„Das macht 1,95 Euro“, raunt die schlecht gelaunte Kassiererin der Kundin zu. „Mit Karte“, antwortet sie, hält ihre Girocard an das kleine Gerät und schnappt sich ihre Packung Tampons. Fünf Minuten später hockt sie in ihrem Bad und schiebt sich ein kleines Wattebäuschchen in die Vagina.

Ein kurzer Einkauf, ein paar Euros, eine Packung Tampons – mehr brauchen Frauen nicht, um ihr Periodenblut aufzufangen. Doch so leicht war es nicht immer. Im Alten Ägypten etwa mussten sich die Frauen noch selbst Tampons bauen, indem sie Holzstäbchen mit Papyrus umwickelten. Im Mittelalter wurde womöglich auf Moos gesetzt, um die Blutung aufzuhalten und Jahre später wurden alte und unhygienische Lappen und Fetzen benutzt.

Doch: Seit wann haben wir Frauen eigentlich das Glück, einfach in eine Drogerie reingehen zu können und zwischen Slipeinlage, Tampon, Binde, Schwämmchen, Periodentasse und saugfähiger Unterwäsche zu wählen? Seit wann gibt es all diese Menstruationsprodukte? wmn klärt auf.

Die Geschichte der Menstruationsprodukte

Tatsächlich hat sich in der Welt der Menstruationsprodukte viel getan. Das zeigen die wichtigsten Entwicklungsstufen der drei bekanntesten Produkte.

1. Die Binde

Egal, ob lang, kurz, mit oder ohne Flügeln, extra saugstark oder hauchdünn – heute haben Frauen eine große Auswahl an Binden. Doch die war nicht immer so üppig. So mussten die Frauen in den 20er-Jahren noch einen unbequemen Gürtel tragen, an dem sie riesige, auswaschbare und wieder verwendbare Binden befestigten. Die Einmalbinde aus Zellstoff kommt erst im Jahr 1926 auf den Markt und mit ihr das Versprechen von mehr Hygiene, Diskretion, weniger Blutflecken und vor allem weniger Geruch.

Doch ein richtiger Durchbruch gelingt erst ein paar Jahre später, als die Binden bequemer, unsichtbarer und kleiner werden und das erste Produkt mit Klebestreifen verkauft wird und all die Sicherheitsnadeln und unbequemen Gürtel verdrängt.

2. Tampons

Im Jahr 1931 folgt ein Meilenstein! Denn der amerikanische Arzt Earle Cleveland Haas bringt einen länglichen Propf aus gepresster Watte auf den Markt: den Tampon. Ein paar Jahre später entdeckt der deutsche Ingenieur Carl Hahn eine Werbeanzeige für Tampons in einer amerikanischen Zeitschrift und ist begeistert. Gemeinsam mit dem Juristen Heinz Mittag und der Frauenärztin Judith Esser Mittag bringt er im Jahr 1950 den ersten deutschen Tampon auf den Markt. 10 Stück kosten 95 Pfennige.

Alexa Grassmann
Mittlerweile thematisieren Influencerinnen wie Alexa Grassmann ihre Periode immer mehr. Foto: Yella Hawk /

Doch: Die Begeisterung überträgt sich nicht auf die Frauen. Stattdessen herrschen Unsicherheit und Zweifel. Die Frage kommt auf, was mit den Tampons im Körper passiert und ob sich die Produkte in der Vagina auflösen oder die Frauen entjungfern können. Zum Durchbruch kommt es erst im Zuge der Aufklärung. In den 70er-Jahren wird der Tampon zum Symbol weiblicher Unabhängigkeit und zum Symbol absoluter Bewegungsfreiheit und Sicherheit.

Pssst: Am 13. März 1950 wird der erste Tampon von der Marke o.b. verkauft, die es heute noch gibt. Die Tampon-Fabrik in Wuppertal ist die größte der Welt, von dort werden die kleinen Wattebäuschchen in über 40 Länder exportiert. Doch viele Frauen wissen gar nicht, was die Abkürzung o.b. bedeutet. Nämlich „ohne Binde“.

3. Menstruationstasse

Im Durchschnitt verbraucht eine Frau rund 12.000 Binden und Tampons in ihrem Leben, sodass im Laufe ihrer Jahre ein kleiner Müllberg entsteht. Doch immer mehr Frauen wollen nachhaltiger leben und setzen deshalb auf die wieder verwendbaren Menstruationstassen. Und eben jene Tassen werden seit ein paar Jahren extrem gehyped. Dabei ist die Idee nicht ganz neu.

Die US-Künstlerin Leona Chalmers soll bereits im Jahr 1937 Patent für eine Gummitasse angemeldet haben. Doch im Zweiten Weltkrieg wurde Gummi knapp und die Produktion der unbeliebten Menstruationstasse wieder eingestellt.

Fazit zu den Menstruationsprodukten

Obwohl die Menstruationsprodukte in den letzten Jahren praktischer, hygienischer und damit auch sicherer geworden sind, ist das Thema Periode längst noch nicht vom Tisch. Im Gegenteil, es wird immer mehr zum Politikum.

So wurden die Steuern, die Frauen für Binden und Tampons bezahlen müssen, im letzten Jahr von 19% auf 7% gesenkt. Betroffene Frauen sprechen immer offener über ihre Regelblutung, erzählen auf Plattformen wie Instagram, wie sie sich während ihrer Periode fühlen. Und auch die Hersteller der Menstruationsprodukte versuchen mit ihrer Werbung gezielt gesellschaftliche Tabus zu brechen und Diskussionen anzuregen. So zeigte die Marke Libra vor zwei Jahren in einem australischen TV-Spot kein blaues Menstruationsblut, sondern stellte es erstmals mit roter Flüssigkeit dar – und erntete einen Shitstorm, der selbst in Deutschland hohe Wellen schlug.

Doch wie sieht es in der Zukunft aus? Wird die Periode in Zukunft als etwas ganz Normales angesehen? Wird sie als Zeichen von Gesundheit anstatt Scham und Tabu gedeutet? Das werden erst die nächsten Jahre zeigen. Spannend bleiben die gesellschaftliche Entwicklung jedoch allemal.

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