greenwashing beispiel yves rocher
Naturkosmetik bei Yves Rocher? Falsch gedacht, man bekommt Palmöl, Mikroplastik und hormonell wirksame Stoffe. Nur eines unserer Greenwashing Beispiele. (Photo: imago images/CHROMORANGE) Source: imago images/CHROMORANGE

Greenwashing: Diese Beispiele zeigen wie sehr Kunden an der Nase herumgeführt werden

Co2-neutrales Fliegen, gesunde Joghurt-Snacks oder Cremes aus 100 % natürlichem Aloe. Greenwashing-Konzernen fallen immer neue Slogans ein. So dreist wird es.

"Mit natürlichen Inhaltsstoffen", "Naturkosmetik" oder "nachhaltig verpackt", den Markenkonzernen fallen immer neue, schwammige Formulierungen ein, um Verbrauchern ein grünes Image vorzuspielen. Spätestens seit Fridays for Future steht Umweltschutz auf der Fahne jedes Unternehmens. Aber diese Greenwashing-Beispiele kann man einfach nicht ernst nehmen.

Lächerliche Greenwashing-Beispiele

Greenwashing ist das Bemühen einer Firma durch Marketingaktionen wie Geldspenden an nachhaltige Projekte, grüne Labels oder Inhaltsstoffe ein ökologisches Produkt oder Verhalten zu bewerben. Die Tatsachen sind aber alles andere als grün.

Problematisch ist das, weil es Kunden, die sich für einen nachhaltigen Lebensstil interessieren und nicht so gut auskennen, in die Irre geführt werden. Wenn ich mir ein Shampoo von Garnier hole, wo "natürliche Inhaltsstoffe" drauf steht, gehe ich halt davon aus, dass da kein Mikroplastik, Erdöl, hormonelle oder sogar potenziell krebserregende Inhaltsstoffe darin sind, um nur ein Greenwashing-Beispiel zu lernen.

Greenwashing gehört teilweise zu ganzen Markenimages.

7 Greenwashing-Beispiele: Eine kleine Auswahl grüner Lügen

Greenwashing wird so ambitioniert und effizient betrieben, dass man es eigentlich überall finden kann. Wir haben für euch ein paar Extremfälle und Paradebeispiele für Greenwashing gesammelt.

Ja, ist klar H&M. Ihr verschwendet nichts. #Greenwashing

1. H&M Concious-Kollektion

Ja, es ist ganz toll, dass der schwedische Modegigant zumindest einen Schritt in die richtige Richtung macht. Trotzdem kann man eigentlich kaum mit gutem Gewissen bei H&M einkaufen gehen, denn immer wieder steht der Konzern mit neune Greenwashing-Beispielen in den Schlagzeilen. 

Die Concious-Kollektion ist nur eine der Marketinglösungen und immerhin werden die Kleidungsstücke aus recycelten Materialien hergestellt. Wäre natürlich ganz nett, wenn sie dafür die Kleidung nehmen, die sie jährlich verbrennen, weil sie nicht wissen wohin sonst. Ganze 12 Tonnen werden allein in Dänemark von H&M verbrannt, weil sie angeblich nicht recycel- oder tragbar sind.

Von fiesem Mitarbeiter-Mobbing um neue Billigarbeiter einzustellen, oder die Verhältnisse in den Fabriken müssen wir gar nicht erst reden. Wen das interessiert der sollte die Doku The True Cost schauen, nur eine von unseren nachhaltigen Doku-Empfehlungen. Übrigens fährt Primark mit der Primark Cares-Linie eine ganz ähnliche Schiene.

Du willst wirklich nachhaltige Eco-Label unterstützen? Dann haben wir für dich die besten nachhaltigen Sneaker, Bikinis oder Jeans gefunden.

Jo, machen halt alle so, die recyceln!

2. Lidl: jede Flasche zählt

Da hat die Marketing-Abteilung von Lidl einen echten Clou gelandet: Wer mehr PET-Flaschen kauft, kann auch mehr recyceln. Ja, da hat jemand in Mathe ganz toll aufgepasst. Wenn die giftigen Jeans in Bangladesch länger gewaschen werden, ist die Schadstoffbelastung auf das Wasser gerechnet auch geringer, wenn sie in den Fluss abgeleitet werden. Macht das Ganze aber nicht besser, dann vielleicht doch lieber: Wer mehr Wasser aus dem Hahn trinkt, der braucht gar keine PET-Flaschen. Verrückte Idee, wissen wir.

PS: Liebes Lidl-Marketing-Team, die Idee dürft ihr natürlich auch klauen.

Coca Cola wirbt mit Flaschen aus Meeresplastik. Bleibt dann in der Familie, denn Coca Cola trägt auch maßgeblich dazu bei.

3. Coca Cola und Flaschen aus Meeresplastik

Damit jeder zu Weihnachten standesgemäß seine Flasche Coke trinken kann, hat sich Coca Cola etwas ganz Tolles ausgedacht: Sie sammeln das Plastik aus dem Meer, recyceln es und geben 25 % davon in ihre neuen Flaschen: Voilà, so geht Nachhaltigkeit.

Wäre ganz nett, wenn Coca Cola nicht zum größten Plastikverschmutzer der Meere gehören würde. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband kritisierte diese Kampagne ebenfalls und unterstellt Coca Cola die Legitimierung der Meeresvermüllung, weil man es ja wieder auffischen und benutzen könne. Nachhaltigkeit fängt aber schon bei der Herstellung an.

Hilft auch nicht, den Namen "Milchnschitte" wegzulassen. Es ist trotzdem nicht gesund.

4. Die grüne Milchschnitte von Ferrero

Milchschnitte gehört zu unserer Kindheit genauso wie Choker und schlechte Klebetattoos. Wie wir ja alle wissen, ist sie auf viel frischer Milch gemacht. Das wird jetzt nur noch getoppt von der Joghurt-Variante. Weil die natürlich extreeeem gesund ist, gibt's eine grüne Verpackung.  

Dabei ist der gleiche Anteil an Zucker und auch Palmöl drin wie beim Original. Für eine Joghurt-Milchschnitte müssten selbst die Klitschko-Brüder noch knapp 50 Minuten Staubsaugen, um die Kalorien wieder loszuwerden. Schmeckt seicht und belastet. Von dem Palmöl wollen wir gar nicht erst anfangen. Sonnenblumenöl ist halt auch einfach ein Luxus, den sich Ferrero nicht leisten kann. Oder will?

Schön, dass das Aloe 100% natürlich ist, aber in der Skin Active Tagescreme ist trotzdem Palmöl und Mikroplastik drin.

5. Die Naturkosmetik-Lüge

Naturkosmetik ist in Deutschland kein geschützter Begriff, deshalb darf sich jeder so nennen. Echt ist das aber erst dann, wenn zumindest ein Naturkosmetik-Siegel darauf klebt. Viele Firmen in der Kosmetikbranche schummeln mit grünen Fläschchen und "naturnahen" oder "natürlichen" Inhaltsstoffen. 

Was dann wirklich darin ist, dürfte viele Verbraucher schockieren. Nehmen wir zum Beispiel die wohlklingende Marke Botanicals: Wer schmiert sich nicht gern "botanisches" Palmöl, hormonell wirksame Stoffe oder Mikroplastik auf die Haut?

Ebenfalls Greenwashing-Marken sind: Yves Rocher, L'Occitane, Bodyshop, Palmolive oder Rituals. Keiner von ihnen gibt es als Naturkosmetik aus, vermarktet sich aber so, dass Verbraucher oft davon ausgehen, dass es sich um natürliche Kosmetik handelt. Wenn du wissen willst, wie du Mikroplastik in Kosmetika erkennst und andere schädliche Inhaltsstoffe meidest, sind wir für dich da.

Co2-neutrale Flugzeuge müssen erst noch erfunden werden. Easyjet und Co. tun einfach so, als wären wir schon soweit.

6. Co2-neutral Fliegen mit Lufthansa und Co.

Wir wissen alle wie schlecht Fliegen für die Umwelt ist, trotzdem können wir bei 20€-Preisen von Ryanair und Co. nicht widerstehen und was soll man auch machen, wenn der Flug nach Frankfurt billiger ist als das Flixbus- oder Bahnticket?

Lufthansa will seinen Kunden jetzt ein gutes Gewissen machen und bietet CO2-neutrales Fliegen an, auch Easyjet will ab sofort (!) komplett klimaneutral werden. Aber wie soll das funktionieren? Ist das Wasserstoffflugzeug doch schon einsatzbereit? 

Nein. Tatsächlich wird der Flug durch Spenden an grüne Organisationen "kompensiert" zum Beispiel durch atmosfair. Hier kann man durch Geld eine gewünschte Summe CO2 ausgleichen. Was dann gemacht wird? Mit dem Geld werden Biogasanlagen in Kenia gebaut, die Forschung zur Solarenergie unterstützt oder Bildung in Sachen Umwelt geleistet. Alles sehr nobel, aber es saugt das CO2 vom letzten Shoppingtrip nach London trotzdem nicht aus der Luft.

Hier sind sowohl Marke als auch Influencer weniger nachhaltig als sie vermarktet werden.

7. Greenwashing Influencer

Diese Seite des Greenwashing gibt es schon länger, als man annehmen möchte. Immer wieder werden Influencer oder Promis mit einem vermeindlich grünen Image genommen, um damit seine Produkte nachhaltiger zu stempeln. 

Lena-Mayer Landrut besipielsweise hat ein sehr cleanes Image, obwohl längst nicht alles nachhaltig oder "Natur" ist, was sie vermarktet. Das hat auch Botanicals erkannt und sie als Influencer angeworben.

Anders herum gibt es aber auch Influencer, die sich nachhaltig inszenieren und dann trotzdem mit großen marken kooperieren, die weit von ihren Werten entfernt sind. Da hätten wir als kleines Greenwashing Beispiel Stefanie Giesinger. Die Natur liegt ihr am Herzen, aber den Louis Vuitton Bag hält sie trotzdem strahlend in die Kamera. Was wir von ihrem nachhaltigen Label nu-in halten, erfährst du hier.

Fazit: Glaube nicht alles, was grün ist

Greenwashing ist überall und fast jede Firma versucht, ihren nachhaltigen Beitrag zu leisten. Natürlich darf man nicht alles verteufeln, denn einige unserer Greenwashing-Beispiele zeigen zumindest, dass sich die Konzerne Gedanken machen, auch wenn es oft nur Image-Pflege ist. 

Aber wenn man H&M glauben darf, ist die Concious-Linie offenabr so erfolgreich, dass in zehn Jahren alle Produkte aus nachhaltigen oder recycelten Stoffen hergestellt werden sollen. Dann gäbe es nur noch It-Pieces aus nachhaltigen Materialien und du darfst deiner Shoppingsucht ganz nachhaltig fröhnen.

Aber wird einen zweiten Blick auf die Inhaltsstoffe oder hinterfrage eine Aktion, bevor dein grünes Gewissen dich zum Kauf verleiten möchte. 

Das wäre mal ein ehrliches H&M-Preisschild.

 


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