Wer schon mal durch Kreuzberg oder Schöneberg geschlendert ist, der weiß, wie vielfältig die Berliner Restaurantszene ist. Wie sich der Geruch von scharf angebratenem Hähnchenfleisch mit Curry vermischt und welch unterschiedliche Aromen durch Berlins Straßen wehen. Die kulinarische Vielfalt prägt das Stadtleben sehr. Insbesondere im Sommer sitzen die Menschen dicht gedrängt an Tischen und lassen sich scharfe Thai-Gerichte, einen frischen Falafel oder mexikanische Tacos schmecken. Berlin ist jedoch keine Ausnahme. Viele deutsche Großstädte haben eine vielfältige Esskultur, die stark geprägt von der Migration ist. Und das kommt nicht von ungefähr. 

Migration & Esskultur: Das perfekte Duo

Denn die Arbeit in der Restaurantküche ist hart, schlecht bezahlt und nicht gerade beliebt bei den Deutschen. Für Migranten hingegen ist genau diese Arbeit ein guter Einstieg ins Berufsleben. Denn in der Küche müssen sie kein perfektes Deutsch sprechen, wenn sie etwa Tomaten schneiden oder eine scharfe Sauce anrühren. 

wmn hat bereits darüber berichtet, in welchen Branchen Flüchtlinge oft einen Job finden.

Migration Esskultur
Viele Italiener haben eigene Restaurants aufgemacht(Photo: AsiaVision)

Aber Migranten stehen nicht nur in der Küche und brutzeln oder schrubben Teller. Nein, sie eröffnen auch besonders oft ihre eigenen Restaurants. So haben sich beispielsweise viele italienische Gastarbeiter in den 90ern selbstständig gemacht und bieten verstärkt Pizza und Pasta an. Vietnamesen haben eigene Imbisse und Lokale eröffnet. Und in Berlin haben Flüchtlinge auf Wochenmärkten Falafelsandwiches verkauft, die so gut angekommen sind, dass sie heute ein eigenes Imbissrestaurant haben. Das sogenannte Refueat. Längst ist der Laden zum Geheimtipp unter Berlinern geworden. Schnell hat sich rumgesprochen, dass es hier saftige Falafelbällchen mit Granatapfelkernen gibt. Eine Mischung, die es so bislang noch nicht gab.

Doch dass Migranten besonders häufig in der Gastronomie arbeiten, beeinflusst längst nicht mehr nur ihr Leben. Sondern auch das von uns. 

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Auch viele exotische Lebensmittel finden durch Migraten zu uns.(Photo: unsplash/@brookelark)

Der Einfluss der migrantischen Küche

So haben sich erst kürzlich US-Forscher angeschaut, wie sich Migration und Esskultur gegenseitig beeinflussen. Und das Ergebnis ist: Längst passen sich nicht mehr nur die Migranten unserer Kultur an. Sondern es passiert auch in die genau andere Richtung. Und das insbesondere beim Thema Essen. 

Und es gibt einen spannenden Zusammenhang: Je höher der Bildungsgrad ist, desto offener sind wir auch für andere die Köstlichkeiten aus anderen Ländern.

Die Forscher erklären, dass sich das Essen gut dafür anbietet, zueinander zu finden. Denn das Thema ist nicht so konfliktgeladen, wie beispielsweise der Arbeitsmarkt. Eine, die dem zustimmt und ebenfalls findet, dass Integration durch den Magen gehen kann, ist Linda Rottler. 

Sie hat hier in Deutschland bereits mehrere Kochveranstaltungen mit Einheimischen und Migranten veranstaltet. Und ihre Erfahrungen sind sehr positiv, wie sie wmn erzählt: „Ich glaube, dass beidseitige Integration beim Kochen und Essen besonders gut funktioniert. Und das in allen Bildungsschichten.“ 

Weiter erklärt sie: „Es klappt vor allem deshalb so hervorragend, weil Essen und Kochen auch ohne Sprache gut funktionieren. Und die Menschen kommen sich beim Essen sehr nahe. Man teilt ja nicht nur das Essenserlebnis an sich, sondern oftmals tauscht man auch Rezepte untereinander aus. Und man stellt fest, dass es viele Überschneidungen gibt. So wird Reis zum Beispiel in zig Ländern gekocht. Aber jede eigene Nation gibt noch ihr eigenes, ganz spezielles Gewürz hinzu. Und das zeigt den Menschen, dass man trotz der Unterschiede dann doch sehr gleich ist.“

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