Expert:innen glauben, dass sich die angestaute Lebenslust entladen könnte & die Goldenen 20er eine Renaissance erleben.

Seit Monaten hocken wir in unserer Jogginghose vor dem Laptop, nehmen an Zoom-Meetings teil, verbringen unsere Abende auf der Couch und werden wehmütig, wenn wir an die Zeit vor der Pandemie denken. Partys, Kultur, Reisen, Umarmungen mit unseren Freunden – all das war vor über einem Jahr noch völlig normal für uns und ist heute völlig fern.

Aber je näher der Sommer rückt und je mehr Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden, desto stärker drängt sich eine Frage auf. Nämlich: Wie wird unser Leben nach der Pandemie aussehen?

So könnte unser Leben nach der Pandemie aussehen

Noch wissen wir nicht, ab welchem Zeitpunkt wir uns keine Sorgen mehr um den Infektionsschutz oder Sicherheitsregeln machen müssen. Und angesichts dessen und der Tatsache, dass niemand die Zukunft voraussagen kann, gibt es zwar keine wasserfesten Prognosen darüber, was uns genau erwarten wird. Aber dennoch rechnen Expert:innen mit einigen Trends, die unser Leben nach der Pandemie prägen werden und die sich bereits jetzt abzeichnen.

1. Die Mode nach der Pandemie wird opulent

Politische Krisen und Umbrüche beeinflussen nicht nur die Literatur oder die Kunst, sondern auch die Mode. Das zeigt ein Rückblick in die vergangen Jahrzehnte. So sehnten sich die Menschen nach dem Ersten Weltkrieg nach Glamour, nach Spaß und Luxus, nachdem ihr Leben jahrelang von Verzicht geprägt war. Und das schlug sich auch in der Mode nieder, die in den 20er-Jahren vor allem eines war: dramatisch! Die Frauen legten ihre Korsetts ab, fuhren Fahrrad, trugen Pelzstolen und Glitzerkleider.

Leben nach der Pandemie
Pailetten könnten zum Trend werden. Foto: Getty Images/Digi Pub

Auch die Corona-Pandemie ist ein einschneidendes, gesellschaftliches Ereignis, das die Mode maßgeblich beeinflussen kann. Das glaubt zumindest Raf Simmons, der Chefdesigner bei Prada. In der New York Times sagte er: „Wenn sich die Geschichte wiederholt – und das tut sie häufig –, dann sind wir nun in den Zwanzigern. Und wir alle wissen, wie die Zwanziger aussahen: eine Explosion der Mode, Partys, Sex.“ Auf der Mailänder Fashion Week stellte er dann auch seine Kollektion vor. Und die war nicht nur besonders elegant, sondern auch opulent, voller Pailletten und Pelz.

Viele Expert:innen gehen jedoch auch davon aus, dass die Mode nach Corona nicht nur auffällig, sondern auch gemütlich, hochwertig, nachhaltig und funktional wird. Sie glauben, dass mit dem Ende der Pandemie nicht automatisch auch das Ende von der Lounge-Kleidung eingeläutet wird. Sondern, dass uns die Trends aus dem Homeoffice & Co. ein Stück weit erhalten bleiben.

2. Das Nacht- und Kulturleben boomt

Kein Hautkontakt, kein Exzess, kein Gemeinschaftsgefühl – Über ein Jahr lang mussten wir uns, was die sozialen Kontakte angeht, enthalten. Doch nach der Pandemie könnte das Pendel in die andere Richtung schlagen und die Goldenen 20er-Jahre wieder aufblühen. Partys, volle Kneipen, enge Räume und ein hoher Alkoholkonsum könnten bald wiederkommen.

Paar, love, date
Wir treffen wieder neue Menschen. Foto: South_agency /

Und auch die Kunst-und Kulturbranche könnte wieder boomen. Denn laut dem Psychologen Georg Hahnzog werden wir nach der Pandemie den Wert und die Bedeutung von Kunst, Kultur und Events intensiver wahrnehmen, weil alles so lange geschlossen war. Doch die Szene könnte sich auch sehr stark verändern, da sich viele Kulturschaffende durch die Corona-Krise nicht über Wasser halten konnten und dafür neue hinzugekommen sind. Der Protest gegen die Sanktionen könnte aus seiner Sicht nicht nur destruktiv sein, sondern berge auch immer kreatives Potenzial. Und dieses könnte in der ersten Zeit nach der Pandemie wahrlich genutzt werden.

Aber Corona hat auch einen gegensätzlichen Trend befördert, der uns auch nach der Pandemie erhalten bleiben könnte. Nämlich, dass sich viele nur in kleinen Gruppen treffen. Und gemeinsam mit ihren Freunden Spiele spielen, etwas gesundes kochen oder trinken und ihr Interesse an den Mega-Sausen verlieren.

3. Enge Freundschaften bleiben, die Erotik flammt auf

Der Lockdown, die Kontaktbeschränkungen und der Sicherheitsabstand haben jedoch auch unsere engsten Freundschaften verändert. Wir haben Bekannte und unwichtige Freunde nicht mehr getroffen und somit aus den Augen verloren. Doch die Freundschaften, die uns wirklich am Herzen liegen, die schon seit Jahren Teil unseres Lebens sind, haben oftmals die Pandemie überstanden.

Das ist völlig normal, erklärt der Entwicklungspsychologe Horst Heidbrink von der Fernuniversität Hagen in der Welt-Zeitung: „In der Notlage erkennen wir, wer wirklich unser Freund ist“ und weiter: „Intensive Freundschaften halten auch ein oder zwei Jahre Corona aus. Sie sind uns so wichtig, dass wir sie nicht wegen äußerer Umstände einfach so aufgeben. Wenn es wieder möglich ist, besteht eine gute Chance, sie zu reaktivieren beziehungsweise wieder zu intensivieren.“

Leben nach der Pandemie
Nach der Pandemie werden bestimmte Beziehungen bleiben: die, die uns wichtig sind. Foto: Oliver Rossi / getty images/Oliver Rossi

Aber auch die Erotik dürfte nach der Pandemie wieder aufleben. Denn der Amorelie-Sexreport ergab, dass insbesondere Singles seit der Pandemie weniger Sex haben. Doch gerade dann, wenn die Bars und Kneipen wieder aufmachen und wir uns wieder körperlich nahe kommen können, ohne Angst vor einer Corona-Infektion haben zu müssen, dürfte das Sexleben vieler Singles lebendiger, unbeschwerter und vor allem wilder werden – ähnlich wie es schon in den Goldenen 20ern der Fall war.

Der Soziologe Nicholas Christakis sagt dazu in der Welt: „Kneipen, Nachtclubs, Erotik, Sexualität, all das wird sehr wichtig werden“. Er glaubt, dass das Leben nach der Pandemie ein Frühling sein wird: künstlerisch, wirtschaftlich, technologisch und auch politisch.

4. Das Make-Up nimmt eine neue Rolle ein

Wenn die Restaurants und Bars wieder öffnen und wir unsere Freunde wieder treffen können, werden viele von uns weniger Zeit auf der Couch und mehr Zeit draußen verbringen. Und das ohne Maske. Das bedeutet, dass wir nicht nur das Lächeln unserer Mitmenschen wieder sehen können, sondern der Mund und damit auch der Lippenstift in den Fokus rückt.

Das glaubt der Kosmetikhersteller L’Oreal und erklärt diesen sogar zum „Symbol für die Rückkehr ins Leben“. Und auch die Trendforscherin Christine Boland erklärte im Portal Fahion United, dass wir uns wahrscheinlich mehr herausputzen werden. Heißt: In Zukunft könnten wir uns auf knallige Farben auf den Lippen und stärkeres Make-Up freuen.

Leben nach der Pandemie
Nach der Pandemie werden wir wieder Make-Up tragen können & es wird nicht verschmieren. Foto: Getty Images/ Seher Yuzgecer / EyeEm /

Aber eine Sache sollten wir nicht vergessen

Nachdem wir uns monatelang einschränken mussten, werden viele von uns die neu gewonnen Freiheiten im Leben nach der Pandemie richtig genießen. Dazu gehört, wieder im Restaurant essen zu gehen, abends auszugehen, Kulturangebote wahrzunehmen und uns vor allem an den intensiven und engen Freundschaften zu erfreuen, die es durch die Pandemie geschafft haben. Gleichzeitig werden wir auch wieder neue Leute kennenlernen, mehr Dates haben und uns dafür wieder richtig schick machen.

Trotzdem sollten wir im Hinterkopf behalten, dass sich die Trends auch anders entwickeln können. Das hängt davon ab, wie lange die Pandemie noch andauert und vor allem, wie sie sich auf die Wirtschaft auswirkt ...