Die Zustimmung zu den Corona-Maßnahmen sinkt. Doch: Was stört die Bürger:innen besonders? In wmn sprechen vier von ihnen Klartext.

Die Lage spitzt sich zu! Die Zahl der Neuinfektionen steigt exponentiell. Auf den Intensivstationen liegen wieder mehr Covid-Patienten. Das liegt auch an der Mutation B.1.1.7, die sich schneller verbreitet und gefährlicher sein soll. Nun zieht die Politik die Notbremse und will den Lockdown bis zum 18. April verlängern und mehr Tests anbieten. Doch bei vielen Bürgern sinkt die Laune allmählich in den Keller. Denn laut ARD-DeutschlandTrend halten nur noch 38 Prozent der Deutschen die Corona-Maßnahmen für angemessen. Das sind so wenige wie noch nie zuvor.

Aber: Was genau stört die Deutschen an der Corona-Politik? Warum hat sich die Zustimmung so krass verringert? Und was wünschen sich die Menschen für die Zukunft? Wir haben vier junge Bürgerinnen gefragt. 

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Meike, 32 Jahre alt, meint: „Jetzt kommt das Versagen der letzten Jahre ans Licht.“

In den letzten Jahren hat Deutschland die Digitalisierung verschlafen. Und das zeigt sich jetzt in der Corona-Krise besonders deutlich. In den letzten Monaten fehlte es an Homeoffice-Möglichkeiten, das Homeschooling lief mehr schlecht als recht, weil die technischen Voraussetzungen fehlten. Und von der katastrophalen Kontaktverfolgung der Gesundheitsämter oder der Corona-App brauchen wir erst gar nicht anzufangen. Viel schlimmer aber ist, dass Deutschland in der Krise nichts dazu gelernt hat. Während andere Länder wie Polen oder Dänemark die Corona-Pandemie genutzt haben, um digitaler zu werden, geht es bei uns nur schleppend voran.

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Die Corona-Impfungen laufen vor allem eines: langsam! Credit: IMAGO / Xinhua

Caroline, 25 Jahre alt, fordert: „Die Politik soll aufhören mit ihren leeren Versprechen!“

Ich halte mich an alle Maßnahmen, trage artig meine Maske und treffe mich nicht mit Freunden. Aber es stört mich extrem, wie leichtfertig die Politik Versprechungen macht, um sie drei Tage später wieder zurückzunehmen. 

Vor ein paar Wochen hieß es noch, bei einer Inzidenz über 50 werden die Schulen geschlossen. Heute wird die 200er-Inzidenz ins Spiel gebracht. Dadurch nimmt die Politikverdrossenheit zu und die Akzeptanz in der Gesellschaft nimmt ab. Denn eines ist meiner Meinung nach klar: Wenn die Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr auf die Vorschriften der Regierung hört, haben wir kaum eine Chance, die Pandemie zu überstehen.

Ich würde mir also wünschen, dass weniger leere Versprechungen gemacht werden. Denn sonst wird die Akzeptanz auch nicht steigen.

Hannah, 28 Jahre alt, ärgert sich: „Während andere Länder Öffnungsperspektiven haben, diskutiert Deutschland noch.“

Auf Impfgipfeln wird darüber diskutiert, ab wann unsere Hausärzte impfen dürfen. Da fasse ich mir echt an den Kopf, wenn ich sehe, wie meine Freundin in El Paso (Texas) bereits ihren zweiten Piks bekommen hat – und das von einem Soldaten! Um es kurzzufassen: Mich nervt die Bürokratie, weil sie Deutschland ausbremst.

Lene, 39 Jahre alt, fragt: „Wo sind die Alternativen?“

Wir haben zu unflexibel auf die Pandemie reagiert. So wurde der Fokus viel zu stark auf Impfungen gesetzt. Aber zu wenig auf Medikamente, die gegen Corona helfen sollen. Außerdem fanden Best-Practice- Länder wie Taiwan, die die Pandemie schnell in den Griff bekommen haben, kaum Beachtung. Dabei hätten wir einiges von ihnen lernen können. Etwa eine schnellere Einführung der Maskenpflicht, das Schließen der Grenzen und der Fokus auf die Digitalisierung.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Deutschland weniger widersprüchliche Corona-Maßnahmen beschließt und auch mehr ins Gesundheitssystem investiert.

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