Im letzten Jahr gingen bei warmem Wetter die Corona-Zahlen zurück. Doch auf diesen positiven Effekt sollten wir dieses Mal nicht setzen. Warum das so ist, erklären gleich mehrere Expert:innen.

In den nächsten Tagen ist Schluss mit Schmuddelwetter! Die Sonne zeigt sich endlich wieder und die Temperaturen kratzen an der 20 Grad-Marke. Doch: Bedeutet das auch die Trendwende in der Pandemie? Im letzten Jahr waren die Infektionszahlen zum Sommer hin gesunken. Aber wie wirkt sich das warme Wetter in diesem Jahr auf Corona aus? Expert:innen haben dazu eine klare Meinung, die den meisten wohl nicht gefallen dürfte…

Warmes Wetter = weniger Corona?

Wenn du darauf gehofft hast, dass das warme Wetter einen großen Effekt auf Corona hat, müssen wir dich leider enttäuschen. Christian Drosten machte es bereits im Januar im Spiegel-Interview sehr deutlich: „Dass wir 2020 einen so entspannten Sommer hatten, hatte wahrscheinlich damit zu tun, dass unsere Fallzahlen im Frühjahr unter einer kritischen Schwelle geblieben sind“, sagte der Chef-Virologe der Berliner Charité. „Das ist inzwischen aber nicht mehr so.“

Dazu kommen die sich immer weiter verbreitenden Mutationen. Sie sind deutlich aggressiver und ansteckender als das Ursprungs-Virus. „Das Auftreten und die Verbreitung von Mutanten ist tatsächlich ein Faktor, der unberechenbar ist“, erklärt die Virologin Stephanie Pfänder von der Ruhr-Universität Bochum gegenüber der Presseagentur dpa.

Frau Sonne
Auch in diesem Jahr werden wir wohl viel Zeit auf Balkonien verbringen. Foto: imago images/Westend61 /

Nein, warmes Wetter stoppt Coronavirus nicht

Bereits im vergangenen Jahr hatten Forscher:innen untersucht, welchen Einfluss das warme Wetter auf Corona hat. „Wir haben ein mathematisches Modell verwendet, um zu verstehen, wie stark die saisonalen Schwankungen sind“, erklärte der leitende Forscher Dr. Stephen Kissler von der T.H. Chan School of Public Health in Harvard in den USA. Für die Studie hatten er und sein Team über 3.700 Standorte ausgewählt, in denen Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet wurden und untersucht, wie stark sich das Coronavirus dort ausgebreitet hat und welchen Einfluss das Wetter darauf hatte.

Die bevorstehenden Wetterveränderungen allein reichen nicht aus, um die Übertragung von COVID-19 vollständig einzudämmen.

Wissenschaftler:innen der Chan School of Public Health in Harvard

Das Ergebnis: Dort, wo die Durchschnittstemperatur unter 25 ° Celsius lag, hat sich das Coronavirus stärker verbreitet. Dort, wo es wärmer war, wurde das Virus langsamer übertragen. Allerdings hatte das Wetter keinen besonders großen Effekt auf das Virus. Die Forscher:innen gehen deshalb davon aus, dass warmes Wetter dabei helfen kann, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen – aber es kann das Coronavirus kaum stoppen. 

Allerdings weisen die Forscher:innen darauf hin, dass die Ergebnisse der Studie auch leicht verzerrt sein können. Nicht berücksichtigt wurde, ob in einer bestimmten Region ein Impfstoff oder eine Behandlung gegen das Virus eingesetzt worden sind. Aber auch die regionalen Unterschiede wie etwa die Stärke der Gesundheitssysteme spielte in der Studie keine Rolle. Dennoch sind sich die Wissenschaftler:innen sicher, dass ihre Ergebnisse aussagekräftig sind.

Eine weitere Studie hat den Zusammenhang untersucht

Ob das Wetter einen Einfluss auf das Coronavirus hat, wurde auch in einer anderen Studie untersucht, die im Fachblatt Canadian Medical Association Journal (CMAJ) veröffentlicht wurde. In dieser Untersuchung wurde ebenfalls nach einem Zusammenhang zwischen Infektionszahlen und Wetterbedingungen gesucht.

Die Ergebnisse deuten daraufhin, dass sich die Pandemie in Ländern mit hohen Temperaturen nicht langsamer ausbreitet. Allerdings haben die Forscher:innen einen Hinweis darauf gefunden, dass die Luftfeuchtigkeit einen minimalen Einfluss auf die Verbreitung des Coronavirus hat. Wahrscheinlich weil die Tröpfchen bei hoher Luftfeuchtigkeit schneller zu Boden sinken und bei trockener Luft eher verdunsten, dadurch leichter werden und länger in der Luft bleiben – und so ein höheres Ansteckungsrisiko entsteht.

Aber auch die UV-Strahlung soll das Erbgut des Virus stören und so einen kleinen Effekt haben. Ian Lipkin, der Direktor von der Columbia University’s Center for Infection and Immunity erklärt dazu: „UV-Licht baut Nukleinsäure ab. Es sorgt fast dafür, dass Oberflächen sterilisiert werden.“ 

Das Fazit: Coronavirus bleibt auch in diesem Sommer

Die Studien zeigen, dass die Saisonalität bei der Verbreitung des Coronavirus nur eine kleine Rolle spielt.

Doch da wir uns im Sommer weniger in geschlossenen Räumen aufhalten und mehr Zeit an der frischen Luft verbringen, sinkt die Ansteckungsgefahr – weil der Wind die Viren verteilt und dabei stark verdünnt. Doch dieser Effekt wird in diesem Jahr durch die ansteckenderen Mutanten ausgebremst. Für uns bedeutet das vor allem, dass wir auch in diesem Sommer die AHAL-Regeln einhalten und auf Impfungen setzen müssen – bis eine Herdenimmunität erreicht ist.

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