Du wirst wahrscheinlich nicht ewig in deinem jetzigen Job bleiben. Nur die wenigsten machen ihren Beruf zu ihrer Berufung und bleiben ihr Leben lang in derselben Firma. Kündigungen gehören zum Leben genauso dazu wie Trennungen von Lebensabschnittsgefährt:innen.

Dennoch unterlaufen den meisten von uns gravierende Fehler beim Kündigen des Jobs. Die wmn-Redaktion hat mit einer Personalexpertin sprechen dürfen. Sie erklärt, welche Fehler ihr in ihrer Karriere aufseiten der Mitarbeitenden und auf Seiten verschiedener Unternehmen aufgefallen sind.

Kündigungsfehler: Das machen Angestellte oft falsch

Die Gründe für eine Kündigung sind vielfältig. Viele Arbeitnehmende sind unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber. Nur 16 Prozent der Deutschen fühlen sich laut einer Umfrage positiv mit ihrem Arbeitgeber verbunden und jede:r sechste Arbeitnehmer:in hat bereits innerlich gekündigt.

Zudem wartet auf die Kündigenden oft ein ordentlicher Gehaltssprung. Statistiken zeigen, dass die meisten Menschen nach einem Jobwechsel bis zu 20 Prozent mehr Gehalt verdienen. Das würde dir bei einer gewöhnlichen Gehaltserhöhung in deinem Unternehmen nicht passieren.

Es kann also durchaus sinnvoll sein, den Job zu kündigen. Allerdings solltest du dich dabei unbedingt an einige Regeln halten und beliebte Fehler bei der Kündigung vermeiden. Wir zeigen dir, wie du dich beim Kündigen auf keinen Fall verhalten solltest.

1. Ausrasten

Angestellte, die kurz vor einer Kündigung stehen, sind oft ungehalten und emotional, so erklärt es uns die Personalexpertin im Gespräch. Aus diesem Grund machen sie manchmal Fehler, die ihnen mit einem klaren Kopf nicht passieren würden. Die meisten Fehler, die den Mitarbeitenden unterlaufen, haben also etwas mit ihren persönlichen Gefühlen zu tun.

Ein Kündigungsgespräch ist für die Mitarbeitenden meist sehr schwer zu führen. Immerhin geht es dabei in den meisten Fällen um ihre Existenz. Es ist deswegen durchaus verständlich, dass die Emotionen überkochen, doch sollte man genau in diesen Situationen darauf achten, ruhig zu bleiben. Schreien, Weinen oder gar Zerstörungswut haben noch niemandem den Job gerettet.

Die Personalexpertin rät, dass man sich in einer solchen Situation lieber kurz sammelt. „Es ist kein Beinbruch, das Gespräch für ein paar Minuten zu unterbrechen, den Raum zu verlassen, ein paarmal tief durchzuatmen und dann mit einem kühleren Kopf in die weiteren Verhandlungen zu gehen. Das beweist emotionale Stärke.“

2. Unangebrachte Kritik und Sarkasmus

In einem Kündigungsgespräch werden zwangsläufig Unzulänglichkeiten der beiden Parteien besprochen. Manche denken sich, dass das die perfekte Situation sei, um sich gegenseitig Dinge an den Kopf zu werfen, die sie sich ohnehin „schon immer mal“ sagen wollten. Es wäre aber ein großer Fehler, dabei nicht sachlich zu bleiben, sondern in persönliche Themen abzudriften.

„Du bist sowieso viel zu unorganisiert“ und „Deine E-Mail Signatur sieht blöd aus“ sind beispielsweise keine Kritikpunkte, die du hier anbringen solltest.

Auch Sarkasmus ist der Killer eines professionellen Gesprächs. Bei jeder Kündigung sollte dir bewusst sein: Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr euch noch einmal wiederseht, ist sehr hoch. Solltest du in der gleichen Branche bleiben, kann es sogar sein, dass ihr noch einmal zusammen arbeiten müsst.

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Wie kann man es schaffen, auf der Arbeit weniger Frustriert zu sein? Foto: IMAGO IMAGES / Addictive Stock

3. Sich in Details verrennen

Ein Kündigungsgespräch kommt nicht von ungefähr. Bevor jemand dir kündigt und bevor du deine Kündigung einreichst, hat es wahrscheinlich viele Vorgespräche gegeben, in denen ihr bereits über die Probleme innerhalb des Teams oder des Unternehmens gesprochen habt. Diese kleinen Details haben in einem Kündigungsgespräch nichts mehr verloren. Hier geht es um Tatsachen, Entscheidungen und das weitere Vorgehen in der Zukunft.

4. Alleine bleiben mit dem Kündigungsgedanken

Die Personalexpertin erklärte wmn im Gespräch, dass es ebenfalls ein großer Fehler sei, den Kündigungsgedanken alleine mit sich auszumachen. „Gut wäre hier ein offenes und konstruktives Gespräch mit der Personalabteilung, in dem man gemeinsam nach Lösungen zur Verbesserung der Situation sucht.“ Viele Arbeitnehmer:innen kündigen innerlich schon viel früher, als sie ihre Kündigung schriftlich einreichen. Hier staut sich nicht nur viel Frust an. Gleichzeitig leidet der Job darunter, den man dann nur noch halbherzig ausführt. Daher rät sie: „Wenn man einen ernsthaften Kündigungsgedanken hegt, unbedingt das Gespräch mit der Personalabteilung suchen. Meist gibt es Lösungsmöglichkeiten.“

5. Verbrannte Erde hinterlassen

Ein Fehler, den viele Mitarbeiter:innen in der Kündigungszeit machen, ist es, verbrannte Erde bei ihrem alten Arbeitgeber zu hinterlassen. Meist hast du einen guten Grund, warum du deinen Job kündigst. Das kann an Problemen mit deinem oder deiner Vorgesetzten liegen. Es kann aber auch sein, dass du dich mit deinem Team nicht gut verstanden hast oder dich ungerecht von deinem Arbeitgeber behandelt fühlst. All das sind legitime Gründe, um deinen Job an den Nagel zu hängen. Niemand sollte sich zu einem Job quälen, den er oder sie nicht aushält. Allerdings solltest du darauf achten, die Stimmung nicht allzu südlich wandern zu lassen.

Die Arbeitswelt ist zwar groß, doch oft sieht man sich zweimal im Leben. Gerade, wenn du nach einem Jobwechsel in der gleichen Branche bleibst, ist es möglich, dass dein neuer Arbeitgeber und dein alter Arbeitgeber sich kennen und austauschen.

Ebenso ist es möglich, dass eine:r deiner alten Kolleg:innen auch in deinem neuen Job eine Rolle spielt. So ist es beispielsweise in der Medienbranche: Viele Redakteur:innen in Deutschland arbeiten im Laufe ihres Lebens bei den großen Verlagen Springer, Bauer, Gruner & Jahr, Funke und so weiter. Wenn du also deinen Job kündigst, dann achte darauf, dich bei allen Mitarbeitenden mit einem Lächeln zu verabschieden.

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Hat mein:e Kollege:in Gefühle für mich? Foto: Drazen_/Gettyimages

6. Aufgaben unbearbeitet hinterlassen

Nachdem du deinen Job gekündigt hast, hast du bei den meisten Arbeitgebenden eine Frist von drei Monaten. In diesen drei Monaten solltest du deine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen erledigen und gleichzeitig den Platz für deine:n Nachfolger:in vorbereiten.

Deine Arbeit solle im Idealfall nicht liegenbleiben, wenn dein:e Nachfolger:in kommt. Stattdessen sollte ein nahtloser Übergang gewährleistet werden. In der Praxis ist es nur schwer umzusetzen, einen nahtlosen Übergang zu schaffen. Doch es gibt ein paar Maßnahmen, die dir dabei helfen.

  • Erstelle Leitfäden für deine Nachfolgenden und Mitarbeitenden, damit sie im Zweifelsfall dort nachschauen können, was zu tun ist.
  • Übergib deine Aufgaben gewissenhaft. Erkläre deinen Kolleg:innen ganz genau, wie du an die Aufgabe herangegangen bist. Dabei solltest du aber nicht zu vehement darauf bestehen, dass es auch in Zukunft so gemacht wird wie in der Vergangenheit. Jeder Mensch hat eigene Arbeitsweisen und Tempi.

Die Konsequenzen, wenn du Aufgaben unbearbeitet hinterlässt, sind nicht nur für die Nachfolger:innen und den Arbeitgebenden gravierend. Sie können dich lange nach deinem letzten Arbeitstag noch verfolgen. Abgeschlossene Aufgaben löschen sich schneller aus deinem Gedächtnis, während unerledigte Aufgaben noch lange in deinem Gehirn nachwirken und dich womöglich nie wieder loslassen.

Das wird durch den sogenannten Zeigarnik-Effekt erklärt. Dieser Effekt wurde durch die russische Psychologin und Namensgeberin Bljuma Zeigarnik im Jahr 1927 entdeckt. Er beschreibt, dass erledigte Aufgaben schneller aus dem Gedächtnis verschwinden als unerledigte. Eine Aufgabe abzuschließen, fördert außerdem die Produktion von Glückshormonen.

7. Zu viel erwarten

Viele Mitarbeiter:innen und Kolleg:innen versprechen sich gegenseitig, selbst nach einer Kündigung „auf jeden Fall in Kontakt“ zu bleiben. Das ist ein sehr schöner Gedanke und kann auch unter bestimmten Umständen in die Tat umgesetzt werden. Oft sind das aber leere Versprechungen, die du nicht in die Tat umsetzen kannst und wirst.

Solltest du deine Ex-Kolleg:innen nach der Kündigung nur wenig oder gar nicht wiedersehen, dann entsteht schnell ein schlechtes Gewissen. Versprecht euch also gegenseitig lieber nichts, was ihr nicht halten könnt. Stattdessen kannst du dich darauf verlassen, dass du die Kolleg:innen, die du während deiner Anstellung oft gesehen hast, auch weiterhin treffen wirst.

Kündigungsfehler auf Seiten des Unternehmens

In der Regel kündigen Arbeitgeber ihren Angestellten aus einem simplen Grund: weil sie ihre Arbeit nicht zufriedenstellend leisten. Es gibt allerdings auch immer mal wieder andere Gründe, aus denen sich die Arbeitgebenden dazu entscheiden, sich von einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin zu trennen. Ein Beispiel gibt die Personalexpertin im Gespräch: Sexismus und Belästigung anderer Mitarbeitenden am Arbeitsplatz.

1. Das Unternehmen nicht vertreten

Auch auf Seiten des Unternehmens sollte man immer darauf achten, fachlich zu bleiben und keine Emotionen einzubringen. Ein großer Fehler ist es, sich emotional zu sehr mit den Angestellten zu verbinden. Personalmanager:innen und Vorgesetzte müssen die Anforderungen des Unternehmens vertreten und dahinterstehen. Die Personalexpertin erklärt: „Es ist verlockend, zu sagen: ‚Das ist nicht meine Entscheidung. Ginge es nach mir, dann würden wir es anders machen.‘ Doch das zeigt Inkonsistenz im Unternehmen und ist unprofessionell.“

2. Die Formalitäten vergessen

Als Unternehmen jemandem zu kündigen, kann vor allem aufgrund des Kündigungsschutzes ein Problem werden. Man sollte immer mit dem Schlimmsten rechnen, beispielsweise damit, dass eine Kündigungsschutzklage ins Haus flattert. Um als Unternehmen dagegen gewappnet zu sein, müssen alle Fristen genau eingehalten werden. Sonst ist die Kündigung vielleicht sogar unwirksam.

Nice To Know: Um gegen unrechtmäßige Kündigungen abgesichert zu sein, sollte man sich als Arbeitnehmer:in eine Rechtsschutzversicherung zulegen. Im Fall der Fälle kannst du dann beim Arbeitgebenden auf Schadensersatz klagen.

3. Alleine kündigen

Obwohl es rechtlich erlaubt ist, sollten Unternehmen immer einen unparteiischen Zeugen oder eine Zeugin in das Entlassungsgespräch einladen. Diese können die Situation entschärfen und neutralen Boden schaffen. Zudem kann der Zeuge oder die Zeugin bestätigen, was gesagt und was nicht gesagt wurde. Im Falle einer Klage kann das durchaus hilfreich sein.

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