Ein Feierabendbierchen mit den Kolleg:innen, ein Champagner mit den Kund:innen oder das Glas Wein, um nach dem Feierabend erst einmal zu entspannen. Forschende der Universität Liverpool haben sich den Alkoholkonsum von Arbeiter:innen angeschaut. Dabei haben sie herausgefunden, dass einige Jobs dafür prädestiniert sind, viel zu trinken. Nur: Um welche Berufe handelt es sich dabei? Und ist es eigentlich erlaubt, am Arbeitsplatz zu trinken? wmn weiß Bescheid.

Alkoholkonsum: In diesen Berufen ist er besonders hoch

Für die Analyse wurden 100.817 Berufstätige zwischen 40 und 69 Jahren zu ihrem Alkoholkonsum befragt. Anschließend analysierten die Forscher Andrew Thompson und Munir Pirmohamed diese Daten.

Das spannende Ergebnis: Fast 18.000 Proband:innen wurden als starke Trinker:innen eingestuft. Demnach gelten Frauen, die mehr als 4 Gläser Wein pro Tag trinken als starke Trinkerinnen. Bei Männer wären dies 4,4 Flaschen Bier (0,33 L) pro Tag.

Alkoholkonsum
In manchen Berufen ist der Alkoholkonsum besonders hoch.

Die Forschenden haben sich darüber hinaus auch den Alkoholkonsum von 77 verschiedenen Berufsgruppen genauer angeschaut. Dabei stellten sie fest, dass vor allem drei Berufsgruppen für einen hohen Alkoholkonsum prädestiniert sind. Nämlich: Gastwirt:innen, Gipser:innen und Arbeiter:innen aus der industriellen Reinigung. Am wenigsten hingegen trinken Ärzt:innen, Geolog:innen und Meteorolog:innen.

Der Alkoholkonsum von Frauen wird höher, wenn sie…

in Führungspositionen sind. Das ergab die Analyse ebenfalls. 30 % der schweren Trinker:innen sind Frauen. Wohingegen Männer in den Handwerksberufen stärker gefährdet waren als Frauen. Am niedrigsten war der Alkoholkonsum bei Männern, die als Stadtplaner, Geistliche oder im Medizinbereich arbeiten. Bei Frauen hingegen sind es besonders Schulsekretärinnen, Biologinnen, Biochemikerinnen und Physiotherapeutinnen, die weniger trinken.

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„Die beobachteten Unterschiede bei Männern und Frauen in Bezug auf die Assoziationen zwischen Berufen und starkem Alkoholkonsum könnten darauf hinweisen, wie die Arbeitsumgebung zusammen mit dem Geschlecht und anderen komplexen Faktoren die Beziehung zum Alkohol beeinflussen kann“, erklärt Thompson, der die Daten analysiert hat.

Spannende Daten & ein großes ABER…

Die Ergebnisse können als kleines Signal verstanden werden, dass sich Arbeitgeber in verschiedenen Branchen bewusst mit der mentalen Gesundheit ihrer Arbeitnehmer:innen auseinandersetzen. Und dass sie ihre Mitarbeiter:innen über die gesundheitlichen Folgen von einem regelmäßigen Alkoholkonsum aufklären.

Redaktionstipp: Für deine Gesundheit kann es sich wirklich lohnen, öfter mal auf Alkohol zu verzichten.

Doch da die Ergebnisse aus dem englischsprachigen Raum kommen und dort andere arbeitsschutzrechtliche Regeln gelten als hierzulande und keine weiteren Faktoren in die Datenanalyse einbezogen werden, wie etwa die psychische Stabilität und die Daten on top noch aus den Jahren 2006 und 2010 stammen, kann damit kein direkter Zusammenhang zwischen Beruf und Alkoholkonsum nachgewiesen werden. Als ein kleiner Weckruf, den eigenen Alkoholkonsum mal kritisch zu überprüfen, kann die Analyse jedoch schon verstanden werden.

Alkoholkonsum am Arbeitsplatz: Ist das erlaubt?

Im Prinzip schon. Denn „es gibt kein Gesetz, das den Konsum von Alkohol am Arbeitsplatz verbietet“, erklärt Sebastian Schröder, Fachanwalt für Arbeitsrecht gegenüber Karriere.de

Doch die Unternehmen kennen die gesetzliche Lücke und untersagen den Alkoholkonsum während der Arbeitszeit deshalb in den Betriebsvereinbarungen und Arbeitsverträgen. Anders sieht es jedoch in Berufen mit besonders hohem Risiko aus, wie etwa bei Chirurgen, Berufskraftfahrer:innen und Pilot:innen. Für sie gilt ein absolutes Alkoholverbot!

Und wenn die Mitarbeiter:innen trotzdem mal ein Gläschen trinken?

Und selbst dann, wenn der Alkoholkonsum nicht verboten wird, sollten die Mitarbeiter:innen es nicht übertreiben! Denn „der Arbeitnehmer muss immer seine volle Arbeitskraft zur Verfügung stellen“, weiß der Arbeitsrechtler Schröder. Und da sich Alkohol auf die Leistung auswirkt, und bereits 0,3 Promille im Blut bereits dazu führen, dass wir unaufmerksamer und unkonzentrierter werden, gilt: Lieber zu wenig als zu viel Alkohol trinken!

Übrigens: Die 0,3 Promille erreicht ein Mann mit 85 Kilogramm Körpergewicht und einer Größe von 180 Zentimetern bereits mit zwei Bierchen. Bei Frauen reicht bereits ein Bier aus, wenn sie 175 Zentimeter groß sind 70 Kilogramm wiegen.

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