Es waren dramatische Bilder, die um die Welt gingen. Als sich das Coronavirus im italienischen Bergamo ausbreitete, fuhren Laster die Särge aus der gespenstisch leeren Stadt. Neben diesen Fotos prasselten Eilmeldungen auf uns ein. Und tun es auch heute, ein Jahr später immer noch. Im Minutentakt erhalten wir Push-Benachrichtungen auf unser Handy, können in Echtzeit verfolgen, wie sich die Inzidenzzahlen verändern – und merken oft gar nicht, dass diese Mediennutzung krank machen kann.

Mediennutzung: Was schlechte Nachrichten mit uns machen

Was die schlechte Nachrichten genau mit uns machen, erklärt uns Maren Urner, die Neurowissenschaftlerin und Mitbegründerin des Online-Magazins Perspective Daily: „Das Gehirn und der gesamte Körper geraten in einen dauerhaften Stresszustand.“ Die Stresshormone Cortisol und Adrenalin schießen in die Höhe. Das Gehirn schaltet in einen Flucht-oder-Kampf-Modus.

Ein Mechanismus, der uns vor hunderttausend Jahren das Leben retten konnte, wenn wir vor einem Säbelzahntiger standen. Und der heute völlig sinnlos ist, wenn wir vor unseren Smartphones hocken. Ein Mechanismus, der sogar negative Folgen hat. Denn wenn wir ständig negative Nachrichten konsumieren, bekommen wir die Folgen deutlich zu spüren. Diese können sein: Stress, Gereiztheit, Schlafstörungen und Depressionen.

Aber mehr noch. Wissenschaftler:innen haben sich bereits vor ein paar Jahren angeschaut, wie Katastrophenmeldungen auf uns wirken. Das Ergebnis ist erschreckend: Diejenigen, die im Jahr 2013 den Anschlag auf den Boston-Marathon über die News verfolgten, waren gestresster als diejenigen, die ihn vor Ort miterlebt haben.

Konsum
Wie oft bist du am Handy? Foto: DisobeyArt/ Shutterstock / DisobeyArt/ SHUTTERSTOCK

Hinzukommt aber auch, dass negative Nachrichten unser Weltbild verzerren. Und dass wir die Welt negativer wahrnehmen, als sie ist. So war die Zahl der Kindersterblichkeit noch nie so niedrig wie jetzt. Zudem leben auch weniger Menschen in extremer Armut – und doch haben viele den Eindruck, dass die Welt gefährlicher und ungerechter geworden ist. Das zeigt der sogenannte Ignoranztest der schwedischen Gapminder-Stiftung.

Was ist die Lösung?

Es mag dir naheliegend vorkommen, ins Bett zu kriechen, die Decke über den Kopf zu ziehen und nie wieder Nachrichten zu lesen. Aber eine gute Lösung ist das nicht. Denn es ist wichtig zu wissen, was um dich herum passiert. Wissen ist Macht. Es kann dich beruflich weiterbringen. Es hilft dir, dich an Gesprächen zu beteiligen. Und vor allem kannst du nur dann etwas auf dieser Welt verändern, wenn du auch weißt, was das Problem ist.

Statt also komplett alle Nachrichten aus deinem Leben zu verbannen, solltest du deine Mediennutzung beobachten und dich fragen: Über welche Entwicklungen will ich mehr wissen? Welche Portale will ich dafür nutzen? Und wie häufig konsumiere ich Medien?

Solltest du feststellen, dass du jede einzelne Push-Benachrichtigung, jede Eilmeldung liest, kannst du den Konsum herunterschrauben und damit anfangen, feste Routinen zu entwickeln. Lies oder höre nur noch abends Nachrichten. Oder mach es dir zum Ritual, jeden Sonntag die ausführlichere Sonntagszeitung zu lesen. Und last but not least: Folge in den sozialen Medien mehr Accounts, die positive Nachrichten ausspielen. Oder lies Magazine, die nicht nur thematisieren, was schief läuft, sondern auch Lösungswege aufzeigen.

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