Es gibt wenige sexuelle Orientierungen, um die sich so viele Mythen und Missverständnisse ranken wie Asexualität. Ich erinnere mich noch genau an meine Schulzeit, als Freundinnen von mir und ich uns ganz sicher waren, dass wir asexuell seien. Mit vierzehn bis sechzehn Jahren begannen wir zwar, unsere Sexualität zu entdecken, doch bemerkten wir schnell, dass uns „klassischer“ penetrativer Sex gar nicht so viel Spaß machte, wie wir vor dem ersten Sex gedacht hatten.

Folglich stuften wir uns selbst als asexuell ein. Wie falsch wir doch lagen! Heute weiß ich, dass meine fehlende Erfahrung und die Unkenntnis über meine eigenen Bedürfnisse dazu beitrugen, dass ich Sex nicht genießen konnte. Asexuell ist bis heute wohl keine meiner alten Schulfreundinnen.

In diesem Artikel wollen wir gemeinsam herausfinden, was Asexualität wirklich ist und was es eben nicht ist. Wir werden mit Klischées aufräumen und uns selbst auf diese sexuelle Neigung testen. Den Test zur Asexualität findest du ganz unten in diesem Artikel.

Schlafmangel Folgen
Gerne allein sein zu wollen ist nicht schlimm. Foto: Westend61/ Getty Images

Asexualität: Eines der größten Missverständnisse unserer Sexualität

Eine Studie des Hannoveraner Wissenschaftlers Guido Gebauer zeigte, dass ich und meine Freundinnen in der Schule keine Exot:innen waren, als wir unsere Sexualität falsch einschätzten. Ein extra für Asexuelle angefertigter Test zeigte, dass beinahe 40 % der Befragten, die sich selbst für asexuell hielten, es eigentlich gar nicht waren. Laut der Studie litten sie eher unter Problemen mit der Libido oder ihnen fehlten die sexuellen Möglichkeiten. Dazu gehörten Orgasmusstörungen, Schüchternheit oder auch Erektionsstörungen.

Die Studie von Gebauer zeigte zudem, dass auch Asexuelle selbst nicht immer wissen, dass sie diese sexuelle Neigung haben. 34 der insgesamt 707 Teilnehmenden waren laut Gebauers Test asexuell, auch wenn sie es selbst nie vermutet hätten.

Was ist Asexualität?

Der Wissenschaftler Guido Gebauer erklärt, dass Asexualität auf keinen Fall als Störung gesehen werden sollte. Vielmehr ist es eine ganz normale Spielart der sexuellen Ausrichtungen. Leider ist es nur sehr schwer, verlässliche Zahlen und Statistiken zu dieser Ausrichtung aufzustellen. Noch immer ist wohl zu wenig darüber bekannt, als dass die Menschen sich selbst verlässlich in diese Kategorie einordnen könnten.

Können Asexuelle sich verlieben?

Bei der Asexualität geht es ausschließlich um das Bedürfnis nach Sex. Das menschliche Bedürfnis nach Liebe ist bei ihnen genauso ausgeprägt wie bei jedem anderen Menschen. So können Asexuelle durchaus in Liebesbeziehungen leben, Schmetterlinge im Bauch haben und so weiter. Der Unterschied bei ihnen betrifft jedoch die Sexualität. Das Bedürfnis, mit mindestens einer anderen Person Geschlechtsverkehr zu haben, gestaltet sich bei einer asexuellen Person anders. Es kann vollkommen ausgeschaltet sein, oder sich nur in bestimmten Situationen zeigen.

Haben Asexuelle Sex?

Asexualität ist, wie viele andere sexuelle Ausrichtungen, eher ein Spektrum als eine absolute Abneigung gegen Sex. So gestaltet sich Sexualität bei ihnen anders und sie haben wenig bis gar kein Bedürfnis, Sex zu haben. So gibt es Asexuelle, die gerne andere Menschen küssen. Andere Asexuelle empfinden das bereits als eine unangenehme zwischenmenschliche Begegnung. Geschlechtsverkehr können Asexuelle natürlich haben – biologisch ist bei den meisten alles im grünen Bereich. Sie haben bloß kein Bedürfnis danach.

Befriedigen sich Asexuelle selbst?

Entgegen vieler Vorurteile befriedigen sich Asexuelle durch aus gerne selbst, so erklärt es AVEN, das Netzwerk für Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit zur Asexualität. Während Asexuelle den Verkehr mit einer anderen Person meiden, ist das Handanlegen bei sich selbst sehr gängig.

Die Asexuellen haben, im Gegensatz zu vielen anderen Vertretenden sexueller Spielarten, dabei aber keine sexuellen Empfindungen. Masturbation ist für sie ein schönes Gefühl und nichts, dass ein Bedürfnis befriedigt.

Weiterlesen: Asexualität kann laut AVEN auch zu Autosexualität werden. Was das ist, zeigen wir dir hier.

selbstbewusste Frau mit Buch
Poetry-Bücher können Frauen helfen, mehr Selbstbewusstsein zu finden und sich nicht mehr so allein zu fühlen. Foto: IMAGO / Addictive Stock

Der Selbsttest: Bin ich asexuell?

Viele Online-Portale haben bereits versucht, einen guten Test zu entwickeln, der zeigt, ob bei dir Asexualität vorliegt oder nicht. Wir haben den Test von Gleichklang.de absolviert. Dieser kann viele Hinweise darauf geben, ob du asexuell bist oder nicht. Er kann aber keine Expert:innenmeinung ersetzen. Falls du dir unsicher bist und über deine Sexualität sprechen möchtest, dann suche dir am besten jemanden, dem du vertraust. Eine Alternative ist das Telefon: Unter der Nummer gegen Kummer kannst du diejenigen erreichen, die dir weiterhelfen wollen und können.

Dieser Selbsttest stellt jedem Teilnehmenden unterschiedliche Fragen. Je nachdem, welche Antworten du in den ersten Fragen gibst, werden dir andere weiterführende Fragen angezeigt. So kann es sein, dass der Test nach 12 Fragen bereits vorbei ist. Es kann aber auch sehr viel länger dauern, je besser du in das Spektrum der Asexualität passt.

Unter anderem will der Test die folgenden Informationen von dir haben:

  • Geschlecht, Bildungsabschluss, Alter, derzeitiger Beziehungsstatus
  • Hattest du schon einmal eine Beziehung?
  • Möchtest du eine partnerschaftliche Beziehung haben?
  • Gib deine eigene Einschätzung ab: Siehst du dich selbst als asexuell?
  • Hast du hin und wieder Sex mit anderen Menschen?
  • Kannst du ausschließlich und nur dann sexuelles Verlangen empfinden, wenn du einen Menschen sehr gut kennst und dich zu ihm emotional hingezogen fühlst?

Wichtig ist bei diesem Test von Gleichklang.de, dass du ehrlich zu dir selbst bist. Versuche nicht, durch deine Antworten auf ein bestimmtes Ergebnis zu kommen.

ZUM TEST: Hier findest du den gesamten Test zur Asexualität.

Das könnte dich auch interessieren