Fasten hat viele Vorteile, schön und gut. Krankheitsvorbeugung und Zellerneuerung sind starke Effekte, auch dass sich der Hunger irgendwann legt fühlt sich wunderbar an, aber die vorherigen 72 Stunden unter 300 Kalorien am Tag durchzuhalten, das erledigt sich nicht von selbst. Diese Stunden können richtig hart werden – zu hart, dachte sich auch der Altersforscher Valter Longo von der University of California und entwickelte das Scheinfasten. Du isst, dein Körper fastet.

Alle positiven Zellvorgänge, die das Fasten begünstigt, können auch mit Nahrungsaufnahme hervorgerufen werden. Longo trickst den Körper aus. Dafür untersuchte er die maximalen Kalorienzahl und die optimale Nahrungszusammensetzung.

Was darfst du beim Scheinfasten essen?

Die meisten Diäten basieren auf dem Low-Carb-Prinzip, viel Protein oder beidem. Mit Shakes dieser Zusammensetzung soll Muskelmasse geschützt werden, die beim Fasten normalerweise verloren geht. Das Scheinfasten soll beides unter einen Hut bekommen. Den Fastenzustand des Körpers und den Erhalt der Muskelmasse. Die Zusammensetzung besteht aus 50 Prozent überwiegend ungesättigten Fettsäuren und 50 Prozent komplexen Kohlenhydrate mit einem niedrigem glykämischen Index.

Wie hoch die Kalorienzufuhr für positive Fasteneffekte sein darf, weiß niemand so genau. Longo vermutet die Grenze bei etwa 800 Kalorien am Tag. Das liegt deutlich über der Zahl der meisten Fastenkuren. Deswegen gibt es beim Scheinfasten als Einstieg am ersten Tag 1100 oder 1200 Kalorien und an den folgenden vier Tagen jeweils 750 Kalorien.

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Mehrfach ungesättigte Fettsäuren spielen eine große Rolle. Foto: istock.com/fcafotodigital /

Die drei Mini-Mahlzeiten am Tag sind also eher eine kleine Hilfe, wenn du mit dem kompletten Verzicht nicht fertig werden würdest. Richtig satt machen die paar Suppen, Oliven, Kräcker und Nüsse, aus denen die Kur besteht, auch nicht. Kaffee ist die Grauzone. Ungesüßter Espresso geht aber klar. Das war’s.

Es ist lange nicht so viel wie du an normalen Tagen essen würdest, auf Dauer zu wenig und dafür, dass du keinen Hunger bekommst, garantiert auch niemand. Scheinfasten soll nur die Belastung etwas senken und das Fasten einfacher gestalten.

Hat Scheinfasten alle positiven Effekte des Fastens?

Scheinfasten bringt so gut wie alle Effekte mit, die normales Fasten auch auslöst. Cholesterinwerte, der Blutdruck und die Insulin-Sensitivität stabilisieren sich, Entzündungen gehen zurück. Dein Körper kommt trotz Essen, aber wegen der geringen Kalorienzufuhr, in den Ketose-Zustand. Das regt die Verbrennung des viszeralen, also schlechten Fettes an und zeigt, dass du nicht komplett verzichten musst, um in diesen Zustand zu gelangen.

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Auch Nüsse gehören zur Diät. Allergiker:innen sollten dann lieber eine andere Kur ausprobieren. IMAGO / Westend61 Credit: IMAGO / Westend61

Wann du vorsichtig sein solltest

Scheinfasten ist erst einmal auf fünf Tage angesetzt. Je nachdem, in welcher Verfassung dein Körper ist, kannst du die Diät maximal einmal pro Monat durchziehen. Der Ketose Zustand des Körpers sollte nicht zu lange anhalten, Langzeitstudien dazu gibt es nämlich nicht.

Scheinfasten, aber auch Fasten an sich ist weder in der Schwangerschaft, noch in der Stillzeit gut, bei Essstörungen oder Untergewicht können solche Diäten genauso gefährlich werden.

Scheinfasten als Einstieg

Für Anfänger:innen des Fastens ist diese Kur optimal. Wenn du noch nie über einen längeren Zeitraum auf Nahrung verzichtet hast, dann starte am besten mit Scheinfasten. Der dazugehörige Ernährungsplan ist strikt, kann dir so aber auch etwas mehr Sicherheit geben.

Du verlierst den Überblick zwischen den ganzen Fastenkuren? Wir verraten, welche Fastenkur zu dir passt.

Auch eine Möglichkeit: Das Saftfasten. Wir haben es ausprobiert.

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