dem eigenen Engagement. Für dich heißt das:

1. Du solltest bei möglichst vielen Terminen anwesend sein!

Bei Vorträgen oder Workshops solltest du ruhig Fragen stellen. So lernen die Menschen dich kennen und merken: Da ist eine interessante Persönlichkeit! Wenn du nur zuhörst, kannst du zwar auch etwas lernen. Nur dich lernt niemand kennen und das wäre schade.

2. Stell dich vor!

Wenn du zu einer Veranstaltung kommst und niemanden kennst, dann stell dich an einen Tisch, an dem bereits Menschen stehen und stell dich proaktiv vor. Auch die hartgesottenen Netzwerker:innen kennen noch das mulmige Gefühl vom Anfang, als man sich irgendwo dazustellen musste und niemanden kannte. Ich habe noch nie den Fall gehabt, dass sich jemand umgedreht hätte und gegangen wäre oder mich gebeten hätte, zu gehen. Ganz im Gegenteil: Gerade junge Frauen will man(n) gerne bei sich stehen haben. Um dein Netzwerk aufzubauen, kann das sehr hilfreich sein.

3. Mach mit!

Wenn du nach einiger Zeit herausgefunden hast, wie der Hase in deinem Netzwerk so läuft, dann engagiere dich! Du kannst beispielsweise in bestimmten Gremien oder Untergruppen mitarbeiten oder dich für einen Posten aufstellen lassen. So steigerst du deinen Bekanntheitsgrad innerhalb des Netzwerks und wirst eher angesprochen.

4. Organisiere etwas!

Meist sind es in einem Netzwerk immer die gleichen Personen, die die Arbeit machen. Sie werden sich freuen, wenn du etwas anbietest, was ihnen Arbeit abnimmt. Wenn du also eine Veranstaltung organisieren kannst, um dich oder dein Unternehmen vorzustellen und sei es nur als Randnotiz, dann tu das. So kannst du in eine Expert:innenrolle schlüpfen und Bekanntheitsgrad für dich und das Unternehmen herausholen.

Netzwerke aufbauen: Der Anfang ist das Schwierigste

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie komisch sich es am Anfang anfühlen kann, sich so offensiv zu verhalten. Aber es lohnt sich! Ein Netzwerk braucht gerade zu Beginn etwas mehr Aufmerksamkeit. Wenn du dich fokussierst und dich gut in dein Netzwerk einbringst, dann kannst du die Anzahl der Treffen irgendwann auch runterfahren. Dann bleibt auch wieder mehr Zeit für ein schönes Buch auf dem Sofa.

Jeannine
Jeannine ist eine junge Unternehmerin. Mit Kind. Verrückt. Foto: WJD/Pia Jennert / Foto: WJD/Pia Jennert Foto: WJD/Pia Jennert

Über die Autorin: Jeannine Budelmann

Jeannine Budelmann schreibt aufgrund ihrer großen Leidenschaft für die Frauen und ihrer noch größeren Expertise auf eigentlich „männerdominierten“ Gebieten. Sie ist Geschäftsführerin eines Elektronik-Unternehmens. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Münster.

Für wmn.de schreibt Jeannine von ihrem Alltag als Chefin, ihren täglichen Begegnungen mit Männern und Frauen in einer patriarchalen Branche. Ihre Beobachtungen sind scharfsinnig, ihre Schlüsse sind wohldurchdacht und ihre Tipps sind spitzzüngig. Hier findest du ihre Autor:innenseite.