Das Coronavirus hat die Reisepläne von Zehntausenden Menschen durchkreuzt! Denn in vielen Ländern sind die Infektionszahlen so stark angestiegen, dass das Auwärtige Amt eine Reisewarnung für sie ausgesprochen hat. 

Doch: Wie ist der Urlaub in Zeiten der Pandemie? Fühlen sich Reisende in Risikogebieten sicher? Und welche Situationen können schnell mal brenzlig werden? Mit diesen Fragen im Gepäck bin ich nach Mallorca gereist.

Urlaub auf Malle trotz Reisewarnung

Es ist 13 Uhr als wir am Mittwoch am Flughafen Tegel ankommen. Trotz Reisewarnung sind hier viele Menschen. Alle tragen brav eine Maske. Und auch in den Warteschlangen gilt stets der Sicherheitsabstand. Es dauert nicht lange, bis wir unser Gepäck aufgeben und die Sicherheitskontrollen passieren können und endlich zum Terminal kommen.

Urlaub trotz Reisewarnung
Urlaub trotz Reisewarnung(Photo: martin-dm)

Hier wird schnell klar: Hier nehmen viele Corona nicht ernst. Die Sicherheitsabstände werden kaum eingehalten. Und das kleine Bistro? Hat keinen Tisch mehr frei. Denn wer isst und trinkt, muss keine Maske tragen. 

Die Situation im Flugzeug ist kaum auszuhalten

Los geht es mit dem Boarding – und das erstaunlich schnell. Die Crew ist geschult und weiß genau, worauf es ankommt. Wir fühlen uns sicher. Doch im Flugzeug kommt der Schock: Die Reihen direkt hinter und vor uns sind voll besetzt. Und das, obwohl andere Sitzreihen noch frei sind. Naja, hauptsache die Maske ist auf.

Aber als der Flieger in der Luft ist, beginnt das Chaos: Zwei Zehnjährige rennen ohne Maske durch den Gang. Machen ein paar Rollen auf dem Boden, brüllen sich etwas zu und kommen wieder zurückgerannt. Hin und her. Hin und her. Hin und her. Das ganze geht 45 Minuten lang so. Mehrere Passagiere sind genervt. Aber keiner sagt etwas. Die älteren Geschwister sitzen zwar auf ihrem Platz, aber sie denken gar nicht daran, eine Maske zu tragen. Wie auch, wenn die Mutter selbst ohne eine auf ihrem Platz sitzt.

Ist die Familie die einzige? Mitnichten! Wer etwas trinkt oder isst, muss nämlich keine Maske tragen. Und so kommt es, dass in ziemlich vielen Reihen ganz schön viele Snacks und Getränke auf den Tischen stehen.

Erst als das Flugzeug gelandet ist und wir das Flugzeug verlassen, sagen die Flugbegleiterinnen zu der Mutter ohne Maske, dass sie diese aufsetzen sollte. Aus Respekt vor den anderen Passagieren. Etwas spät.

Die Situation auf Mallora

Kaum stehen wir vor dem Flughafen von Mallorca, wollen wir uns die Maske von der Nase reißen. Die Luft ist drückend, die Temperaturen liegen bei stabilen 33 Grad Celsius. Dennoch muss die Maske aufbleiben. Die Insel hat nämlich eine Maskenpflicht auf der Straße eingeführt.

Urlaub trotz Reisewarnung
Weit und breit ist hier niemand. Bis auf ein paar Ziegen nebenan.

Wir holen unser Mietauto ab und fahren in den Norden von Mallorca. Ab zu unserer Finca. An uns zieht ein verlassenes Mallorca entlang. Leere Hotels, Straßen, die wie ausgestorben wirken. Fast alle Geschäfte sind geschlossen. Vereinzelt sieht man mal jemanden mit einer Maske durch den leeren Ort laufen. 

Nach unserer ersten Nacht geht es ausgeschlafen nach Pollensa an den Strand. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Strand gilt wieder: Maske auf. Das Atmen fällt damit zwar schwerer, ist aber absolut machbar. Und tatsächlich halten sich fast alle Passanten an die Regel. Maskenverweigerer? Sehen wir nur selten.

Wie es am Strand ist

Da ist es, das Meer! Auf diesen Anblick hätten sich wohl Tausende gefreut, wenn Corona nicht gewesen wäre. Doch stattdessen brutzeln hier nur wenige Menschen in der Sonne. Immerhin chillen am Meer mehr Touris und Einheimische als auf der Straße. Aber selbst hier wird der Sicherheitsabstand locker eingehalten.

Nach ein paar Minuten kommt Ibrahim auf uns zu und fragt uns, ob wir ein Badetuch kaufen wollen. Während wir unser Geld rauskramen, erzählt er, wie schwierig die Situation für ihn ist. Es kommen kaum noch Touristen, die Einnahmen fallen weg und die Geldsorgen treibt die Mallorquiner um.

Urlaub trotz Reisewarnung
Am Strand Cala Torta war es etwas voller. Dennoch gab es genügend Abstand zwischen den Handtüchern

Das Meer ist eine angenehme Erfrischung. Aber das Schwimmen macht hungrig.

Ab geht es also in den Supermarkt, damit wir noch etwas einkaufen können. Im Eingang stehen Desinfektionsmittel, mit denen wir uns die Hände einreiben müssen. Drinnen wird ebenfalls Maske getragen. Und auch ein kleiner Sicherheitsabstand wird eingehalten, auch wenn er wohl eher 80 Zentimeter als 1,50 Meter entspricht. Aber solche Situationen kennen wir längst aus dem überfüllten Berlin.

Wer keinen Menschen begegnen will, sollte diese Orte meiden

Wir wollen wissen, wie die Lage in den anderen Orten ist und gehen abends aus. Im Hafen von Pollensa beginnt das Leben erst am Abend. Während auf den Straßen weiterhin Maske getragen wird, sitzen die Familien in einigen Resturants dicht beisammen. Andere Läden haben umsonst die Tische auf der Terrasse gedeckt. Trotz der Corona-Pandemie ist die Stimmung entspannt und vertraut.

Urlaub trotz Reisewarnung
Verlassene Straßen auf der Insel

Einen Abend später sind wir am Ballermann. Hier ist zwar nichts mit Schlagerparties, Dating und Eimersaufen. Dafür sind die Cafès und Resturants aber umso voller als in Pollensa. Für uns gibt es erst mal eine große Portion Pommes und ein langes Gespräch mit der Kellnerin eines deutschen Restaurants. 

Auch hier ist Corona DAS Gesprächsthema. Das Restaurant leidet ebenfalls unter den wegbleibenden Touristen, kann sich aber noch auf die einheimischen Stammkunden stützen. Wie die Situation hier im Winter aussieht? Das weiß keiner. Aber die Kellnerin hat sich vorsorglich schon mal einen Job in Deutschland gesucht.

Fazit: Urlaub trotz Reisewarnung

Wer in diesen schweren Zeiten Urlaub trotz Reisewarnung machen will, kann sich von einem klassischen Ballermann-Party-Urlaub verabschieden. Ein ruhiger Strandurlaub hingegen ist machbar und trotz der Maskenpflicht auf der Straße entspannt. 

Denn auf der Insel halten sich die Menschen an die Sicherheitsregeln. Und das sogar noch viel bewusster als bei uns hier in Deutschland. Wer sich dann noch eine eigene Finca bucht, anstatt ein Hotel, kann seinen Urlaub genießen, ohne mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Und ohne sein eigenes Infektionsrisiko zu erhöhen.

So lange die Reisewarnung besteht, ist ein ruhiger Urlaub auf Mallorca jedenfalls machbar und vor allem genießbar. Und dabei fühlt man sich erstaunlich sicher.

Nichtsdestotrotz muss jeder für sich selbst wissen, ob er bereit ist, das Risiko einer Infektion einzugehen. Denn nicht nur vor Ort sondern auch auf dem Weg ins 17. Bundesland lauern Gefahren. Unser einziger Appell geht deshalb an die Airlines. Sie sollten in Zukunft die die Maskenpflicht im Flugzeug stärker kontrollieren.

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