Eine Hauptfrage, denen sich Forscher:innen immer wieder in diversen Kontexten widmen: Haben diese körperlichen Eigenschaften eine Funktion? So könnte man sich fragen, ob die männlichen Brustwarzen überhaupt zu etwas nutzen. Denn Stillen kann die männliche Brust eigentlich nicht. Expert:innenn klären uns auf. 

Info: Wenn in diesem Artikel vom “männlichen” oder “weiblichen” Körper gesprochen wird, sind damit die des biologischen Geschlechtes gemeint.

Männliche Brustwarzen: Wann entwickeln sie sich? 

Fangen wir ganz vorne an, nämlich bei der vorgeburtlichen Entwicklung: Bis zur zehnten Schwangerschaftswoche entwickeln sich Embryos nämlich mit einer Zweigeschlechtlichkeit. Erst danach kann man Unterschiede feststellen. Das lässt uns zu dem Ergebnis kommen, dass die männliche Brust der weiblichen ähnlicher ist als gedacht. 

„Männer haben Brustwarzen, weil der Mensch embryonal als Zwitter angelegt wird. Das ist genetisch einfacher, als die Besonderheiten des Geschlechts dann einzeln auszuformen und durch eigene Gene zu bestimmen,” so Professor Carsten Niemitz Anatom und Biologe der an der Freien Universität Berlin gegenüber Deutschlandfunk Kultur. Nach etwa sechs Wochen im Mutterleib wird laut Niemitz beim Ungeborenen gegebenenfalls das männliche Geschlechtshormon Testosteron aktiv. 

„Wenn man einen Embryo in den Entwicklungsstadien betrachtet, dann sieht man im ersten Monat, dass das völlig gleich ist bei späteren Mädchen oder Jungen, und im zweiten Monat, besonders in der zweiten Hälfte des zweiten Monats, da sieht man dann einen Unterschied“, so Carsten Niemitz.

Zwei Männer streicheln sich
Männliche Brustwarzen: Einfach ein Überbleibsel? Foto: Pexels / Ketut Subiyanto

Darum haben Männer Brustwarzen

Auch wenn männliche und weibliche Embryonen in den ersten Wochen gleich aussehen, ist das Geschlecht ja trotzdem schon genetisch bestimmt: So haben männliche Gene ein Y-Chromosom, die weiblichen dafür zwei X-Chromosome. Warum hat die Evolution das dann eigentlich nicht so eingerichtet, dass die männlichen Embryonen von Anfang an keine Brustwarzen haben? 

Einfach erklärt: Beim Heranreifen eines Organismus geht es laut dem SWR Wissen auch um so etwas wie organisatorischen Aufwand. Es wäre demnach enorm aufwändig, männliche und weibliche Embryos so zu schaffen, dass sie von Anfang an verschieden sind. Viel einfacher ist es demnach, wenn sie, solange es möglich ist, gleich sind.

In den ersten Wochen wird also bei Embryos alles gleich

In den ersten Wochen wird also bei allen Embryos alles gleich gestaltet und die Geschlechtertrennung erst an einem Punkt vorgenommen, an dem es unbedingt erforderlich ist. Das setzt voraus, dass alle Embryos all die Anlagen mitbringen, die sie später brauchen – je nachdem, welches biologische Geschlecht sie erhalten sollen. 

Deshalb haben alle Embryos Strukturen, aus denen sich unter dem Einfluss von Hormonen entweder Penis oder eben Klitoris entwickelt. Genauso verhält es sich mit den Brustwarzen: Sie haben an der Brust Zellen, aus denen sich Brustwarzen und später beim weiblichen Körper Milchdrüsen entwickeln – und beim männlichen Körper eben nicht. 

Drei Frauen mit hautfarbenem Body
Die weiblichen Brustwarzen haben eine Funktion: Sie können Babys stillen. Foto: Pexels / Antonius Ferret

Männliche Brustwarzen: Voraussetzungen zum Stillen sind gegeben 

Nice to know: Im Grunde genommen, könnten auch Männer stillen. Denn die männliche Brust hat alle Voraussetzungen zum Stillen, wie etwa die Drüsen und die Milchgänge, auch wenn sie verkümmert sind. Bei bestimmten hormonellen Störungen können sogar in sehr seltenen Fällen kleine Tropfen einer milchähnlichen Substanz austreten. 

Im Prinzip sind die Brustwarzen eines Mannes laut Niemitz allerdings unnötig. Wieso lässt die Evolution sie dann nicht einfach verschwinden? Laut Niemitz wäre das ein ungeheuerlicher Aufwand. Da sie nicht stören, werden sie also einfach dagelassen. Trotzdem stellen sie eine der erogenen Zonen des Mannes dar.

Auch nice to know: Eine Studie über die Nippelgröße von Frauen und Männern fand heraus, dass die Größe bei Frauen stärker schwankt als die von Männern. Dies widerspricht der Annahme der Evolutionsbiologie. Denn die Forscher:innen gingen davon aus, dass sie eigentlich viel einheitlicher sein müssten als die männlichen, da weibliche Brustwarzen die wichtige Funktion des Stillens erfüllen.