Gewalt bei der Geburt sollte heute eigentlich kein Thema mehr sein. Eine Geburt ist noch immer das Schönste und gleichzeitig das Schmerzhafteste, was einer Frau passieren kann. Es gibt aber eine Tradition, die seit langer Zeit bei der Geburt eines Kindes praktiziert wird. Diese bringt der Mutter unnötigen Schmerz. Was hinter dem Husband Stich steckt.

So funktioniert der Husband Stitch

Der sogenannte Husband Stitch ist eine Tradition, die seit dem 19ten Jahrhundert durchgeführt wird. Laut Wikipedia kam diese Praxis das erste Mal im Jahr 1885 in Texas auf. Bis heute wird gut jeder vierten Frau mit dieser Methode Gewalt angetan.

Der Husband Stitch soll dazu dienen, dass die Frau auch nach einer Geburt eng bleibt. der Grund, warum diese Methode angewandt wird ist, dass viele Frauen bei einer Geburt „reißen“. Das bedeutet, dass das Gewebe zwischen Vagina und After während des Herauspressens des Kindes aufreißt. Früher machte man sogar einen Dammschnitt, um dieses Reißen zu verhindern.

Übrigens: Ein Dammriss ist gar nicht schlimm. Die meisten „leichten“ Dammrisse heilen von selbst nach kurzer Zeit und man muss sie nicht einmal nähen. Nur wenn neben der Haut auch die Beckenbodenmuskulatur reißt, muss dies unter lokaler Betäubung genäht werden.

Bei einem Husband Stitch wird also das Gewebe zwischen Vagina und After nach einem Dammriss genäht. Allerdings hören die Ärzt:innen nicht da auf, wenn die Vagina wieder zusammengenäht ist. Tatsächlich machen sie noch ein paar Stiche mehr. Das dient dazu, die Vagina zu verkleinern und dem Vater des Kindes oder eben dem Ehemann (husband) das Eindringen in die Vagina der Frau besonders schön und eng zu gestalten.

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Der Husband Stitch soll die Vagina verkleinern. Das tut er aber nicht. Foto: wmn.de /

Was bringt der Husband Stitch wirklich?

Fangfrage. Der Husband Stitch ist kompletter Schwachsinn. Nicht nur, dass er der Frau unnötige Schmerzen einbringt und vollkommen übergriffig und missbräuchlich ist. Zudem hat das Zunähen keinerlei Einfluss auf die Enge oder Weite der Vagina. Mit einem solchen Eingriff verkleinert man ausschließlich den Scheideneingang. Die Vagina und ihre Muskulatur werden aber nicht verengt. Der einzige Weg, um nach einer Schwangerschaft und einer Geburt wieder „eng“ zu werden, ist das Training der Beckenbodenmuskulatur.

Wichtig! Keine Frau sollte sich aber nach einer Geburt dazu genötigt fühlen, für ihren Partner wieder enger zu werden. Allerdings kann das Beckenbodentraining auch dazu führen, dass man eine bessere Kontrolle über seinen Unterleib hat. Hast du schon jemals Angst davor gehabt, dich bei einem Nieser einzupinkeln? Junge Mütter auf jeden Fall! Dafür gibt es Beckenbodentraining.

So kannst du deinen Beckenboden trainieren.

Die schreckliche Aussage hinter dem Husband Stitch

Heute ist der Husband Stitch überall verboten. Du kannst einen Arzt oder eine Ärztin also durchaus auf Schadensersatz verlangen, wenn er oder sie so etwas bei dir durchführt. Was der Husband Stitch aber aufzeigt ist, dass die Mediziner:innen, die ihn durchführen, offensichtlich keine Ahnung von der weiblichen Anatomie haben. Sie wissen nicht, dass dieser Eingriff keinerlei zusätzliche Freuden in der Kiste bringt. Nicht für den Mann und erst recht nicht für die Frau.

Nach dem Vernähen eines Dammrisses dauert es bei den meisten Frauen ein paar Wochen bis sie keine Schmerzen mehr hat. Denn die Schleimhäute der Vagina verheilen nur langsam. Durch das „Weiternähen“ dauert der Heilungsprozess unnötig viel länger.

Kann man deme Husband Stitch entgehen?

Zum Glück ist der Husband Stitch heutzutage illegal und darf offiziell nicht mehr praktiziert werden. Allerdings, so erzählen Frauen in unterschiedlichen Internetforen, bedeutet das nicht, dass sich Ärzt:innen daran auch halten. Noch immer ist es eine gängige Praxis und noch immer werden Frauen damit nach der Geburt ihres Kindes „überrascht“. Ärzt:innen haben sich daran gewöhnt, dass ein Dammschnitt „einfach dazugehört“, auch wenn dieser bereits sehr übergriffig ist. Auch der Husband Stitch wird manchmal ohne das Wissen oder Einverständnis der Frau durchgezogen. Hier einige Tipps, wie man sich dagegen wehren kann:

  • Sprich es offen an. Junge Mütter sollten schon beim Einliefern ins Krankenhaus vor der Geburt Bescheid darüber geben, dass sie unter keinen Umständen einen Husband Stitch wünscht.
  • Auch der Partner oder die Partnerin, sollte er oder sie anwesend sein, tut gut daran, darauf hinzuweisen.
  • Mache den Ärzt:innen bewusst, dass du genau weißt, dass diese Praxis illegal ist und als Körperverletzung eingestuft wird.
  • Solltest du dir nicht sicher sein, ob diese Praxis bereits bei dir durchgeführt wurde, wende dich vertrauensvoll an deine:n Frauenarzt:ärztin.

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