Bei der sogenannten Magersucht (anorexia nervosa) handelt es sich um eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene rapide an Gewicht verlieren und damit nicht selten in lebensbedrohliche Zustände geraten. Ständige Diäten, übermäßige Sporteinheiten und ein gestörtes Körperschema sind erste Anzeichen für die Sucht, die selten nur ein Leben beeinträchtigt – immerhin leiden auch Angehörige passiv unter der Magersucht.

Dieser Text richtet sich dahingehend vor allem an Menschen, die befürchten, in ihrem Umkreis eine magersüchtige Person zu haben und zeigt auf, woran man Magersucht erkennen kann.

*Triggerwarnung: Im nachfolgenden Text werden für die Magersucht typische Verhaltensweisen aufgezeigt. 

Magersucht erkennen, heißt Magersucht verstehen

Um Magersucht zu erkennen, muss man sie zunächst in ihrer Schwere und Komplexität begreifen. Daher sollen hier kurz einige Basic Facts gegeben werden:

Was ist Magersucht?

Magersucht ist eine Essstörung, die einen suchtähnlichen Charakter aufweist und weiter auch als psychische Erkrankung gefasst werden kann. Als deutliches Symptom zeigt sich vor allem der drastische Gewichtsverlust durch radikale Diäten gepaart mit exzessiven Sporteinheiten

Weniger deutlich zeigt sich dagegen die Körperschemastörung, die einer Magersucht zugrunde liegen kann. Hierbei haben Betroffene ein derart verzerrtes Körperbild von sich, dass sie abgemagert in den Spiegel gucken können und dennoch Stellen an sich entdecken, die ihnen als zu korpulent erscheinen.

Frau Magersucht
Betroffene einer Magersucht sind in einem Teufelskreis gefangen.(Photo: Getty Images/ Lemuel Caparaz / EyeEm)

Wie fühlen sich Betroffene?

Betroffene verspüren den ständigen Drang, hungern zu müssen und wollen auf keinen Fall die Kontrolle über ihr Essverhalten verlieren. Bei jeder „Mahlzeit“ schwingt die Angst vor der Gewichtszunahme mit und auch die Gedanken kreisen nur um das eine Thema: (nicht zu) essen. Doch trotz körperlicher Mangelerscheinungen fehlt es vielen Betroffenen an Einsicht.

Du willst es genauer wissen? Wir haben zwei Interviews mit Betroffenen einer Essstörung geführt.

Was löst die Magersucht aus?

Hierfür gibt er verschiedene Theorien. Häufig wird von einer gestörten Stressverarbeitung ausgegangen, aber auch genetische Faktoren und ein gestörter Botenstoffwechsel werden angebracht. 

Zuletzt können aber auch Persönlichkeitsmerkmale wie Kontrollzwang sowie der eigene Leistungs- und Schönheitsanspruch als Auslöser einer Magersucht fungieren. In Zeiten von Social Media werden westliche Schönheitsideale zudem noch mehr konsumiert, verinnerlicht und ihnen wird umso mehr nachgeeifert.

Wie gefährlich ist die Magersucht?

Eines lässt sich hier klar sagen: Je kürzer die Dauer der Magersucht ausfällt, desto besser steht es um ihre Heilungschancen. Ganze 50 % können ihre Essstörung mithilfe von Therapien demnach überwinden. 

Doch auch wenn sich das Gewicht normalisiert hat, können sich die Körperschemastörung und das problematische Verhalten zum Essen aufrecht halten. Bei ungefähr 10 % der Betroffenen verläuft eine Magersucht tödlich. Diese Zahl zeigt, wie wichtig ein schnelles Erkennen der Magersucht und ihre Behandlung sind.

Wie kann Magersucht behandelt werden?

Je nach Schwere der Erkrankung kann es in erster Linie zu einer stationären Behandlung kommen. Hier geht es vor allem darum, zurück zum Normalgewicht zu kommen und den Betroffenen dabei zu helfen, wieder ein normales Verhältnis zum Essen zu entwickeln.

Darüber hinaus helfen vor allem Gesprächstherapien in der Gruppe und in Einzelgesprächen. Langfristig wird eine Psychotherapie angestrebt, welche Betroffenen dabei helfen soll, nicht rückfällig zu werden.

Das große Problem: Wer an Magersucht leidet, möchte dies oft selbst nicht einsehen und verweigert dahingehend Hilfe. 

Weitere Hintergründe und Anzeichen einer Magersucht kannst du ebenfalls bei uns nachlesen.

Magersucht
Bei Betroffenen einer Essstörung dreht sich alles rund ums Thema Essen, selbst die Gedanken kreisen darum.(Photo: Getty Images/ Francesco Carta)

So lässt sich Magersucht erkennen

Sehr dünn zu sein, dabei kränklich zu wirken und Augenringe zu haben, ist allein längst kein Anzeichen für eine Magersucht. Angehörige sollten daher vor allem auf folgende Anzeichen achten:

1. Thema Nummer eins: Essen

Klingt zunächst absurd, zumal Magersüchtige wenig bis gar nichts essen, aber wer an Magersucht leidet, weist meist nicht nur einen rapiden Gewichtsverlust auf, sondern beschäftigt sich auch pausenlos mit dem Thema Essen.

Inhaltsangaben werden studiert, Kalorien werden gezählt und vor allem wird darauf geachtet, dass alles, was reinkommt, auch wieder rauskommt. Abführ- und Entwässerungsmittel sind hierfür keine Seltenheit.

Außerdem kommt es bei ca. 20 % der Betroffenen dazu, dass sie von ihrer Magersucht eine Bulimie (Ess-Brech-Sucht) entwickeln. Auf Heißhungerattacken folgt dann das selbstherbeigeführte Erbrechen.

Magersucht
Stetes Wiegen, Vermessen und Kalorienzählen bestimmt den Alltag eines:r Magersüchtigen.(Photo: Getty Images/ Augustas Cetkauskas / EyeEm)

2. Stete Selbstkontrolle

Das stete Überprüfen von Nährwerten und Kalorienangaben dient nur einem Zweck – und zwar dem nie die Kontrolle zu verlieren. Betroffene challengen sich geradezu selbst wenn sie versuchen, über längere Zeiträume gar nichts zu essen. 

Dadurch geraten sie jedoch in einen Teufelskreis, da sich nun jede Mahlzeit wie ein Verlust über die eigene Selbstbeherrschung anfühlt. Ein schlechtes Gewissen stellt sich ein und lässt bald schon jedes Sättigungsgefühl negativ erscheinen.

3. Rapider Gewichtsverlust & körperliche Gegenreaktionen

Magersüchtige weisen deutliches Untergewicht auf. Das heißt, dass ihr BMI (Body-Mass-Index) unter 17,5 liegt. Doch waren Magersüchtige nicht immer so dünn. Ein deutliches Anzeichen, um Magersucht zu erkennen, ist demnach der rapide Gewichtsverlust: Betroffene verlieren gut und gerne 40 bis 50 % ihres ursprünglichen Gewichts!

Lebensbedrohliches Untergewicht wird Kachexie genannt und tritt dann auf, wenn alle Fettreserven des Körpers aufgebraucht wurden und auch die Muskelmasse größtenteils abgebaut wurde. Weitere körperliche Anzeichen sind:

  • Häufiges Frieren,
  • Schlafstörungen,
  • Müdigkeit,
  • Geräusch- und Lichtempfindlichkeit,
  • Haarausfall,
  • Lanugohaar (Haarflaum im Gesicht und auf dem Rücken),
  • Trockene Haut,
  • Schwächegefühl.

Körperschemastörung
Viele Betroffene einer Magersucht leiden unter einer Körperschemastörung, welche die Selbstwahrnehmung verzerrt.(Photo: Getty Images/ Paloma Rincon Studio)

4. Verzerrte Selbstwahrnehmung

Betroffene einer Magersucht leiden meist an einer Körperschemastörung. Das heißt, sie nehmen ihr Aussehen nur verzerrt wahr. Der Blick in den Spiegel trügt somit und lässt Betroffene sich trotz starken Untergewichts dick fühlen. 

Ein solches Missverhältnis der Wahrnehmung lässt auch nach außen eine Magersucht erkennen – und zwar vor allem dann, wenn Betroffene versuchen, ihre Körper mit extra weiter Kleidung zu verhüllen.

5. Gestörter Hormonhaushalt

Die Mangelernährung und der starke Gewichtsverlust führen dazu, dass nicht alle notwendigen Hormone vom Körper gebildet werden können. In der Folge kommt es zu einem Hormonungleichgewicht. Magersucht lässt sich dann daran erkennen, dass bei Frauen die Periode ausbleibt und sexuelle Unlust vorherrscht.

Im selben Zug können so auch Stimmungsschwankungen, Depressionen, Angststörungen, Zwangs- und Suchterkrankungen begünstigt werden, die ebenfalls eine Magersucht erkennen lassen.

Frau, Meer, Wasser, Sonnenuntergang
Betroffene einer Magersucht ziehen sich häufig komplett zurück.(Photo: imago images/Westend61)

6. Höchstleistungen & Rückzug

Betroffene einer Magersucht legen meist in allen Lebensbereichen Höchstleistungen an den Tag. Dabei werden sie nicht selten getrieben von ihrem eigenen Perfektionismus. Häufig ziehen sie sich gleichzeitig zunehmend aus ihrem Sozialleben zurück und isolieren sich. Gerade an diesem sozialen Rückzug lässt sich gepaart mit den anderen Anzeichen deutlich eine Magersucht erkennen.

Magersucht erkennen? Hierfür braucht es oft Hilfe von außen

Wie bereits an einer Stelle erwähnt, erkennen Betroffene ihre Erkrankung selbst oft nicht. Weiter wurde aber auch beschrieben, dass eine schnelle Behandlung die beste Chance darauf ist, langfristig von einer Magersucht befreit zu werden. 

Daher ist es vor allem an Angehörigen die Anzeichen einer Magersucht zu erkennen und auf die Betroffenen zuzugehen. Dabei sollte allerdings jedem klar sein, dass Betroffene Hilfe zunächst oft nicht annehmen möchten. Eine Magersucht zu bekämpfen, bedeutet somit oft auch einen langen Kampf für Angehörige. 

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