Coronavirus offenbart die Power von Frauen in der Politik
Angela Merkel, eine Frau an der Spitze eines Landes. Sind Frauen in der Politik die bessere Wahl? (Photo: imago images/photothek)

Frauen in Politik – Sind sie die besseren Staatschefs?

Experteninterview mit Matthias Horx: Stimmt es, dass Frauen uns besser durch die Coronakrise manövrieren? Und wieso gibt es so wenig Frauen in der Politik?

Zeigt uns die Corona-Krise, dass Frauen in der Politik einen besseren Job machen? Davon ist zumindest Avivah Wittenberg-Cox überzeugt, eine Autorin des Forbes-Magazins. 

So stellt sie in einem kürzlich erschienenen Artikel die Frage: „Was haben Länder mit dem besten Umgang mit dem Corona-Virus gemeinsam?“ Und gleich darauf antwortet sie: „Weibliche Führung“.

Doch mittlerweile ist sie mit ihrer These nicht mehr allein. Zahlreiche Medien haben die Aussage übernommen und berichten über die Erfolge von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, der taiwanischen Regierungschefin Tsai Ing-wen oder der neuseeländischen Premierministerin Jarcinda Arden.

Frauen in der Politik: Die besseren Krisenmanager?

Aber: Stimmt die These auch? Und wieso sind so wenig Frauen in der Politik? Und wie wird sich das in Zukunft ändern? Genau diese Fragen haben wir dem Zukunftsforscher Matthias Horx gestellt.

wmn: Lieber Herr Horx, stimmt es, dass Frauen in der Politik uns gerade besser durch die Krise führen?

Matthias Horx: Ja, insbesondere die kleineren Länder wie Neuseeland, Finnland und Dänemark werden von Frauen regiert und meistern die Corona-Krise sehr gut. 

wmn: Woran liegt das?

Matthias Horx: Ihr Politikstil ist gut. Er ist zwar nicht ausschließlich weiblich, aber er hat typisch weibliche Züge, zum Beispiel den Care-Stil. So kümmern und sorgen sich die Frauen in der Politik sehr stark um die Bürger, was dazu geführt hat, dass sie eine konsequente Vorsorge ergriffen haben. 

Dadurch konnte die Verbreitung des Virus schon sehr früh gestoppt werden. Zum anderen aber punkten die Politikerinnen mit ihrem Auftreten, denn sie schaffen es, die Menschen hinter sich und ihren Zielen zu versammeln. 

Die Stärke von Frauen in der Politik

wmn: Und wie genau schaffen es die Frauen in der Politik, die Menschen hinter sich zu versammeln?

Matthias Horx: Sie treten mit einer starken Message auf. Nämlich, dass wir in der Krise nicht alleine sind, sondern die Situation gemeinsam meistern. Das beste Beispiel ist zum Beispiel die Pressekonferenz in Neuseeland, bei der die Maoris, also die indigene Bevölkerung, miteingebunden wurde. 

Denn diese Gruppe könnte die Corona-Krise am härtesten treffen. Und diese Art zu kommunizieren, die Art alle Gesellschaftsgruppen miteinzubinden, unterscheidet sich natürlich sehr stark von dem Auftreten einiger männlicher Kollegen, wie beispielsweise einem Donald Trump, der die Gesellschaft eher spaltet.

Frauen in der Politik zeigen wie man am besten mit dem Coronavirus umgeht
Auch die Premierministerin von Neuseeland, Jacinda Arden, wird in den US-Medien gelobt(Photo: Nicolas Landemard / Le Pictorium)

wmn: Für das weibliche Geschlecht ist das natürlich empowernd, dass die Leistung von Frauen in der Politik gerade so gewertschätzt wird. Nichtsdestotrotz sind Männer in der Politik häufiger vertreten als Frauen. Woran liegt das?  

Matthias Horx: Das hat vor allem historische Gründe, denn Frauen wurde der Zutritt zu Parlamenten und Regierungen lange untersagt. 

Zwischen Stöckelschuhen und Regierung: die Beurteilung von Politikerinnen

wmn: Beim Amtsantritt der britischen Premierministerin wurde vor allem über ihre extravaganten Schuhe berichtet. Gefühlt werden Frauen in der Politik stärker nach ihrem Aussehen bewertet als Männer. Ist das auch ein Grund für ihr fehlendes Engagement?

Matthias Horx: Dass nicht nur die Arbeit an sich, sondern auch das Aussehen eine Rolle spielt, ist kein typisch weibliches Problem. So wurde zum Beispiel mehrfach über das Aussehen des FDP-Politikers Christian Lindner diskutiert und auch bei Emmanuel Macron, dem Präsidenten von Frankreich spielen die Äußerlichkeiten immer wieder eine Rolle.

wmn: Okay, aber woran liegt es dann genau, dass Frauen in der Politik so selten vertreten sind?

Matthias Horx: Auf kommunaler Ebene werden Bürgermeister immer wieder beschimpft, bespuckt oder angegriffen. Der Beruf wird von unsagbaren Aggressionen begleitet. Für Männer, aber auch viele Frauen wirkt das natürlich abschreckend. Hinzu kommt, dass es meistens immer noch die Frauen sind, die sich vorrangig um Kinder und Haushalt kümmern und dann keine Zeit mehr für Politik bleibt.

Es gibt wenige Frauen in der Politik
Frauen kümmern sich häufig um die Familie(Photo: skynesher)

 wmn: Gibt es für Sie Länder, von denen Deutschland noch etwas lernen kann?

Matthias Horx: Ja, in den skandinavischen Ländern gibt es mehr Frauen in der Politik. Aber hier ist auch die Gleichheit zwischen den Geschlechtern viel stärker in der Gesellschaft angekommen. 

Was also können wir daraus schließen? Dass ein größerer Zusammenhalt im Land und eine gleichberechtigte Gesellschaft auch dazu führen, dass mehr Frauen in die Politik gehen.

Noch immer sind Frauen in der Politik unterrepräsentiert. Hilft eine Frauenquote im Bundestag?

Außerdem liest du hier, wie das Coronavirus die Politik verändert.

Matthias Horx versteht als Zukunftsfosrscher die Zusammenhänge in der Coronakrise viel besser als die meisten. Lies hier,  mit welchem besonderen Hilfsmittel er ein Zukunftsszenario erstellt: Mit der Regnose.


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