Hast du schon mal vom Lebenseinkommen gehört? Dies ist der Betrag, den du im Laufe deines Lebens verdient hast. Zusammengerechnet können da bei den meisten in Deutschland lebenden Menschen mehr als eine Million Euro zusammen kommen. Das hört sich erst mal nach viel Geld an, aber ist das denn auch so?

Beim Lebenseinkommen gibt es auch einen riesigen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Auch hier zieht sich der Gender Pay Gap durch das gesamte Leben der Menschen. Wir wollen zeigen, wie groß der Unterschied im Lebenseinkommen tatsächlich ist und warum es als Frau so viel schwerer ist, viel zu verdienen.

Lebenseinkommen? Wie hoch ist das eigentlich?

Die Brutto-Lebenseinkommen klingen in Deutschland erst einmal nicht schlecht. Egal, welche Branche und welcher Schulabschluss: Das Brutto-Lebenseinkommen liegt bei über einer Million Euro. Die Hochschulabsolvent:innen verdienen im Schnitt sogar zwei Millionen Euro brutto.

Wie berechnet man das Lebenseinkommen?

Ganz einfach: Das Lebenseinkommen besteht aus ALLEN Verdiensten, die du in deinem Leben jemals getätigt hast. Dazu gehören Studierendenjobs genauso wie eine 20-jährige Laufbahn in einem Amt. 

Um die Rechnung einfacher zu gestalten, nimmt man meist einen Mittelwert von 3.000 Euro brutto im Monat, der konstant auf alle Lebensjahre aufgerechnet wird. Das sind 36.000 Euro, die wir brutto im Jahr verdienen. Durchschnittlich arbeiten wir 45 Jahre im Leben. 

36.000 € x 45 Jahre = 1.620.000 € Lebenseinkommen

Im Schnitt verdienen die Deutschen also sogar mehr als 1,5 Millionen Euro Brutto im Leben. Bachelor-Absolvent:innen verdienen 2,3 Millionen Euro, Master-Absolvent:innen verdienen gut 2,6 Millionen Euro im Durchschnitt.

Leider müssen wir einige Abzüge in der B-Note geben, denn noch immer gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Große Unterschiede.

Der Unterschied zwischen Mann & Frau

Es gibt mehrere Faktoren, die zeigen, wie und warum Frauen und Männer auf ein Leben gerechnet so große Unterschiede in ihrem Gehalt aufweisen.

Faktor Nummer 1: Corona hat die Ungleichheit beschleunigt

Während der Pandemie haben mehrere Frauen mit Kinder ihre Arbeitszeit reduziert. Laut einer Befragung der Hans-Böckler-Stiftung haben deutschlandweit 27 Prozent der Frauen, aber nur 16 Prozent der Männer ihre Arbeitszeit reduziert, damit sie sich um die Kinder kümmern können. Die Ungewissheit der Pandemie zeigt dadurch die Ungleichheiten im Lebenseinkommen.

Faktor Nummer 2: Frauen arbeiten in anderen Branchen

Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass Frauen vor allem Berufe ausüben, die niedrigere Gehälter erwarten als Männer. So gibt es in Erziehungs- und sozialen Berufen 83,7% Frauen, während maschinenbautechnische Berufe nur zu 10,3% von Frauen bekleidet werden. 

BerufFrauenMänner
Erziehung, Hauswirtschaft, Theologie83,7 %16,3 %
Gesundheitsberufe (medizinisch)81,4 %18,6 %
Körperpflege, Wellness, Gesundheit (nicht medizinisch)78,6 %21,4 %
Maschinen- und Fahrzeugberufe10,3 %89,7 %
Hoch- und Tiefbauberufe1,8 %98,2 %
So sind Männer- und Frauenberufe in Deutschland verteilt. (Bundesagentur für Arbeit)

Faktor Nummer 3: Frauen sind nicht in Führungspositionen

Der Faktor, der am meisten Gehaltszuschlag verspricht, ist Personalverantwortung. Da Frauen nur sehr selten in besonders hohen Positionen arbeiten und nur wenig Personalverantwortung haben, geht auch hier die Gehaltsschere zwischen Mann und Frau wieder weiter auseinander. In Deutschland bekleiden lediglich 28 % der Führungspositionen Frauen. Das sind sogar zwei Prozent weniger als es im letzten Jahr waren.

Die Frauenquote soll die Frauen allerdings mit der Zeit immer mehr in die Führungspositionen der Top 200 Unternehmen Deutschlands hineinbringen. Seit dem Jahr 2006 hat der Anteil der Frauen in Vorständen der größten deutschen Unternehmen tatsächlich deutlich gesteigert: Im Jahr 2006 waren es 0,2 %. Im Jahr 2021 waren es 14,7 %. Noch immer sind es zu wenige Frauen, um die Gesellschaft zu repräsentieren.

Faktor Nummer 4: Karriereknick Baby

Frauen sind nach dem Kinder bekommen noch immer sehr viel länger in Elternzeit als Männer. Oft sind es mehrere Jahre, die Frauen sich weder um ihre Karriere, noch um ihr Gehalt kümmern können und wollen. Die meisten Männer sind viel schneller wieder in ihrem Beruf und bekommen während die Frauen noch Windeln wechseln ein paar Gehaltserhöhungen und ziemlich viel Know-how dazu.

Eine Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) hat ergeben, dass Frauen nach einem Baby gut drei Jahre und drei Monate ausfallen. Danach gehen Frauen im Durchschnitt wieder in eine Teilzeitstelle. Nach sieben Jahren gehen die Frauen wieder in eine Vollzeitstelle über.

Bei Männern sind es oft nur wenige Monate, bis sie wieder voll arbeiten gehen.

Frau Geld grün Zeichnung
Frauen werden auch irgendwann zu Millionärinnen. Nur halt nicht so wie Männer.

Frauen sind benachteiligt beim Lebenseinkommen

Frauen verdienen im Schnitt 600 € weniger (brutto) im Monat als Männer. Wir müssen also auch beim Lebenseinkommen für Frauen ordentlich etwas abziehen. Da diese Zahl aber nicht auf die gesamte Lebensdauer zu sehen ist, ist sie mit Vorsicht zu behandeln. Nicht jede Frau verdient 600 weniger als jeder Mann. Und vor allem nicht über die gesamte Zeit, die sie arbeitet. Doch es geht hier ja auch um Durchschnittswerte.

Auf 45 Jahre Arbeitszeit gerechnet sind das 324.000 €, die Frauen theoretisch an Lebenseinkommen gegen die Männer einbüßen. Das ist eine Menge Schotter.

36.000 € x 45 Jahre = 1.620.000 € – 324.000 € = 1.286.000 Lebenseinkommen

Noch mehr über Frauen im Arbeitsmarkt?

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Vielleicht scheißt du aber auch auf die Kohle. Etliche Studien beweisen nämlich, dass Geld allein überhaupt nicht glücklich macht. Welche Rolle andere Faktoren spielen und wie sie zusammenhängen, erklären wir dir.

Frau sein kostet übrigens richtig Kohle. Wir schlüsseln dir hier auf, was es heißt, eine Vagina zu haben.