Frauen, die schwanger sind und abtreiben wollen, haben es in der Corona-Krise besonders schwer. Davor warnt zumindest die Frauenrechtsorganisation Women on Web. Um betroffenen Frauen dennoch einen Schwangerschaftsabbruch zu ermöglichen, bietet die Organisation einen speziellen Service an: Das Verschicken der Abtreibungspille per Post.

wmn erklärt, wie das Konzept funktioniert und wie sicher diese Methode ist.

Warum Frauen in der Corona-Krise auf die Abtreibungspille per Post setzen

Das Coronavirus hat sich auf der ganzen Welt ausgebreitet. Die Folgen sind verheerend. Und zwar auch für die Frauen, die abtreiben wollen. Denn laut der gemeinnützigen Organisation Women on Web kämpft das medizinische Personal in vielen Krankenhäusern mit den Auswirkungen von Covid-19. Und das führt dazu, dass viele Abtreibungseinrichtungen geschlossen wurden oder nur noch eingeschränkt als Anlaufstelle für betroffene Frauen dienen.

Abtreibungspille
Abtreibungspille per Post: Auf diese Möglichkeit greifen Frauen jetzt zurück.(Photo: lolostock)

Ein Blick ins Nachbarland Polen genügt, um zu verstehen, wieso Frauen sich in so einer sensiblen Situation an die Organisation wenden. Denn hier wurde erst kürzlich das Abtreibungsrecht verschärft (und dann wieder entschärft nach gewaltigen Protesten). Geplant war, dass Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen wollen, dies nur können, wenn sie entweder Opfer einer Vergewaltigung waren oder durch die Schwangerschaft ihr Leben riskierten. Nun dürfen sie das weiterhin auch bei Missbildungen des Fötus.

Doch was ist mit den Frauen, die selbst bestimmen möchten ob sie ihr Kind bekommen wollen oder nicht? Genau diesen Frauen will Women on Web helfen, indem die Organisation die Abtreibungspille per Post verschickt. 

Wie Frauen an die Abtreibungspille herankommen 

Nur wie kommen Frauen an die Abtreibungspille? Sie können zuallererst die Website der Organisation aufrufen. Dort finden sie alle möglichen Informationen rund um das Thema und müssen für den Erhalt der Pille einen Fragebogen ausfüllen. In diesem werden sie etwa nach der Dauer der Schwangerschaft gefragt oder müssen angeben, ob sie eine Person im persönlichen Umfeld haben, die sie bei dem Vorhaben unterstützt.

Im weiteren Schritt kommen die Ärztinnen der Organisation ins Spiel. Sie analysieren die Ergebnisse der Befragung und kontaktieren die Frauen. Im letzten Schritt entscheiden sie dann, ob sie der Frau die Abtreibungspille zuschicken oder nicht.

Wie sicher ist der Schwangerschaftsabbruch mit der Abtreibungspille zuhause?

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es für Frauen sicher, die Abtreibungspille einzunehmen. Und erste Länder haben im Zuge der Ausgangssperren während der Corona-Krise schon Gebrauch von dem Service gemacht. Bestes Beispiel dafür ist England. Das Land hat nämlich auch erlaubt, die Abtreibungspille zuhause einzunehmen.  

Andere Länder, andere Regeln: In anderen Staaten sieht es hingegen ganz anders aus. So berichtet die Organisation Women on Web von Fällen, in denen der Zoll die Pakete abfängt – und den Frauen somit den Zugang zur Abtreibungspille erschwert.

Wie sieht die rechtliche Lage in Deutschland aus?

Hierzulande müssen Frauen, die abtreiben wollen, zu einem Arzt oder in ein Krankenhaus fahren. Denn der Schwangerschaftsabbruch ist eigentlich eine Straftat. Es sei denn, er wird bis zur 12. Woche operativ und bis zur 9. Woche medikamentös von einem Arzt durchgeführt. 

Dennoch lassen sich auch hierzulande viele Frauen nicht von den rechtlichen Regularien abschrecken und bestellen sich im Internet auf eigene Faust die Abtreibunsgpille. Laut der Organisation sollen im letzten Jahr circa 1.000 Frauen nach dem Service gefragt haben.

Doch warum entscheiden sich Frauen gegen einen Arzt? Wieso bestellen sie sich lieber im Internet die Abtreibungspille? Laut der Organisation sind die Gründe unter anderem:

  • Lange Wartezeiten für einen Termin
  • Sie wohnen zu weit weg von einem Arzt/ Krankenhaus
  • Angst vor den Konsequenzen in der Familie oder der Reaktion des Partners
  • Zu hohe Kosten, die sie bei dieser Art der Abtreibung nicht zahlen müssen

Fazit: Abtreibungspille ersetzt den Arztbesuch nicht komplett

Insbesondere in Ländern, in denen Frauen kaum Rechte und erst recht keinen Zugang zu einer Abtreibung haben, ist die Pille aus dem Internet eine Alternative. Und ermöglicht den Frauen so, selbst über den eigenen Körper zu bestimmen.

Dennoch kann der Schwangerschaftsabbruch in den eigenen vier Wänden einen regulären Abort nicht ersetzen. Etwa, weil es bei diesem keine Beratung gibt, die die Frauen in ihrer Entscheidung unterstützt. Und auch, dass kein Arzt das Einleiten einer Fehlgeburt überwacht, könnte die ein oder andere Frau verunsichern.

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