Aus unerfindlichen Gründen ist in vielen Köpfen verankert, dass richtig guter Sex sein Finale in aller Regel mit einem gemeinsamen Orgasmus findet. In diesem Artikel verrate ich dir, warum so ein paralleler Höhepunkt völlig überbewertet ist und worauf es beim Sex wirklich ankommt.

Gemeinsamer Orgasmus? Überhaupt ein Orgasmus wäre toll!

Viele Frauen werden diesen Artikel jetzt lesen und sich denken: „Ein gemeinsamer Orgasmus? Ich würde überhaupt gerne mal kommen!“. Denn Fakt ist, dass es einen Orgasm-Gap und auch einen Masturbation-Gap zwischen den Geschlechtern gibt. Heißt: (Hetero-)Frauen kommen laut Studien deutlich seltener als (Hetero-)Männer und masturbieren auch sehr viel weniger.

Dafür gibt es zahlreiche Gründe: Von Orgasmusstörungen über sexuelle Unlust bis hin zu dem Unwissen, wie man einen Höhepunkt überhaupt erzielen kann. Ein weiterer wichtiger Punkt, der vor allem dem gemeinsamen Orgasmus im Weg steht, ist der frühzeitige Samenerguss beim Mann, den laut Studien jeder fünfte erlebt. Diese allgemeine Problematik sollte dann auch erklären, warum die Anzahl von Paaren, die laut Umfragen regelmäßig einen gemeinsamen Orgasmus erleben, bei gerade einmal drei Prozent liegt.

Warum ein gemeinsamer Orgasmus überbewertet ist

Mal davon abgesehen, dass ein gemeinsamer Höhepunkt ein reiner Glückstreffer zu sein scheint, wird er völlig zu Unrecht dermaßen glorifiziert. Schon klar: Gemeinsam auf einer Orgasmuswolke hinwegzuschweben, zu spüren, wie der andere pulsiert, bebt und stöhnt ist schon eine ganz besondere Erfahrung. Doch richtig guter Sex funktioniert auch ohne gemeinsame Orgasmen. Zumal gemeinsam zu kommen auch zahlreiche Nachteile mit sich bringt…

Ein gemeinsamer Orgasmus ist für die Frau weniger intensiv

Wusstest du, dass ein Orgasmus bei Frauen locker über 20 Sekunden anhalten kann? Manche berichten sogar von Orgasmen, die sich über Minuten ziehen oder von multiplen Orgasmen. Männer können weder multipel noch derart lang kommen. Ihr Orgasmus hält gerade einmal zwischen drei und zwölf Sekunden. Und genau hier liegt die Krux im Hinblick auf einen gemeinsamen Orgasmus.

Denn wenn Männer kommen, performen sie in der Regel nicht weiter wie zuvor. Meint: Sie stoßen langsamer oder überhaupt nicht mehr. (Es sei ihnen gegönnt, immerhin sollen auch sie ihren Orgasmus voll auskosten.) Kommt die Frau ebenfalls in diesem Moment, wird ihr Orgasmus dadurch allerdings deutlich abgeschwächt. Besser wäre es daher, der Mann würde kurz nach der Frau kommen.

Paar Sex
Beim gemeinsamen Orgasmus muss der Mann sich vor allem auf die Frau konzentrieren und kann so selbst weniger genießen. Credit: 5800×3866 Pixel IMAGO / Westend61

Ein gemeinsamer Orgasmus bedeutet Konzentration für den Mann

Auch der Mann kann einen gemeinsamen Orgasmus nicht vollends genießen. Immerhin ist er den gesamten Liebesakt über damit beschäftigt, auf die Frau zu achten und seinen Orgasmus so zu timen, dass er mit dem der Frau übereinstimmt. Eine extreme Belastung, wenn man bedenkt, dass Frauen gut und gerne mal zwanzig Minuten bis zum Orgasmus brauchen! Und dann ist da auch noch dieser ständige unterschwellige Druck, nicht zu früh zu kommen!

Ein gemeinsamer Orgasmus kann die Frau unter Druck setzen

Doch nicht nur Männer setzt dieser gemeinsame Orgasmus unter Druck. Wie bereits erwähnt, haben vor allem Frauen häufig Probleme damit zu kommen. Diese Probleme können übrigens zu einem großen Teil durch Stress ausgelöst werden. Das kann Alltagsstress sein, aber eben auch solcher, der entsteht, wenn man das Gefühl bekommt, man müsste jetzt unbedingt kommen. Je mehr Zeit verstreicht und desto mehr Mühe des Partners ins Leere läuft, desto größer wird der Druck, zum Orgasmus zu kommen. Gerade dieser Druck hat schon den manchen Orgasmus wie einen aufgeblasenen Ballon platzen lassen.

Dir brennt es dennoch unter den Nägeln und du möchtest wissen, wie ein gemeinsamer Orgasmus gelingen kann? Weiter gehts auf Seite zwei.