Die Corona-Pandemie hat sich nicht nur in unsere Körper, sondern auch in unsere Psyche geschlichen. Denn in den letzten Monaten gab es mehr Krankschreibungen aufgrund von psychischen Erkrankungen als vor dem Ausbruch.

Für Professor Ulrich Voderholzer, den Ärztlichen Direktor der Schön Klinik Roseneck, ist dabei aber auch das Thema Essstörungen in den Fokus gerückt. Gemeinsam mit seinem Team hat er zwei Studien zu dem Thema publiziert. 

Hier stellt wmn die Ergebnisse vor.

Wie die Corona-Pandemie Essstörungen beeinflusst

Während der Corona-Krise, so erklärt es Voderholzer im Podcast Ärztetag, hatten besonders die Menschen Essstörungen, die sowieso schon dazu neigen.

Dazu gehören vor allem diejenigen, die bereits eine Essstörung hatten. Denn sie laufen ihr Leben lang Gefahr, wieder einen Rückfall zu erleiden. Trigger, wie etwa soziale Einschränkungen, das Gefühl allein zu sein und eine unsichere Zukunft können oft wieder zu schädlichen Verhaltensweisen führen.

Bislang weiß man, dass Essstörungen vor allem durch Leistungsdruck, Perfektionismus, Mobbing und Konflikte entstehen. Und dass feste Essensstrukturen dabei helfen, das eigene Essverhalten besser im Griff zu haben. Doch während des Lockdowns sind diese Strukturen oft verloren gegangen. So hat sich der Alltag von vielen Menschen geändert. Etwa indem soziale Kontakte eingeschränkt wurden und viele von zuhause aus gearbeitet haben. 

Aber auch Sorgen und Ängste haben zugenommen und so wiederum Essstörungen getriggert, weil sich beispielsweise viele vor einer Ansteckung oder einem Jobverlust gefürchtet hätten.

Doch gibt es eigentlich Menschen, die besonders anfällig für Essstörungen sind? Ja: Laut Voderholzer sind das demnach die Menschen, die aus Frust und Langeweile zum Essen greifen.

Essstörungen Corona
Essstörungen: Es besteht eine Gefahr des Rückfalls(Photo: millann/ istock)

Die einen haben während der Corona-Krise viel Sport getrieben, während sich die anderen kaum bewegt haben

Im Podcast erzählt Voderholzer, dass sich die Menschen vor allem in zwei Lager aufgeteilt hätten. Die einen hätten extrem viel Sport getrieben, sich direkt Hanteln nach Hause bestellt und sich viel mit Essen beschäftigt. Während die anderen – und jetzt wird es spannend – gerade diejenigen, die zuvor viel Sport getrieben haben, sich während der Pandemie viel weniger als zuvor bewegt hätten.

Essstörungen könnten demnach nicht nur zu einer Gewichtsabnahme, sondern auch zu einer Zunahme führen. 

Das hilft bei Essstörungen

Voderholzer empfiehlt vor allem, auf einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus zu achten, sowie den Tag gut zu strukturieren. Einen Tagesplan zu haben, der eine gute Balance zwischen Aufgaben und Freizeit hat und maßvolle körperliche Bewegung. Aber auch mit Meditationen machen viele Betroffene gute Erfahrungen.

Zudem sollte die Hilfe von Experten nicht unterschätzt werden. HIER findest du entsprechende Beratungsangebote.

Mehr zum Thema gefällig?