Egal, ob Asterix und Obelix, Cat Woman oder Donald Duck: Viele von uns sind mit den berühmten Comicgeschichten aufgewachsen. Haben in den Schulpausen einen Comic nach dem nächsten verschlungen. Sich in die bunte, aufregende Welt der Held:innen geträumt. Dabei waren Comics nicht nur in den 90ern beliebt, sondern sie sind es auch heute noch.

Allerdings hat sich in den letzten Jahren viel in der Welt der Illustrationen getan. Denn im Zuge der Feminismus-Debatte wurde das Frauenbild in den Comics mehrfach kritisiert und viele Künstler:innen versuchen nun, die Bildgeschichten diverser zu gestalten, die klassischen Rollenbilder aufzubrechen, normalere Körper darzustellen und mehr Frauen zu Heldinnen zu machen.

Doch: Wie sinnvoll ist es wirklich, das alte Bild von Frauen in den Comics zu überdenken? Macht es für unsere Kinder wirklich so einen großen Unterschied, ob sie diverse Comicheld:innen sehen oder nicht? wmn hat beim Verband Erziehung und Bildung (VBE) nachgefragt.

Frauen in Comics: Die guten haben große Brüste

Um zu verstehen, warum das alte Frauenbild durch ein neues ersetzt werden soll, müssen wir erst einmal wissen, wie Frauen in Comics überhaupt dargestellt werden. Und das hat sich die Medienwissenschaftlerin Véronique Sina von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz genauer angeschaut, da sie sich auf die Comicforschung spezialisiert hat.

Im Rahmen einer Vorlesungsreihe erklärt sie, dass die Darstellung von Frauen in Comics von den jeweiligen Charaktereigenschaften abhängt. So haben die „guten“ Frauen einen athletischen, schlanken Körper – allerdings mit den perfekten Rundungen an den richtigen Stellen, die nur durch sehr kurze, hautenge Kleidung bedeckt werden.

Die „bösen“ Frauen hingegen werden einen Kopf größer gezeichnet. Sie haben wild zerzauste Haare, mehr Muskeln und große, straffe Brüste, die sie bis zum Hals hochgeschnürt haben. Ihre Wespentaille ist so schmal, dass der Kontrast zu dem großen Busen zu unreal, ja sogar schon künstlich wirkt.

Die Grenzen zur Pornografie sind fließend

Aber seit den 90er-Jahren werden immer mehr der sogenannten „Bad Girls“ in den Comics gezeigt. Also hypersexualisierte, idealisierte und hocherotische Frauen, wie Véronique Sina anhand von Beispielen erklärt. Auffällig ist dabei, dass die großen Brüste und der athletische Frauenkörper dabei oftmals den Fantasien der männlichen Macher entspringt und vor allem die männlichen Leser begeistert.

Das ist eine Entwicklung, die viele Feministinnen gestört und eine Gegenbewegung ausgelöst hat. Denn anstatt auf Frauen in Comics zu setzen, deren Körper jedem realistischen Anatomismus entsagen, werden seit einigen Jahren immer mehr Comics verkauft, die auf Diversität setzen.

Frauen, die für Body Positivity einstehen
Auch in der Werbung werden mittlerweile diverse Körperbilder gezeigt. Foto: Rawpixel/ istcok /

Doch welchen Unterschied macht es für Kinder, wenn sie feministische Comics lesen? Wachsen sie wirklich mit einer anderen Körperwahrnehmung auf, wenn sie realistischere Figuren in Comics sehen? Denn schließlich wissen sie ja, dass die Bildgeschichten nicht real sind, sondern der reinen Fantasie entspringen. Genauso wie auch wir als Kinder keiner Erklärung bedurften, dass Donald Duck keine echte sprechende Ente aus Entenhausen, sondern nur eine Illustration auf dünnem Papier ist.

Was das Frauenbild in Comics mit unseren Kindern macht

„Klar wissen Kinder, dass es sich dabei um eine Traumwelt handelt. Darüber brauchen wir gar nicht sprechen. Sondern darüber, dass diese irreale Darstellung dennoch einen gewissen Einfluss auf unsere Kinder haben kann“, erklärt uns Susann Meyer, die Sprecherin der Junglehrkräfte des Verbands Bildung und Erziehung am Telefon.

Sie ist Lehrerin an einer Regionalen Schule, hat selbst Kinder und weiß, dass sich vor allem jüngere Mädchen in die irreale Comicwelt verrennen können: „Ich habe schon Kinder gesehen, die sich ihre Comicheld:innen als Vorbild nehmen und sich dann genau so kleiden wie sie. Etwa Mädchen, die sich im Manga-Stil kleiden, sich so schminken und genauso künstlich und sexy aussehen wollen wie ihre Comicheldinnen. Wir betrachten die Entwicklung mit Sorge, weil so schon sehr früh eine Sexualisierung von Kindern einsetzen kann“, warnt die Lehrerin.

Comics Frauen
Erotisch – So werden Frauen oftmals in Comics dargestellt. Credit: heavypred/ Getty Images

Besonders betroffen sind Schülerinnen zwischen der Klassenstufe sieben und neun. Aber auch die Darstellung von den klassischen Rollenbildern findet die Lehrerin nicht mehr zeitgemäß. So werden die Frauen in Comics oftmals als schwach und passiv dargestellt, die gerettet werden müssen, wohingegen der starke Mann als Actionheld gefeiert wird.

„Kinder, die solche Bildgeschichten täglich konsumieren, können davon massiv beeinflusst werden. Deshalb ist es aus meiner Sicht sehr sinnvoll, wenn wir normalere und diversere Charaktere in den Comics abbilden.“ Und weiter erklärt sie: „Das Thema Comic ist und bleibt gerade für Kinder elementar, weil sie bunte Bilder lieben und die kurzen Texte besser lesen können. Und das bedeutet für uns Erwachsene, weiter über das Thema aufzuklären, genauso wie wir es auch mit den Gefahren des Internets tun.“

Feministische Comics: Mittlerweile ist die Auswahl groß

Eltern, die ihren Kindern feministische Comics kaufen wollen, haben mittlerweile eine große Auswahl. So gibt es kraftvolle und spannende Bildgeschichten über Politik, Wirtschaft, Soziologie, Naturwissenschaft oder den weiblichen Körper. Der Sammelband „Busengewunder“ von Lisa Frühbeis zum Beispiel widmet sich dem Thema, wie wir männliche und weibliche Geschlechtsorgane nennen. Oder wie es für Männer wäre, wenn ihr Körper so stark bewertet und sexualisiert werden würde wie der von Frauen.

Redaktionstipp: Vagina, Muschi, Yoni oder das da unten – Noch immer wissen viele Frauen und Männer nicht, welcher Namen für die Vagina am besten geeignet ist. Wir haben uns deshalb einmal umgehört und die perfekte Lösung gefunden.

Ein Star unter den feministischen Zeichnerinnen ist die Schwedin Liv Strömquist. Ihre Comics widmen sich ebenfalls dem schwierigen Thema der weiblichen Sexualität, schaffen es jedoch, dieses leicht, verständlich und lustig zu verpacken und die Männerdomäne Comic so immer weiter für die Frauen aufzubrechen.

Mehr zum Thema Feminismus gefällig? Dann lies hier, wie wir den Gender Pay Gap schließen können und warum unsere Redakteurin die Bezeichnung Powerfrau nicht mehr hören will.