Alex ist 29 Jahre alt und wohnt in Berlin. Er ist gelernter Einzelhandelskaufmann. Seitdem er 16 Jahre alt ist, hat er durchgängig Arbeit. Doch dann verletzt er sich am Knie und der sportliche, junge Mann muss sich immer wieder krankmelden. Also unterzieht sich Alex einer Operation, doch der Heilungsprozess dauert so lange, dass er sich arbeitslos melden muss. Alex hat jetzt mehr Zeit als davor. Viel mehr Zeit. Also meldet er sich auf Datingplattformen wie Tinder und Bumble an – und stellt fest, dass die Arbeitslosigkeit bei den Dates nicht gut ankommt. In wmn schildert Alex seine ganz persönlichen Erfahrungen.

wmn: Alex, du bist ja nun seit knapp einem Jahr arbeitslos. Wie kam es dazu?

Alex: Vor ein paar Jahren habe ich mir den Meniskusmuskel gerissen. Doch selbst nachdem die Verletzung verheilt war, hatte ich Schmerzen und Probleme, sodass ich mich immer wieder krankmelden musste. Mein Arzt riet mir dann zu einer OP und von der ich mich momentan noch erhole. Meinen Job als Verkäufer musste ich jedoch an den Nagel hängen, weil ich dabei lange Stehen muss und ich das einfach nicht mehr hinbekomme. Also muss ich mich umorientieren und werde im Oktober ein Politikwissenschaftsstudium anfangen.

Wmn: Was ist das Schlimmste an deiner Arbeitslosigkeit?

Alex: Wenn ich neue Leute kennenlerne und ihnen erzähle, dass ich arbeitslos bin, stecken mich die meisten direkt in eine Schublade. Viele gehen davon aus, dass Arbeitslose faul und antriebslos sind. Dass ich meinen Job aber gerne gemacht habe oder dass hinter einer Arbeitslosigkeit auch andere individuelle Gründe stecken können, sehen viele gar nicht.

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wmn: Aber ist deine berufliche Situation so oft Thema?

Alex: Ständig. Denn die Frage was machst du beruflich? wird in unserer Gesellschaft ja oft als Gesprächseinstieg genutzt. Die Frage offenbart viel über einen Menschen, beispielsweise, was den anderen motiviert, wieso er seinen Job überhaupt macht und was ihm daran so viel Spaß bereitet. Die Antworten auf die Frage sind superspannend, können aber jemanden wie mich auch direkt ins Abseits befördern.

Keinen Job Dating
Alex findet es schwer, sich ohne Job auf Datingportalen wie Tinder zu behaupten(Photo: martin-dm)

wmn: Wie meinst du das?

Alex: Na ja, ich habe mich vor mehreren Monaten wieder auf Tinder angemeldet und festgestellt, dass ich mit Frauen die ganze Zeit angeregt hin- und herschreiben kann. Dass wir Spaß haben können. Aber sobald das Thema auf meine Arbeitslosigkeit fällt, schreiben mir die Frauen nicht mehr zurück.

wmn: Aber gibt es nicht auch Frauen, denen die Arbeitslosigkeit egal ist?

Alex: Ja, da war diese eine Frau, mit der ich tagelang hin- und her gechattet habe. Wir haben uns supergut verstanden, rumgealbert und irgendwie hat alles gepasst. Der Humor. Der Vibe. Alles. Nach ein paar Tagen fragte sie mich dann, was ich eigentlich beruflich mache. Und als ich ihr antwortete, dass ich arbeitslos bin, habe ich schon damit gerechnet, dass sie mir nicht mehr zurückschreibt. Aber für sie war die Arbeitslosigkeit vollkommen okay. Ob ich einen Job habe oder nicht, spielte für sie keine Rolle. Ein paar Tage später haben wir uns dann auch getroffen, aber sie war leider nur auf unverbindlichen Spaß aus. 

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wmn: Inwiefern beeinflussen dich solche Erfahrungen?

Alex: Wenn es mal wieder nicht klappt, fragt man sich immer, ob es an der Arbeitslosigkeit liegt und ob alles anders wäre, wenn man Geld verdienen würde. Man zweifelt an sich selbst. Fragt sich, ob man überhaupt gut genug ist. Jedes Mal wenn es nicht klappt, wird man etwas angespannter und hat Angst davor, dass etwas schieflaufen kann. Unterm Strich? Ist es beschissen, als Arbeitsloser zu daten.

wmn: Du hast jetzt vor allem von deinen Erfahrungen mit Online-Dating berichtet. Ist es anders, jemanden persönlich kennenzulernen? Zum Beispiel auf einer Party oder im Schwimmbad?

Alex: Ja, definitiv. Ich glaube, wenn ich einer Frau gegenübersitze und ihr erzähle, was mir im letzten Jahr passiert ist und dass ich gerne arbeiten wollen würde, merkt sie auch an meiner Mimik und Gestik, dass ich ihr nicht einfach eine Geschichte erzähle und dass ich motiviert bin. Beim Online-Dating fehlt die zwischenmenschliche Bindung oftmals, weshalb man die Informationen nicht so genau einordnen kann. Und dann schneller abblockt. Aber wenn man jemandem gegenübersitzt, merkt man, dass der Mensch viel komplexer und vielschichtiger ist.

wmn: Gibt es etwas, dass du aus der Zeit des arbeitslosen Datings gelernt hast?

Alex: Ja und das klingt vielleicht abgedroschen, aber ich habe dadurch gemerkt, dass ich auch selbst gar keinen Partner haben will, der sich nicht die Zeit nimmt, hinter die Fassade eines Menschen zu schauen. Dass ich selbst nicht mit jemandem Zeit verbringen will, der kein Interesse an mir als Mensch hat, sondern dem Status und Luxus wichtiger sind. Und das hätte ich ohne die Arbeitslosigkeit vielleicht gar nicht so schnell erkannt.

wmn: Danke, Alex, dass du mit uns gesprochen hast!

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