Kulturelle Aneignung
Kulturelle Aneignung: Wo das Problem liegt & was die Lösung ist (Photo: Mixmike/ istock) Source: Mixmike/ istock

Kulturelle Aneignung: Wo liegt das Problem, wenn Weiße Rasta tragen?

Warum regen sich manche Menschen darüber auf, wenn weiße Menschen Maiori-Tattoos haben, Kimonos tragen oder sich Rasta machen lassen? wmn klärt auf.

Es gibt wenige Themen, die so emotional aufgeladen und gleichzeitig so kompliziert sind wie die kulturelle Aneignung. Bei diesem Begriff geht es darum, dass Menschen bestimmte Elemente einer Kultur übernehmen und das ungeachtet dessen, dass sie dabei die Gefühle von den eigentlichen Urhebern verletzen.

wmn erklärt, wann es sich wirklich um kulturelle Aneignung handelt und wieso das Thema für viele ein Problem darstellt. Und vor allem: welche Lösungen es gibt.

Kulturelle Aneignung: Was ist das?

Unsere Kultur beeinflusst, welche Feste und Feiertage für uns wichtig sind und wie wir sie verbringen. Ja, sie prägt sogar unsere Sprache, unsere Kleidung, unser Essen, unsere Weltanschauung. Oder um es zusammenzufassen: Die Vergangenheit unserer Kultur prägt unsere Gegenwart, sie wird Teil unserer Identität.

In unserer globalisierten Welt kommt es immer wieder dazu, dass Menschen aus aller Welt zusammenkommen, kulturelle Aspekte übernehmen, diese wertschätzen und sich auf Augenhöhe austauschen. Ein Problem? Stellt das nicht dar.

Viel kritischer jedoch ist die kulturelle Aneignung zu betrachten. Denn bei dieser geht es darum, dass eine bestimmte Gruppe (oft Weiße) kulturelle Elemente kopieren und imitieren, für welche die kopierte Gruppe (etwa Schwarze) vorher diskriminiert, benachteiligt und ausgeschlossen wurde – und dies geschieht, ohne dass die priviligierte Gruppe nur einen einzigen Nachteil fürchten muss. 

Wenn Asiaten, Südamerikaner oder Schwarze nach Deutschland kommen und einen Anzug oder Lederhosen tragen, spricht man in der Regel nicht von kultureller Aneignung. Warum? Weil sie es in der Regel tun, um sich anzupassen und nicht wegen ihrer Andersartigkeit aufzufallen und diskriminiert zu werden. 

Übrigens: Auch die Hautfarbe schützt nicht vor dem Vorwurf der kulturellen Aneignung. Stars wie Rihanna oder Beyoncé wurde die kulturelle Aneignung ebenfalls schon vorgeworfen.

Doch: In welchen Fällen spricht nun genau von kultureller Aneignung? wmn zeigt dir zwei Beispiele, die dir dabei helfen, die Thematik besser zu verstehen.

Kulturelle Aneignung
Kulturelle Aneignung: Ob es sich um kulturelle Aneignung handelt oder nicht, muss im Einzelfall entschieden werden.(Photo: katleho Seisa/ istock)

Zwei Beispiele für die kulturelle Aneignung

Die Sache mit den Haaren: Während Schwarze Menschen für ihre Haare ausgelacht, beleidigt oder diskriminiert wurden und versuchen, ihre natürliche Struktur zu verstecken, kommen Weiße Prominente wie Kim Kardashian daher und machen mit einem einzigen Foto schwarze Hairstyles wie etwa Cornrows oder Dreadlocks zum Trend. 

Sie haben das große Glück, dass sie Dreads, Rasta und Cornrows tragen können, ohne vorher einen einzigen Gedanken an die damit verbundenen Nachteile, wie etwa Rassismus oder Ausgrenzung verschwenden zu müssen. Ein Privilieg, dass vielen gar nicht bewusst ist. 

Hinzu kommt, dass die Promis nicht auf die doch so wichtige Geschichte von Cornrows aufmerksam machen. Denn die eigentlichen Cornrows dienten früher als heimliche Landkarten, die den Sklaven den Fluchtweg aus den Plantagen zeigten. 

Die Sache mit der Musik: R&B, Jazz, Hip Hop, Rap oder Rock ´n Roll: Oft kreieren schwarze Menschen Musik, mit der lediglich Weiße ordentlich Geld verdienen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der King of Rock ´n Roll. Nämlich Elvis Presley. Was ihn so berühmt, ja so erfolgreich gemacht hat? Dass er schwarze Musik in den weißen Mainstream getragen hat. Sein Plattenmanager soll sogar gesagt haben: "Wenn ich einen Weißen Mann finden könnte, der den N****-Sound und das N****-Gefühl hat, könnte ich eine Milliarde Dollar verdienen."

Traurigerweise ist es genau so gekommen.

Kulturelle Aneignung
Elvis Presley wird noch heute für seine Musik gefeiert.(Photo: Lorraine Boogich/ istock)

Doch es sind gerade diese arroganten und abwertenden Sprüche, die ein grundlegendes Problem verdeutlichen. Nämlich, dass sich die meisten Menschen im Westen besser mit weißen Künstlern identifizieren können. Ob Weiße einfach den Stil von Schwarzen kopieren und diese das Nachsehen haben, wenn sie nicht so oft zu Gigs eingeladen werden, weil Weiße ihnen den Platz wegnehmen, oder die Quelle ihrer Inspiration nicht offen legen, interessiert dabei die Wenigsten. Kulturelle Aneignung at it`s finest.

Sollten Weiße Rastas & Ethno-Looks tragen?

Doch wie lassen sich Vorwürfe über die kulturelle Aneignung in Zukunft vermeiden? Und das in einer Welt, in der internationale Reisen, Handels- und Geschäftsbeziehungen zwangsläufig dazu führen, dass sich verschiedene Kulturkreise miteinander vermischen? 

Insbesondere im Jahr 2020 wollen sich wenige Menschen vorschreiben lassen, ob sie Cornrows tragen dürfen, oder ob es ihnen zusteht, sich ein Maori-Tattoo stechen zu lassen.

Klar, eine komplette Trennung der Kulturen sieht nach einer schnellen Lösung aus. Aber sie ergibt angesichts der Tatsache keinen Sinn, dass sich Kulturen schon immer gegenseitig beeinflusst haben und dass es heute vor allem Rassisten sind, die nicht wollen, dass sich verschiedene Kulturen miteinander vermischen. Ob solche Trennungen ihnen in die Hände spielen? Man weiß es nicht! Was man aber weiß ist, dass es auch möglich ist, bestimmte kulturelle Aspekte zu übernehmen, ohne sich der kulturellen Aneignung schuldig zu machen.

Es geht auch ohne kulturelle Aneignung

Denn längst gibt es auch positive Beispiele, die das zeigen. Zum Beispiel der Sänger Gentleman. Er spielt seit Jahren jamaikanisch inspirierte Musik. Und dennoch inszeniert er sich nicht als Schwarzer. Viel besser noch: Er nutzt seine Reichweite, um andere jamaikanische Künstlern zu pushen. Der Unterschied hierbei zur kulturellen Aneignung? Das ist kulturelle Wertschätzung!

Und auch die Modefirma Hermés hat im Jahr 2011 eine indisch geprägte Kollektion präsentiert, an der auch eine Designerin aus Kalkutta mitgearbeitet hat. Damit hat die Firma gezeigt, dass kultureller Austausch auch auf Augenhöhe funktionieren kann.

Gerade Firmen wie Zara sollten sich davon eine Scheibe abschneiden. Die, die jüdische Geschichte mit Füßen getretet haben, indem sie vor ein paar Jahren den Davidstern auf Kinder-Shirts genäht haben. Damit haben sie gezeigt, dass nicht jedes kulturelle Element, nicht jedes Zeichen der Vergangenheit, einfach in einen neuen Kontext gesetzt und für Profit missbraucht werden darf.

Das sind die Spielregeln, um es besser zu machen

Feststeht, dass diejenigen, die Elemente einer fremden Kultur übernehmen wollen, sich im Vorhinein mit der Geschichte, den Bräuchen und Gepflogenheiten auseinandersetzen sollten. Eine Frage, die man sich selbst stellen könnte, wäre: Respektiere ich mit meiner Handlung die Kultur?

Wer zudem mithilfe der kulturellen Aneignung Geld zu verdienen will, sollte vor allem den Ursprung seiner Idee benennen, alternativ mit Menschen aus der Kultur zusammenarbeiten oder Geld vor Ort investieren. Somit könnte das Ganze sogar eine positive Wirkung haben. Denn auf diese Art und Weise würde nicht nur die Kultur geschätzt werden, sondern auch die Nachfrage nach traditionellen Produkten steigen oder die Tourismusbranche wachsen.

Nichtsdestotrotz gewinnt das Thema kulturelle Aneignung im Zuge der Anti-Rassismus-Debatten an Popularität. Und das bedeutet: Wer sich nicht an die Spielregeln hält, muss auch damit rechnen, dass er jederzeit kritisiert werden könnte.

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