Nur: Wieso sollten Unternehmen da überhaupt mitmachen?

Die ersten Unternehmen wie etwa der Versicherungskonzern Allianz sind bereits an Bord und haben die Analyse erstellt. Nur warum sollten andere nachziehen? Schließlich müsste ein Unternehmen, das anhand der Analyse herausfindet, dass es seine weiblichen oder älteren Mitarbeiter:innen unfair bezahlt, eigentlich auch handeln und die Gehälter der Benachteiligten erhöhen. Das heißt: Das Unternehmen hätte höhere Ausgaben.

„Entgegen aller Befürchtungen wird es gar nicht so viel teurer“, beschwichtigt Henrike von Platen. Und nennt einen weiteren Grund, um mitzumachen: „Die Gesellschaft verändert sich, und insbesondere junge Menschen wollen in einem Unternehmen arbeiten, das sie fair entlohnt. Die Firmen, die sich von uns als fair bezahlender Arbeitgeber auszeichnen lassen, können sich genau damit brüsten. Dadurch wirken sie attraktiver auf Arbeitskräfte. Das heißt: Sie bekommen auch mehr Bewerbungen von hoch qualifizierten Arbeitskräften. Und auch intern wächst die Zufriedenheit, die Fluktuation sinkt. Nichtstun kommt Unternehmen sehr viel teurer zu stehen.“

gender pay gap
Die Gender Pay Gap beträgt 19%. Foto: Unsplash/ @gemmachuatran / Credit: Unsplash/ @gemmachuatran /

Gender Pay Gap schließen: Was wir von Island lernen können

Laut Henrike von Platen lohnt es sich auch, einen Blick ins Ausland zu werfen und sich anzuschauen, wie andere Länder den Gender Pay Gap schließen: „Ein Vorbild ist zum Beispiel das isländische Unternehmen Reykjavík Energy“, weiß Henrike von Platen. Denn Reykjavík Energy hat nicht nur die Analyse durchgeführt. Sondern es hat auch klare Kriterien aufgestellt, anhand derer die Tätigkeiten der Mitarbeiter:innen bewertet werden können:

  • die Ausbildung
  • die Leistung
  • die Verantwortung
  • das Entwicklungspotential

Aber was ist, wenn dennoch Unsicherheiten bleiben? Wenn eine Frau in einer Führungsposition das Gefühl hat, dass sie zu wenig verdient? Was kann sie dann tun?

Was Frauen tun können, wenn sie glauben, zu wenig zu verdienen

„Frauen sollten auf jeden Fall bei ihren Vorgesetzten nachfragen. Aber dabei kommt es auf Fingerspitzengefühl und die richtige Formulierung an“, weiß die Gender Pay Gap-Expertin von Platen. Also anstatt ganz plump zu sagen: „Ich glaube, ich verdiene zu wenig. Stimmt das?“ sollten Frauen nachfragen, wie sich ihr Gehalt eigentlich zusammensetzt. „Und aus dieser einfachen Frage entstehen zwei positive Dinge. Zum einen wird das Gespräch auf einer neutralen Ebene geführt und der Wert der Arbeit rückt in den Vordergrund, wodurch die Frau nicht als Meckertante dasteht.

Und zum anderen wird auch in den Personalabteilungen ein Prozess losgetreten, nämlich die Frage, wie genau sich die Gehälter im Unternehmen eigentlich zusammensetzen“, schließt Henrike von Platen ab. Und jeder Denkprozess, jedes Hinterfragen des Lohnsystems, sei ein erster Schritt in die richtige Richtung, so die Expertin.

Du willst mehr über den Gender Pay Gap erfahren? Wir haben Henrike von Platen schon einmal zu dem Thema interviewt und mit ihr darüber gesprochen, wieso das Schließen der Lohnlücke nicht nur für Frauen von Vorteil ist, sondern auch für Männer. Hier kannst du es noch einmal nachlesen.