Sind wir mal ehrlich: Die ersten drei Monate einer Beziehung verbringt man die meiste Zeit mit Magenkrämpfen, weil man versucht, keine Körpergeräusche von sich zu geben. Weder rülpsen noch pupsen möchte man vor dem oder der Angebeteten, um sich stets von seiner besten Seite zu zeigen.

Vor allem in einer hocherotischen Situation wie beim Sex will man solche Peinlichkeiten komme was wolle vermeiden. Und doch werden vor allem viele Frauen das Gefühl kennen, wenn man mitten beim Sex entweder tatsächlich pupsen muss oder ein sogenannter Vaginapups entfleucht. Warum Pupsen beim Sex absolut normal ist und endlich enttabuisiert werden sollte, liest du hier.

Kennst du schon den Wein & Weiber Podcast vom wmn-Magazin? In dieser Folge sprechen Mona und Lisa bereits das dritte Mal über Sexmythen.

Nicht salonfähig & nicht ladylike? Die Scham um den Pups

Neulich unterhielt ich mich mit einer Bekannten, die mir doch tatsächlich verkaufen wollte, dass sie superselten – wenn überhaupt – pupsen muss. Ich glaubte ihr kein Wort. Denn die Wahrheit ist, dass jede:r von uns pupst. Jeden einzelnen Tag!

Vielen ist das allerdings ungemein peinlich, weil ihnen die geräusch- und geruchsvolle Flatulenz bereits in der Erziehung ausgetrieben wurde. Pupsen, so haben viele es gelernt, ist nicht salonfähig. Wiederum andere haben zu Hause regelrechte Pupswettbewerbe mit ihren Eltern veranstaltet. Aber auch die wurden später darüber aufgeklärt, dass dieses Verhalten nicht sehr ladylike ist und daher in Gesellschaft (vor allem von Männern) besser ausbleiben sollte.

Pfirsisch
Wusstest du, dass pupsen verdammt gesund ist? Credit: Foto: Amorelie

Pupsen ist gesund!

Dabei ist Pupsen nicht nur alltäglich, sondern sogar gesund. Denn es zeigt, dass unsere Verdauung einwandfrei funktioniert. Am Tag bilden sich bis zu 2,5 Liter Gase in unseren Organen – wobei der Großteil über unsere Blutbahn in unsere Lunge geschickt wird, bevor sie ausgeatmet werden.

Der Rest, circa ein halber Liter, wird über den Dickdarm zu unserem Po befördert und dort ausgepupst. Ein Pups entwickelt sich dabei schon, wenn wir essen. Denn neben der Mahlzeit nehmen wir hier auch Sauerstoff und Stickstoff zu uns. Je mehr wir schlingen, desto mehr Gase gelangen in unseren Körper.

Nachdem der Speisebrei den Magen Richtung Dünndarm passiert hat, haftet jede Menge Magensäure an ihm. Der Dünndarm neutralisiert diese nun und verdaut Fette, wobei wiederum Kohlendioxid entsteht. Im Dickdarm bilden sich dann die eigentlichen Pupse, wenn Bakterien die Speisereste zerlegen und dabei jede Menge CO2, Wasserstoff und Methan bilden.

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Beim Sex kann es schon mal dazu kommen, dass ein Pups entfleucht. Das ist aber kein Grund zur Scham. Credit: Elena Chevalier/ Shutterstock

Pupsen beim Sex: Warum das kein Grund zur Scham, sondern völlig normal ist

Hat man während dieses Verdauungsvorgangs Sex und der Penis drückt von innen gegen die Organe, kann es schon mal zu einem ungewollten Pups kommen. Mal lautstark, mal ganz still und heimlich. Natürlich ist das den meisten von uns dann furchtbar peinlich, weil wir wie gesagt so erzogen wurden.

Doch wisst ihr was? Wir sollten aufhören, uns für Dinge zu schämen, die wir nicht ändern können – einfach, weil sie ganz natürlich sind. Wie beispielsweise unsere Periode, Achselhaare oder einen Frauenbart. Lasst laufen, lasst wachsen und pupst, ist mein guter Rat an euch und hört vor allem auf, euch dafür zu entschuldigen.

Weiterlesen: Dafür entschuldigen sich Frauen allgemein viel zu häufig.

So solltet ihr nach einem Pups beim Sex reagieren

Solltet ihr also einmal aus Versehen beim Sex pupsen, weil euer Schließmuskel nicht so wollte wie ihr, dann lauft nicht rot an. Versinkt nicht im Erdboden. Und brecht vor allem euer Liebesspiel nicht ab. Entweder überspielt ihr diesen Moment einfach oder aber ihr macht das Beste draus und lacht darüber.

So ein Lachen kann wahnsinnig entwaffnend sein und lässt euch nur noch mehr zusammenwachsen. Mein Plädoyer: Versteht das Pupsen beim Sex nicht als Peinlichkeit, sondern als Zeichen dafür, dass ihr euch wirklich nahe seid. Lasst euch fallen, anstatt euch verrückt zu machen, perfekt und ladylike rüberzukommen.

Nice to know: Es gibt einen Pupsfetisch, der auch Eproctophilie genannt wird. Betroffene turnt es an, wenn man sie beim Sex anpupst. Wie beliebt dieser Trend ist, kann man auf Pornoseiten nachvollziehen, die voll von pupsenden Frauen sind, die beim Facesitting oder vor der Webcam ihre Flatulenzen erotisch aussehen lassen.

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Beim Sex gepupst? Entweder du sagst einfach gar nichts, der Pups spricht immerhin für sich oder aber du lachst einfach über dich. Credit: IMAGO / Westend61

Vaginapups oder besser: Vaginawind

Nicht nur euer Anus, sondern auch eure Vagina kann ein Pupsgeräusch von sich geben. Expert:innen nennen dieses Phänomen „Flatus vaginalis“, was die recht süße Übersetzung Vaginawind ergibt.

Pupse beim Sex können also auch daher rühren, dass mit dem Penis auch jede Menge Luft in eure Vagina eindringt. Und die muss sich ihren Weg wieder nach draußen bahnen. In der Folge kommt es zu einem Pupsgeräusch, das wir Frauen beim besten Willen nicht kontrollieren können.

Sollte euer:eure Partner:in über diese Geräuschkulisse verwundert sein, erklärt ihm:ihr einfach, was dahinter steckt. Beim nächsten Mal überhört ihr den Pups oder lacht auch hier gemeinsam darüber.

Pupsen beim Sex gehört genau wie Lachen einfach dazu

Pupst du beim Sex, kann das verdammt lustig, aber auch peinlich sein. Jedoch entscheidest du allein darüber, in welche Richtung die Situation sich entwickelt. Am besten ist es, du stehst zukünftig selbstbewusst zu der Natürlichkeit deines Körpers und lachst im Zweifel einfach über dich selbst!

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