Osten Coronavirus
Das Coronavirus trifft den Osten nicht so hart. Das hat mehrere Gründe. (Photo: FredFroese/ istock) Source: FredFroese/ istock

Corona: Warum der Osten besser durch die Krise kommt

Warum verbreitet sich das Coronavirus im Osten nicht so schnell wie im Westen? Experten erklären, woran es wirklich liegt.

Das Coronavirus hat den Osten Deutschlands nicht so hart getroffen wie den Westen.

Der Osten stand vor der Corona-Krise oft als der große Verlierer da, denn aus vielen seiner ländlich geprägten Regionen ziehen die Einwohner nach dem Studium weg in die großen Städte, sodass oft nur noch die Älteren im Dorf zurückbleiben. Aber auch die weniger produktive Wirtschaft, eine schlechte Internetverbindung sowie leerstehende Häuser wurden häufig in einem Atemzug genannt mit den Dörfern im Osten.

Aber ausgerechnet jetzt, in der Corona-Krise, hat der Osten die Nase vorn. Und manche der Nachteile könnten zum Vorteil für die Regionen werden.

Corona im Osten: Hier gibt es weniger Fälle

Östliche Bundesländer, wie etwa Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen haben im Vergleich zu Gesamtdeutschland wenige Corona-Fälle. Dass sich das Coronavirus im Osten nicht so stark verbreitet wie im Westen, liegt an mehreren Gründen. 

Coronavirus Osten
Coronavirus: In Ischgl waren weniger Ostdeutsche(Photo: Bob Douglas/ istcok)

Warum das Coronavirus den Osten verschont

Der österreichische Ski-Ort Ischgl gilt als Brutstätte des Coronavirus. Gerade zu Beginn haben sich hier viele Urlauber mit dem Virus angesteckt und sind danach zurück nach Deutschland gekehrt. 

Doch: Bei vielen der Urlauber handelte es sich nicht um Ostdeutsche. Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen erklärt dazu: "Ausführliche Winterurlaube können besonders Leute machen, die ausführlich Geld haben.“ Und dazu zählen vor allem diejenigen, die im Westen leben. Denn im Osten sind die Gehälter niedriger.

Tatsächlich zeigt auch die Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen, dass die Ostdeutschen zu Beginn des Jahres eher nach Norditalien gefahren sind. Und Westdeutsche eher nach Österreich.

Aber zurück nach Deutschland: Das Virus konnte sich dort schnell verbreiten, wo viele Menschen auf engem Platz zusammen gekommen sind. Und das war und ist vor allem in den Großstädten wie Berlin der Fall. Da es weniger Großstädte im Osten gibt, ist die Bevölkerungsdichte in vielen ostdeutschen Bundesländern geringer.

Erfahre im Video, wie du richtig lüften musst, um dich vor dem Coronavirus zu schützen und welche Mundspülungen das Risiko einer Infektion massiv senken.

Doch nicht nur die Nähe zu den Mitmenschen spielt eine Rolle, sondern auch das Durchschnittsalter der Bevölkerung. Im Osten leben deutlich mehr alte Menschen. Damit gehören sie zwar zur Risikogruppe. Aber: Im Gegensatz zu den jungen Leuten sind sie nicht mehr so viel unterwegs, gehen nicht mehr so oft feiern und verbreiten das Coronavirus damit auch nicht so stark.

Eine weitere Begründung dafür, dass sich das Coronavirus im Osten nicht so stark ausbreitet, ist auch, dass im Westen mehr Migranten leben, die teilweise auch große Familienfeiern veranstaltet haben und somit ein höheres Infektionsrisiko darstellen. So hat beispielsweise eine Großhochzeit in Hamm zu einem Anstieg der Infektionszahlen geführt.

Die Wirtschaft im Osten hat jedoch auch weniger internationale Geschäftskontakte, wodurch die Gefahr einer Ansteckung ebenfalls sinkt.

Coronavirus im Osten: Warum die Nachverfolgung hier besser funktioniert

Um das Coronavirus einzudämmen, spielt die Nachverfolgung von Infizierten eine wichtige Rolle. Und der Osten ist dafür wesentlich besser aufgestellt. So hat die Süddeutsche Zeitung in einer Umfrage erfahren, dass es die Behörden in Sachsen geschafft haben, fast zehn Kontaktpersonen pro Infizierten zu ermitteln, in Leipzig waren es sogar 25 – während es in Baden-Württemberg lediglich 3,6 und in Tübingen sogar nur 1,7 waren. Woran liegt das? 

Coronavirus Osten
Coronavirus im Osten: Halten sich die Menschen hier eher an die Regeln?(Photo: Rike_/ istock)

Zum einen haben die Gesundheitsämter natürlich mehr Zeit für die Ermittlung von Kontaktpersonen, wenn es generell weniger Infizierte gibt. Aber hinzukommt auch, dass die ostdeutschen Gesundheitsämter zielorientierter arbeiten, wie es Christoph Lübbert, der Chef-Virologe am Klinikum Sankt Georg in Leipzig gegenüber der Zeit erklärt: „Wenn Sie Kontaktperson sind, kommt sofort der Anruf, verbunden mit einer sauberen medizinischen Evaluation. Absonderungsbescheid, Quarantäne, zack.“ Ein weiterer Pluspunkt aus seiner Sicht: Dass sich die Bevölkerung im Osten sehr stark an die Regeln hält.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, der dem Osten dabei helfen könnte, die Pandemie in den Griff zu bekommen: Laut dem Greifswalder Krankenhaushygieniker Nils-Olaf Hübner soll in manchen Regionen sogar die Polizei ausgerückt sein, weil sich jemand im Supermarkt nicht an die Maskenpflicht gehalten habe. In einer Großstadt könnte das natürlich ebenfalls passieren, auch wenn das hier eher schwer vorstellbar ist. 

Hat der Osten auch in Zukunft die Nase vorn?

Wie sich die Corona-Krise in Zukunft entwickeln wird, weiß bislang noch niemand genau. Aber auch in Zukunft könnte der Osten wieder die Nase vorn haben. Etwa, weil es laut dem Virologen Lübbert im Osten weniger Impfgegner gebe als im Westen. Und sich das Virus – wenn denn ein Impfstoff da ist – so besser kontrollieren lassen soll.

 Auch spannend: Warum Afrika so gut durch die Corona-Krise kommt.

Und: So weit fliegen Aerosole laut einer Studie wirklich.


Lifestyle