Du interessierst Dich für Astrologie und liest gern dein Horoskop? Wir finden: Gar keine schlechte Idee! Denn es gibt gute Gründe, sein persönliches Horoskop zu kennen.

Anders Denken: Andere Fragen führen zu anderen Antworten

„An Astrologie glaube ich nicht.“ Diesen Satz bekommen Astrolog:innen wahrscheinlich öfter zu hören und es dürfte keine leichte Aufgabe sein, mit diesen Menschen zu diskutieren. Denn sie haben sich ihre Meinung bereits gebildet – meist ohne sich intensiv mit dem Thema beschäftigt zu haben und ohne sich der Komplexität bewusst zu sein.

Der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Kocku von Stuckrad schlägt in seinen Vorträgen und Interviews immer wieder vor, anstatt nach dem Glauben an die Astrologie zu fragen, lieber zu überprüfen, ob die Astrologie für den Menschen plausible Erklärungen liefert.

Prof. Kocku von Stuckrad
Prof. Dr. Kocku von Stuckrad, 1966 in Kpandu/Ghana geboren, gehört zu den bekanntesten Religionswissenschaftlern, die Forschungen über die akademischen Grenzen ihres Fachs hinaus betreiben. Er hat sich schon früh mit Astrologie befasst und unter anderem das Standardwerk „Geschichte der Astrologie“ veröffentlicht. Credit: Prof. Dr. Kocku von Stuckrad via DAV

Wer der Astrologie kritisch gegenüber steht, hat meist wenig Verständnis für das Weltbild, dass mit ihr einhergeht. Horoskope erklären die Dinge nicht aus einer Kausalität heraus, sondern auf der Basis der Analogie. Es geht also nicht um ein Ursache-Wirkungs-Prinzip, sondern um eine Entsprechung.

Wer bereit ist, sich einem neuen Denken, das eigentlich schon ganz alt ist, zu öffnen, kann Astrologie und die Informationen, die wie ein Schatz im persönlichen Horoskop liegen, als Bereicherung erleben. Aus der Perspektive der Astrologie betrachtet, bekommt man eine andere Sicht auf die Dinge und vielleicht neue Antworten.

Astrologie ist nicht wissenschaftlich – na und?

Kritiker sagen, Astrologie sei nicht wissenschaftlich und haben damit völlig recht. Sie war es einst, doch Deutungswissen ist kein empirisches Wissen – das bedeutet aber nicht, dass es beliebig ist, denn es folgt festen Regeln. Astrolog:innen benötigen Jahre, um sich das Wissen anzueignen, das für die Sterndeutung benötigt wird.

Davon mal ganz abgesehen: Wer auf der Suche nach Antworten auf große Lebensthemen ist, wird in einem wiederholbaren Experiment vielleicht keine Antwort für sein individuelles Problem finden. Das geht nur im Erleben und Erfahren, im Durchstehen von Krisen und im persönlichen Wachstum.

Der Rat von Astrolog:innen, die ein persönliches Horoskop deuten können, kann den Blick für den eigenen Erkenntnis- und Wachstumsprozess schärfen und damit sehr hilfreich sein.

Ein persönliches Horoskop erstellen und deuten war mal eine Wissenschaft

Ein Ausflug in die Geschichte: Die Wurzeln der westlichen Astrologie sind in der vorchristlichen Zeit in Babylonien bzw. Mesopotamien und Ägypten zu finden. Mithilfe der Bewegungen der Gestirne ließen sich die Jahres- und Erntezeiten, Flut und Ebbe, wiederkehrende Naturzyklen und wichtige Ereignisse voraussagen, von denen die Existenz der Menschen abhängig war.

Horoskop berechnen
Die Horoskopberechnung übernehmen heute Computerprogramme. Um ein Horoskop deuten zu können, müssen Astrologen eine Ausbildung machen, die mehrere Jahre dauert. Credit: Getty Images/ yacobchuk via Canva.com

Noch bis zur Zeit der Aufklärung wurde Astronomie und Astrologie als Wissenschaft an Universitäten gelehrt. Generationen von Astrologen – meist Gelehrte, Mathematiker, Physiker und Philosophen – haben die Sternenkunde kontinuierlich weiterentwickelt. Sie beobachteten, dass sich Entsprechungen der Zyklen auch in der Gesellschaft, Politik und Kultur wiederfanden.

Astrolog:innen waren immer schon Lebens-Berater. Der Mathematiker und Astronom Johannes Kepler verfasste im 17. Jahrhundert Horoskope für den Feldherren Albrecht von Wallenstein – dessen Name untrennbar mit dem Dreißigjährigen Krieg verknüpft ist.

Allein das geballte Wissen dieser klugen Köpfe ist ein Argument dafür, sich sein persönliches Horoskope zu erforschen.

Was wird im persönlichen Horoskop gedeutet

Die sogenannte Radix – also das Geburtshoroskop – zeigt die Stellung der Planeten zum Zeitpunkt unserer Geburt. Informationen, die Astrolog:innen brauchen, um es zu erstellen, sind der Tag der Geburt, den Geburtsort und die Geburtszeit. Daraus ergibt sich dann die Radix, die von Astrolog:innen gedeutet wird.

Unterschieden werden sogenannte persönliche Planeten (Sonne, Mond, Mars, Venus, Merkur), die persönliche Themen symbolisieren und überpersönliche Planeten (Neptun, Jupiter, Pluto), die für gesellschaftliche bzw. Generationen-Themen stehen. Darüber hinaus wird auf Priapus, Lilith, Chiron und den auf- und absteigenden Mondknoten geschaut.

Neben den Planeten sind auch die Achsen zwischen Aszendent und Deszendent (AC-DC-Achse) und zwischen Medium Coeli (MC oder Himmelshöhe) und Immum Coeli (IC-MC-Achse) für die Deutung wichtig.

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Das Geburtshoroskop wird auch Radix genannt und zeigt den Stand aller Planeten zum Zeitpunkt der Geburt. Die Radix sieht nicht nur komplex aus, sie ist es auch und es bedarf einer guten Ausbildung, um sie deuten zu können. Credit: Getty Images/ Ekaterina_P

Was bringt einen Menschen zum Strahlen? (Sonne im Horoskop) Was ist sein Anliegen und sein erster Eindruck hier auf Erden? (Aszendent) Wie sieht seine Gefühlswelt aus? (Mond) Wie tickt er und mit welchen Denkmustern entdeckt er diese Welt? (Merkur) Wie liebt er? (Venus)

Nicht nur der Stand der Planeten ist für eine Deutung des persönliches Horoskopes wichtig, sondern auch die Beziehungen, die die Planeten untereinander eingehen. Das sind die sogenannten Aspekte, die sie bilden und in einer Radix durch die Verbindungslinien dargestellt werden. Die Häuser stellen die Themen dar, sozusagen die Bühne, auf der ein Planet seinen Auftritt hat.

Es ist ziemlich offensichtlich, dass Astrologie eine komplexe Kiste ist und das Deuten eines persönlichen Horoskopes nicht trivial. Dass sich zwei Menschen das gleiche Horoskop teilen ist zwar sehr selten, aber natürlich gibt es das Phänomen der astrologischen Zwillinge. Die Regel aber ist ein individuelles Horoskop, das die Individualität der Menschen widerspiegelt.

Fazit: Das persönliche Horoskop ist mehr als Entertainment

Selbstverständlich ist es ein riesen Unterschied, ob ich mich von Astrolog:innen individuell zu meinem persönlichen Horoskop beraten lasse, oder in einer Zeitschrift ein Tageshoroskop lese, das nicht auf meine persönlichen Daten eingeht, sondern die aktuellen Planetenkonstellationen für die 12 Tierkreiszeichen deutet.

Während sich eine Beratung bei Astrolog:innen anfühlen kann wie eine psychotherapeutische Sitzung, ist es beim Zeitungshoroskop meist gar nicht so wichtig, ob es für mich und Millionen anderer Menschen gleichzeitig funktionieren kann. Die Grenzen liegen auf der Hand.

Dennoch lesen wir manchmal von Dingen, die sich bewahrheiten. Warum? Vielleicht, weil wir mit einem Thema besonders in Resonanz gegangen sind. Immerhin ist ein Horoskop kein in Stein gemeißeltes Schicksal. Wir haben einen freien Willen und können, je nachdem, wie wir uns entscheiden, mit einer Situation so oder so umgehen.

In der Regel ist es ratsam, einfach zu schauen, ob die Horoskopzeilen etwas in uns triggern – und dann können wir den Fokus darauf richten oder eben nicht. Aber Vorsicht: Die Informationen, die Astrolog:innen aus einem persönlichen Horoskop zutage fördern, lassen sich nicht so leicht vom Tisch wischen.

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