Dass Coronaviren über winzige Tröpfchen übertragen werden, ist mittlerweile wohl fast jedem bekannt. Um eine Ansteckung zu verhindern, tragen wir Masken, halten Abstand, desinfizieren uns die Hände. Doch nicht nur durch die Luft, das Berühren von Oberflächen oder einen Händedruck kann das SARS-CoV-2-Virus übertragen werden. Auch die Vagina kann Corona übertragen. Wie wahrscheinlich das aber überhaupt ist hat eine Studie aus dem Sommer 2021 gezeigt.

Gibt es wirklich Coronaviren in der Vagina?

Corona gilt nicht als ein Virus, das durch Geschlechtsverkehr übertragen werden kann. So gab es bis heute nur sehr wenige nachgewiesene Fälle, bei denen das Virus durch Sex übertragen werden konnte. Allerdings ließ sich SARS-CoV-2 in vielen Körperflüssigkeiten wie beispielsweise, Speichel und Auswurf aus der Nase und dem Mund, Blut, Urin, Kot oder Tränen nachweisen.

Und wie sieht es mit der Übertragung von Corona über die Vagina aus? Auch für das Scheidensekret gab es bisher fast keinen Nachweis, selbst wenn die getesteten Proband:innen eine schwere Covid-Erkrankung hatten.

Studie zeigt Viruslast im Scheidensekret auf

Doch eine neue Studie aus dem Jahr 2021 in Israel, die im Journal of Clinical Medicine veröffentlicht wurde, zeigt, dass es durchaus Coronaviren in der Vagina gibt.

Dafür schauten sich die Forscher:innen den Ct-Wert an. Dieser kann unter bestimmten Bedingungen anzeigen, ob ein Infizierter oder eine Infizierte ansteckend ist oder nicht.

Was ist ein Ct-Wert? Ein kleiner Exkurs

Die Apothekerzeitung erklärt, dass der Ct-Wert für „cycle treshhold“ steht. Dieser Wert gibt an, wie viele Zyklen ein notwendig sind, um das Erbgut eines Virus herauszufinden. Der Ct-Wert korreliert also theoretisch direkt mit der Viruslast im Körper der betroffenen Person.

Allerdings unterliegt der Ct-Wert vielen verschiedenen Faktoren und ist somit nicht endgültig aussagekräftig. Wer mehr über den Ct-Wert und seine Funktion erfahren will, kann sich auf der Website des Laborverbundes Kramer & Kollegen schlau machen.

Die Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass der Ct-Wert über eine Coronainfektion folgendes aussagt: Je höher die Viruslast, desto geringer ist der Ct-Wert. Je geringer der Ct-Wert, desto höher ist die Viruslast.

  • Liegt der Ct-Wert also unter 30, kann man davon ausgehen, dass die Person ansteckend ist.
  • Liegt der Ct-Wert über 30, kann man davon ausgehen, dass die Person nicht ansteckend ist.

Es gibt jedoch viele Probleme mit diesen Annahmen. Sie sind zum einen keinesfalls gesichert, denn das Testen hat schon einige Fehlerquellen hervorgerufen. Zum anderen muss der Ct-Wert immer in Hinblick auf die Erkrankung der jeweiligen Person angeschaut werden. Ein hoher Ct-Wert kann nämlich auch bedeuten, dass die betreffende Person zu Beginn ihrer Corona-Erkrankung getestet wurde. Zu Beginn einer Erkrankung ist die Viruslast nämlich meist gering.

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Coronaviren wurden nur äußerst selten in Scheidensekret nachgewiesen. Credit: IMAGO / BE&W

Viruslast in der Vagina: Verschwindend gering

Die entnommenen Proben der Probandinnen ergaben einen durchschnittlichen Ct-Wert von 35 bis 42. Das bedeutet: Diejenigen Frauen, bei denen Corona in der Vagina nachgewiesen werden konnte, wiesen eine verschwindend geringe Viruslast im Scheidensekret auf.

Ansteckung über die Vagina dennoch möglich

Natürlich ist der Ct-Wert der Vagina nicht das einzige, das eine Viruslast im Körper der Patient:innen anzeigen kann. Es können auch andere Flüssigkeiten in der Vagina landen und deswegen zu einer Coronaübertragung beim Sex führen: Speichel und Blut sind nur zwei Beispiele. Außerdem könnten die positiven Ergebnisse auf eine „fäkale Kontamination“ durch den Darm zurückzuführen sein.

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