Man kennt sie: Die Hexen aus den Märchen, die irgendwie immer einen Besen dabei haben und sich auf diesem fortbewegen. Und die meisten von uns werden dieses seltsame Verhalten nicht hinterfragt haben, vor allem nicht als Kind. Und in der Halloween-Zeit werden Kostüme und Requisiten wieder beliebter denn je. Doch eine Hexe auf einem Besen ist weitaus mehr als nur eine Frau mit Warzen und einer struppigen Putzhilfe. Wir sind der Bedeutung des Hexenbesens auf den Grund gegangen.

Besen & weibliche Magie: Die Anfänge der Hexe auf dem Besen

Spätestens bei den alten Römern wurde deutlich, dass der Besen als Objekt in Verbindung zur Hexerei und weiblicher Magie steht. Überlieferung besagen, dass die als weise geltenden Hebammen nach der Geburt eines Kindes die Schwelle des Hauseingangs kehrten, um böse Geister von dem Neugeborenen und der Familie fernzuhalten. In späteren Jahrhunderten wurde der Besen für einen Hochzeitsbrauch genutzt. Beim Betreten des neuen Heimes musste das frisch verheiratete Paar über einen Besen springen.

So viel zur Theorie. Doch wie kam es dazu, dass Hexen auf dem Besen reiten und sich damit in luftige Höhen erheben konnten? Dazu muss man einen Blick in die Akten alter Hexenprozesse werfen. Hier wurden Frauen angeklagt, mit dem Teufel im Bunde zu stehen und sich an geheimnisvollen Flugsalben zu bedienen. Damit gemeint waren Mittel, die sicherlich nicht das Fliegen an sich ermöglichten, aber die Vorstellung durch eine Halluzination auslösten. Aufgetragen auf den Körper der Frauen und den Besen führte die Mischung aus halluzinogenen Pilzen und Nachtschattengewächsen einen Rausch herbei, der die Frauen glauben ließ, dass sie fliegen.

Vom Drogenrausch zur Selbstbefriedigung: So wurde der Besen zum sexuellen Symbol

Der Drogenrausch der angeklagten Hexen führte also zu der Vorstellung, dass sich Hexen nur auf einem Besen fortbewegen. Diesen Mythos griff Jahrhunderte später auch der bekannte Dichter Johann Wolfgang von Goethe in seinem Werk Faust auf, wodurch die Legende rund um die Walpurgisnacht entstand. Goethe schrieb, dass sich jedes Jahr alle Hexen in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai auf dem Blocksberg versammeln und in überlieferten Darstellungen nackt auf dem Besen reiten und um das Feuer tanzten.

Und spätestens hier kommt die sexuelle Komponente des Besens ins Spiel. Schon damals, als die ominöse Flugsalbe auf den Besen aufgetragen wurde, war der Besen als Reitwerkzeug der Hexen beinahe ein Heiligtum. Man könnte in Verbindung zu der Salbe, der nackten Hexe und dem Besen schnell auf den Schluss kommen, dass der Besen als eine Art Dildo für die Selbstbefriedigung der Frau dient. Aufgenommen durch die Schleimhaut könnte das „Gleitgeld“ auf dem Besen für noch mehr Lust und Kribbeln gesorgt haben.

In unserem Podcast sprechen Lisa und Mona über alles rund um das Thema Masturbation.

Laut dem Standard wird der Besen allerdings nicht nur zur weiblichem Masturbation herangezogen, sondern auch für die Darstellung einer tantrisch sexuellen Vereinigung. Denn nicht nur der Besen war den Hexen heilig, sondern auch der Besenginster. Der Standard schreibt zu diesem Phänomen Folgendes: „Die französische Form von genista ist genet, was auch Pferd bedeutet, laut Walker das ‚königliche Ross des Heidentums‘. Daraus folgert sie [Barbara Walker, Autorin und Feministin in ihrem Buch „Die geheimen Symbole der Frauen“], dass der Ritt auf dem Besenstiel jene sexuelle Stellung bezeichnet, die von der Kirche als Perversion angesehen wurde: die Frau oben und der Mann unten als ihr ‚Pferd.’“

Hexe auf Besen = unabhängige Frau

Natürlich war jegliche Verbindung zu Sex absolut verpönt unter der männlichen und herrschenden Bevölkerung. Für diese Männer gab es nichts Schlimmeres als weibliche Masturbation. Um den Frauen nicht das Recht zugestehen zu müssen, unabhängig und mit ihrem Körper im Reinen zu sein, erklärte man sie einfach für verrückt und vom Teufel besessen.

Und so bekam die Hexe auf dem Besen einen sexuellen Touch und der Hexenbesen wurde zu einem sexuellen Symbol. Wenn du also das nächste Mal Hexen-Märchen liest, versuche auch ein wenig zwischen den Zeilen zu lesen. Wer weiß, welche Erkenntnisse du dort noch findest.

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