Familie, Freunde, Arbeit, Haushalt und dann auch noch Sport – wir leben in einer schnelllebigen Welt. Zeit ist ein kostbares Gut. Wir wollen das Maximum erreichen und das bitte in kürzester Zeit. Was für viele Lebensbereiche gilt, gilt noch stärker für unser Training. Wir wollen im Rekordtempo Muskeln aufbauen, ein Sixpack bekommen oder einfacher nur fitter im Alltag werden.

Und da kommt uns das Intervalltraining gerade Recht. Denn das Training verspricht Erfolge – und das, na klar, wie sollte es auch anders sein, in kürzester Zeit! Daran ist an sich nichts auszusetzen. Aber wir sollten den Effekt auch nicht überschätzen.

Warum Intervalltraining super ist…

Beim Intervalltraining wechseln wir zwischen kurzen, intensiven Belastungen und noch kürzeren Erholungsphasen. Die Pausen sind dabei jedoch so kurz, dass unser Körper nicht richtig regenerieren kann. Bei einem Intervalltraining könnten wir also beispielsweise schnelle Burpees machen, einige Sekunden verschnaufen und danach direkt Hampelmänner hinten dranhängen.

Intervalltraining
Intervalltraining: Ein gutes Training, aber nicht das Wundermittel für alle Ziele(Photo: Tyler Olson/ shutterstock)

Die Vorteile vom Intervalltraining liegen auf der Hand: Unser Puls geht ordentlich nach oben und wir verbrennen in kürzerer Zeit mehr Kalorien als bei einem klassischen Workout mit längeren Pausen zwischen den Übungen.

…aber nicht das beste Training der Welt ist

Nach einem Intervalltraining fühlen sich viele kaputt, zittrig und ausgelaugt. Doch das bedeutet nicht, dass das Intervalltraining das non plus ultra ist. Das hat verschiedene Gründe.

Mehr Kalorien als Cardio?

Zum einen verbrennen wir beim Intervalltraining bei gleicher Zeit zwar mehr Kalorien als bei einer normalen Cardioeinheit. Aber das gilt eben nur bei der gleichen Zeit! Da aber das Intervalltraining meistens deutlich kürzer ausgeführt wird, verbrennen beide Trainingsformen unterm Strich ungefähr gleich viele Kalorien.

Nachbrenneffekt nicht überschätzen

Zum anderen wird im Zusammenhang mit dem Intervalltraining immer wieder der Nachbrenneffekt genannt. Eine Studie hat jedoch gezeigt, dass wir nach einer Einheit zwar mehr Kalorien verbrennen. Aber der Wert ist sehr gering. Er beträgt gerade einmal 10 % deines Kalorienumsatzes beim Training. Im Klatext bedeutet das: Wenn du beim Intervalltraining 300 Kalorien verbrennst, verbrennst du gerade einmal 30 Kalorien mehr über ein paar Stunden. Den Rieseneffekt? Macht das also nicht!

Regeneration muss sein

Hinzukommt, dass nicht nur die Verletzungsgefahr bei dem Training höher ist, sondern wir nach einer intensiven Intervalleinheit länger regenerieren müssen. Und das könnte sich beispielsweise negativ aufs Krafttraining auswirken.

Achtung, Suchtgefahr

Zugegeben, manche lieben das High so sehr, das ein Intervalltraining auslösen kann. Doch das kann schnell süchtig machen. Und so dazu führen, dass wir immer öfter so trainieren wollen. 

Nur: Einige Menschen überschätzen ihre Grenzen und sind bereits viel belasteter als sie denken. Sie bekommen die Nebenwirkungen irgendwann zu spüren. Nämlich ein zu viel von dem Stresshormon Cortisol, das vermehrt ausgeschüttet wird. 

Und wer sich nicht genug Pausen gönnt, gerät schnell ins Übertraining, das sich wie ein Burnout anfühlt. Denn: Die meisten Menschen halten es nicht aus, jahrelang bei jedem Workout an die Grenzen gehen. Irgendwann macht der Körper das nicht mehr mit.

Auch im Podcast Wein & Weiber by wmn sprechen wir darüber, dass Sport süchtig machen kann. Und wie wir einen Weg daraus finden. Hör gerne rein!

Schweinehund überwinden

Und last but not least: Der innere Schweinehund kann bei dieser Form des Trainings sehr hoch sein. Denn es liegt in unserer Natur,  dass wir uns nicht immer aufraffen können, so ein anstrengendes Workout anzufangen. Wohingegen die Hürde bei anderen Trainingsformen, wie einem lockeren Lauf vielleicht geringer sein kann. 

Fazit: Baue ein Intervalltraining sinnvoll in deinen Alltag ein

Nichtsdestotrotz ist und bleibt das Intervalltraining ein gutes Training, das sich seine Daseinsberechtigung verdient hat. Denn es eignet sich insbesondere für Menschen mit wenig Zeit. Und natürlich auch für diejenigen, die es lieben, an ihre eigenen Grenzen zu gehen.

Aber: Niemand sollte das Training aufgrund falscher Versprechungen machen  – insbesondere wenn es ihm keinen Spaß macht. Denn wer wirklich Kraft oder Ausdauer aufbauen will, sollte sich lieber anderen Sportformen widmen. Intervalltraining ist und bleibt zudem auch keine Wunderwaffe, um Kalorien zu verbrennen oder jedes sportliche Ziel zu erreichen.

Und was wir darüber hinaus nicht vergessen sollten, dass wir, auch wenn wir einen langen Tag haben, es dennoch extrem gut tun kann, sich mehr Zeit für ein Workout zu nehmen. 

Denn mehr Zeit für ein Training, bedeutet auch mehr Zeit für unseren Körper und unseren Geist. Wir sollten die mentalen Effekte eines längeren Trainings nicht ständig unterschätzen.

Mehr zum Thema gefällig? Dann klicke jetzt auf weitere Artikel:

Po Training: Lies hier die 7 goldenen Regeln, die jeder kennen sollte.

Proteinbedarf: Wer Muskeln aufbauen will, muss keine Shakes trinken

Unilaterales Training: So schaffst auch du es in kürzester Zeit zum Sixpack.