Es ist ein Fall, der gerade viel Aufmerksamkeit erhält: In einerm Seniorenheim in Nordrhein-Westfalen wurden zwölf Senioren und zwei Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Und das, obwohl sie kurz zuvor geimpft worden sind.

Was bedeutet eine Corona-Infektion trotz Impfung? Und ist Panikmache angebracht? wmn klärt auf.

Corona-Infektion trotz Impfung: Eine Chronik des Geschehens

Laut dem Westfalen-Blatt sollen am 28. Dezember Corona-Schnelltests in dem Seniorenheim durchgeführt worden sein. Das Ergebnis: Alle Tests fielen negativ aus.

Einen Tag später wurden alle Bewohner gegen das Coronavirus geimpft, mit der Ausnahme von drei Personen. Am 3. Januar wurden wieder Schnelltests gemacht. Das neue Ergebnis: Zwei Personen wurden positiv getestet. Daraufhin folgten mehrere PCR-Tests, die ergaben, dass sich zwölf Bewohner und zwei Mitarbeiter infiziert haben.

Auffällig: Keiner der Infizierten zeigt bislang Symptome.

Doch nicht nur in Nordrhein-Westfalen sondern auch in Bayern wurden mehrere Altenheimbewohner nach einer Impfung positiv auf Corona getestet.

Was ist die Erklärung dafür?

Angesichts dieser Vorfälle fragen sich viele: Wie kann das sein? Der Virologe Dr. Rolf Kaiser von der Uniklinik in Köln erklärt dm Fernsehsender RTL, dass es ungefähr 14 Tage braucht, damit eine ausreichende Abwehr aufgebaut wird. „Wenn dann kurz vor oder nach der Impfung eine Infektion passiert, ist der Impfschutz noch nicht ausreichend, um die Infektion abzuwehren. Er kann allerdings auch schon den Verlauf abmildern.

Prinzipiell verlaufen die Corona-Verläufe bei jüngeren Menschen öfter symptomlos, wohingegen ältere Menschen häufiger Symptome zeigen. Doch dass die infizierten Senioren keine Symptome zeigen, könnte aus Sicht des Virologen ein Zeichen dafür sein, dass die Impfung den Verlauf abmildert. Und das auch, wenn der Impfschutz noch nicht vollständig da ist. Aus seiner Sicht könnten die Geschehnisse also dafür sprechen, dass der Impfstoff schon seine Wirkung zeige.

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Dass das Ergebnis des PCR-Tests falsch ist, schließt der Experte aus. So erklärt er, dass der Test auch auf andere Stellen des Virus anspringe, die nicht im Impfstofff enthalten sind.

Was wir bislang wissen

Und auch der Mediziner Dr. Christoph Specht erklärt gegenüber RTL, dass das Ergebnis nicht bedeute, dass die Impfung nicht wirke: „Das ist eigentlich durchaus erwartbar und bedeutet auf gar keinen Fall, dass die Impfung nicht wirkt. Die Betroffenen sind Ende Dezember geimpft worden,  jetzt haben wir die erste Januarwoche, das ist also maximal eine Woche her. Wir wissen ja: Nach der ersten Impfung hat die Impfung noch nicht die Effektivität wie nach der zweiten Impfung. Trotzdem: Jetzt sind einige infiziert, haben aber keine Symptome. Sollte es so bleiben, dass sie auch weiterhin keine Symptome haben, dann müsste man davon ausgehen,  dass es ein positiver Effekt der Impfung ist.“ Man müsse jetzt erst mal abwarten, ob das auch wirklich der Fall ist.

Laut Specht ist außerdem noch offen, ob die Impfung nur vor dem Ausbruch der Krankheit oder auch vor einer Infektion schützt. Wenn der Impfstoff nur vor dem Ausbruch der Krankheit schützt, kann ein Test trotzdem positiv ausfallen – nur hat man dann eben keine Symptome. 

Für Georg Sigl, den Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern bedeuten diese Fälle, dass auch für Geimpfte strenge Corona-Regeln gelten sollen. Zudem geht er davon aus, dass nach der ersten Impfung immer noch Infektionen auftreten können. Erst mit der zweiten wird laut ihm ein Immunschutz mit hoher Wahrscheinlichkeit gewährleistet.

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